Zehn Millionen Euro über Nacht: Die dubiosen Geschäfte in der Finanzmetropole Mattersburg


Pucher-Areal mit Geldscheinen davor
Ortner/Wiener Zeitung

Ein Immobilieninvestor und der Vorstand einer gemeinnützigen Genossenschaft lassen den Geist von Commerzialbank-Chef Martin Pucher wieder aufleben. Sie erfinden in Mattersburg zehn Millionen Euro Gewinn aus dem Nichts – mithilfe einer Wiese. Eine Tagespresse-Recherche in Kooperation mit der Wiener Zeitung.

MATTERSBURG – Die burgenländische Finanzmetropole gilt nicht erst seit dem Aufstieg der Commerzialbank als Manhattan Österreichs. Schon von weitem erblickt man die atemberaubende Skyline: Lagerhaussilos ragen in den Himmel, Raiffeisen-Fahnen flattern im Wind, die Stadtpfarre thront majestätisch im Zentrum. 

Willkommen in Mattersburg, dem „Big Apple“ des Burgenlands, dem „Uhudler-New-York“ (Bloomberg). Alles hier riecht nach Geld. Bis ins Jahr 1995 war Mattersburg nur ein Altglassammelzentrum, wo dreimal die Woche der Zug stehen blieb. Doch dann trat Commerzialbank-Chef und Finanzgenie Martin Pucher auf und erbaute quasi die halbe Stadt im Alleingang. Er erfand Geld, das gar nicht existierte – also wie jeder normale Bankenchef. Doch im Gegensatz zu normalen Bankiers beging er einen schweren Fehler: Er ließ sich dabei erwischen. 

Der große Crash folgte auf dem Fuß. An der Wall Street, der Londoner Börse und in Hong Kong wurde der Handel unterbrochen – die internationalen Finanzmärkte hielten den Atem an. Die Commerzialbank ging mit hunderten Millionen Schulden baden –  „Lehman Brothers 2.0“ titelte die New York Times. Pucher war gefallen – noch tiefer als Leo Hillinger nach zu viel Flat Lake. 

Doch Puchers Mindset sollte weiterleben. Ein Immobilieninvestor und ein Vorstand einer gemeinnützigen Wohngenossenschaft hatten eine große Vision, auch sie waren hungrig, auch sie wollten aus dem Hamsterrad ausbrechen, ihr Ziel: zehn Millionen Euro in nur drei Monaten aus dem Nichts zu generieren. Sie wollten „einen Pucher machen“, wie man in Mattersburg dazu sagt.

Der Mega-Deal

Es begann alles bei der Zwangsversteigerung der Insolvenzmasse der Commerzialbank. Teil der Masse: ein 1,23 Hektar großes Grundstück mitten in Mattersburg. Pucher plante dort einen neuen Stadtteil, mit Rathaus, Wohnungen, Büros und einer neuen Zentrale für sein Fintech-Start-up, das bekanntlich später von der innovationsfeindlichen FMA zu Fall gebracht wurde. In Mattersburg nennt man das Grundstück einfach nur das „Pucher-Areal“. 

Der Immobilieninvestor Gerhard Aigner ersteigerte das zentral gelegenen Grundstück am 24. Februar 2021 für 4,62 Millionen Euro, oder 375 Euro pro Quadratmeter. Ein stolzer Preis, selbst für ein Finanzzentrum wie Mattersburg. Wie Pucher wälzte auch Aigner große Pläne: In Medien redete er großmütig von einem neuen Stadtteil, mit Rathaus, Wohnungen und Büros. Und noch mehr Lagerhaus-Silos. Am 21. Mai unterzeichnete Aigner den Kaufvertrag.

Doch nur wenig später hatte er es sich anscheinend wieder anders überlegt. Aber eben nur anscheinend. Wie uns zwei Quellen bestätigen, wusste er bereits bei der Ersteigerung, dass er das Pucher-Areal weiterverkaufen wird, und sprach sogar von einem Käufer, den er schon habe. Die Märkte schlafen eben nie, man muss in Bewegung bleiben – und das Geld und die Immobilien auch.

Im August 2021 verkaufte Aigner die Liegenschaft an die gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft BWSG weiter. Aber nicht nur das Pucher-Areal, sondern auch zwei weitere Grundstücke. 

