„Wien, die Stadt, in der ich wirklich wohne“: HC Strache führt durch seine Heimat


Strache vor Wiener Skyline
Georges Schneider / picturedesk.com

Jahr für Jahr lockt Wien Millionen Besucher an. Was es in dieser vielseitigen Donaumetropole alles zu erleben gibt, das zeigt uns heute ein waschechter Wiener: Frühpensionist Heinz-Christian Strache (51) führt einen Tag lang durch seine Heimat und verbringt mit uns einen typischen Wiener Tag in Wien, wo er wirklich wohnt.

14 Uhr

Der Wecker läutet. „Wie jeder echte Wiener stehe ich erst jetzt auf“, lacht Strache. „Jeder Tag beginnt hier in Wien in meiner bescheidenen 50-Quadratmeter-Wohnung, wo ich ganz bescheiden mit Frau, Kind, Hund und unseren Sporttaschen wohne“, sagt er. „Momenterl, ich muss aufs Klo… wo ist das in der Wohnung eigentlich… da?“ Strache öffnet eine Schranktür.

14:32

„Stephansdom, oder wie wir Wiener auch sagen, Steffl, du alter Herr! Majestätisch thronst du über Wien und wachst über uns“, sagt Strache und schaut ergriffen hinauf zum Donauturm.„Hier finde ich zu mir selbst. Ich habe ja auch eine spirituelle Seite und glaube, dass es eine höhere Macht gibt, die uns antreibt, weiterzumachen, wenn wir nicht mehr können. Aber ich nehm Kokain schon seit Jahren nicht mehr.“

15:03

Die Stadt zieht an Strache vorüber. „Ich fahr sehr gern U-Bahn. Dieses Tempo, ein Wahnsinn“, sagt er und schaut aus dem Fenster der 1er-Bim. „Ach, mein Wien, in dem ich tatsächlich lebe.“

Plötzlich fällt Strache wie ein Sack um, weil er sich nicht festgehalten hat. Er steht lachend auf, wechselt in die U4. „Das ist dieser neue Hochgeschwindigkeitszug!“ Bevor er aussteigt, fragt er noch mehrere wildfremde Frauen: „Darf ich Sie auf drei Bier einladen?“

15:48 Uhr

„Wenn ich vor der Arbeit noch so richtig Kraft tanken will, dann gehe ich eine Runde in den sogenannten Wienerwald, unsere grüne Lunge“, erklärt Strache und dreht jetzt schon die zehnte Runde durch die Hundezone im Votivpark. „Wenn du so barfüssig das Gras unter dir spürst, das erdet dich. Oh, hallo, kennen wir uns? Nein, hm, ich dachte, wir waren damals in derselben Partei“, lächelt Strache, kniet sich vor ein Hundstrümmerl hin und schüttelt ihm die Hand.

16:06

Strache bekommt Hunger. Auf seinem abhörsicheren, 50 cm großen Seniorenhandy sucht er beidhändig nach einem Supermarkt. „Am Schwedenplatz ist einer. Haha, Schwedenplatz, wer wohnt dort, Schweden?“

Strache geht in eine Billa-Filiale. Vor der Kassa ist eine vierzig Meter lange Schlange. „Wieso verlangt niemand hier eine zweite Kassa? Macht man das hier nicht? Also, jetzt mal so von Wiener zu Wiener gefragt.“

16:33 Uhr

Kurze Aufregung. Als Strache am Parkring an einem Nobelhotel vorbeispaziert, springt ihn plötzlich eine junge Frau mit russischem Akzent und schmutzigen Zehennägeln an: „Hey, I know you, Ibiza 2017, dieser Abend in der Finca! You lied to me, ich auf dich reingefallen, du bist Fake-Wiener!“ Strache wechselt schnell die Straßenseite. „Ich kenn Sie nicht, verschwinden Sie, ich mach nur Urlaub in Wien, zum Beispiel an der“, Strache schaut auf Google Maps nach, „alten Dornau, sorry, Donau“.

17:00 Uhr

Zeit für eine Erfrischung. Strache zieht sich nackt aus und springt in den Wienfluss. Vor verstörten Familien klettert er aus dem Wasser und zieht sich eine weiße Feinripp-Unterhose aus seinem eigenen Betrieb über den Kopf. „Als echter Wiener bin ich natürlich ein glühender FKKK-Fan. Herrlich. Könnten Sie kurz ein Unten-Ohne-Foto für mein Facebook machen? Danke, ganz lieb.“

17:40 Uhr

„Schrecklich, schauen Sie sich das an, was ist aus meinem schönen Wien geworden! Überall Ausländer! Kein Wort Deutsch ist hier zu hören, das muss dieses Favoriten sein. Ein Murl nach dem anderen, eine einzige Scheichparade“, schüttelt Strache den Kopf, während er durch das Goldene Quartier im ersten Bezirk spaziert. Als ein Ausländer eine Mastercard Platinum zückt, wird Strache freundlicher: „Oh, Guten Tag der edle Herr, wollen Sie vielleicht was kaufen, zum Beispiel mich?“

18:47 Uhr

„Wie ihr an meinen 58 Rapid-Sporttaschen sehen könnt, die ich gerade in der Tiefgarage in den Kofferraum lade, bin ich als echter Wiener und Arbeiterkind ein Fan der Grün-Weißen. Aber das ist wirklich auch schon das einzig Grüne, das mir in die Tüte kommt. Abgesehen natürlich von den hunderten grün schimmernden Euro-Scheinchen, da in der kleinen Tüte, die ich noch im Handschuhfach versteckt habe.“

20:00

„Was ist ein Tag in Wien ohne Wirtshaus?“, fragt Strache und betritt ein Lokal. „Gräfin am Naschmarkt, Geheimtipp, sehr urig, gutbürgerliche Küche zu angenehmen Preisen, hier finden Sie fast nur Wiener wie mich. Hoffentlich fallen Sie nicht auf, verhalten Sie sich unauffällig“, rät er uns.

„Jetzt schaut’s her, wie das ein Wiener macht. Herr Ober! Bringen Sie mir eine Eitrige mit einem Buckel und einem Sechzehnerblech.“ Der Koch kommt und presst seinen eitrigen Pickel in Straches Teller aus. „Ah! Herrlich, eine gute alte Eitrige“, jubiliert Strache. Sein Tisch wackelt. Nach einer kleinen Beschwerde legt ihm der Kellner einen Michael Jeannée unters Tischbein.

21:34 Uhr

Strache setzt sich auf die Treppen der Karlskirche und trinkt ein Heineken. „Hier bin ich sehr gern, vor dieser schönen“, Strache dreht sich um, „vor dieser schönen Moschee, ich bin sehr weltoffen, Wien ist anders, ich bin Öffi für alles.“ In einem unbeobachteten Moment lässt sich Strache im Brunnen