Die Verschachtelung

Eines davon ist ein Acker in Hartberg, für den Aigner zwei Jahre davor 750.000 Euro hinblättert. Das andere ist eine Lagerhalle direkt an der Westbahn in Neumarkt, für die ein Geschäftspartner von Aigner im Jahr 2015 läppische 247.000 Euro zahlt, und die er später in eine Firma von Aigner einbringt. Gemeinsam mit dem Pucher-Areal wurden die drei Grundstücke um 5,6 Millionen Euro eingekauft.

Wie es im Kapitalismus ebenso läuft, muss leider auch eine gemeinnützige Genossenschaft den Marktpreis zahlen. Und der beläuft sich im August 2021 für alle drei Grundstücke auf stolze 15.740.655 Euro – um zehn Millionen Euro mehr, oder das Dreifache des Einkaufspreises. Tja, so schnell geht es manchmal auf den Finanzmärkten.

Bei der Zwangsversteigerung im Februar 2021 gab die BWSG für das Mattersburger Grundstück kein einziges Gebot für das Areal ab, anders als bei anderen Pucher-Grundstücken.

Warum steigerte die BWSG nicht bereits bei der Zwangsversteigerung mit und kaufte erst, als der Preis des Grundstücks auf ein Vielfaches angestiegen war, wie der Blutdruck von Hans-Peter Doskozil, wenn er einen Sozialdemokraten sieht?

Wir fragen bei der BWSG nach. Eine Sprecherin der Genossenschaft erklärt das seltsame Verhalten in einer Stellungnahme mit „internen Entscheidungsprozessen“.

Im Laufe dieses Deals entstand noch etwas. Etwas, das fast so schön ist wie 10 Millionen Euro Profit: eine Freundschaft.

Der Vorstand der BWSG, Mathias Moser, steigt im Jänner 2023 mit der Genossenschaft bei der „VIAROSA Wohnpark GmbH“ ein und installiert sich als Geschäftsführer. Verkäufer der GmbH ist just Immobilieninvestor Gerhard Aigner, der ebenfalls Geschäftsführer bleibt.

Vor dem Einstieg in die Viarosa wollen die beiden keinen Kontakt gehabt haben. Auch Geldflüsse oder sonstige Gegenleistungen dementieren sowohl Aigner als auch Moser – wahrscheinlich ist es ihnen einfach nur um Freundschaft gegangen, um eine gute Zeit zusammen – quality time. Aigner darf sogar einmal in der BWSG-Mieterzeitschrift „Happy together“ auftreten (nicht erfunden, Anm. [kein Witz, echt nicht erfunden, Anm.]).

Und so neigt sich ein ganz normaler, hochprofitabler Tag in Mattersburg dem Ende zu. Eine neue Freundschaft entsteht, zehn Millionen Euro Gewinn tauchen auf, und Mattersburg festigt seinen Platz als globales Nervenzentrum des Finanzsystems. Einziger Trost für die mehr als 30.000 geschröpften Mitglieder der BWSG: Geld, das man auf den Finanzmärkten verliert, ist nicht weg. Es gehört nur jemand anderem. Wem genau, darüber kursieren die wildesten Gerüchte, die wir allerdings hier nicht wiedergeben wollen. Schließlich sind wir ja nur die Tagespresse und nicht der Standard.


  • Und hier nun der absolute Absturz:

    Auch die Tagespresse ist nur ein linkslinker Linksschmierfink der von Wirtschaft keine Ahnung hat und nichts besseres zu tun hat als die Teflonanzüge unsere wahren Leistungsträger zu beschmutzen.

    Sieht denn niemand ein wieviel Geld hier vernichtet wird ?! (Die Tränen unserer Leistungsträger müssen natürlich mit frischen 100€-Schein-Taschentücher getrocknet werden)

  • Nun lasst doch mal die Leistungsträger und Stützpfeiler der Gesellschaft in Ruhe. Immer dieser Neid. Die wissen schon, was sie tun, zumal einer einen Dr.-Titel hat – also bitte.

  • Wenn du glaubst es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Milliönchen her… Der erste Satire-freie Artikel der Tagespresse, welcher wiederum schwer nach Satire klingt… es ist alles so was von unglaublich 🤨

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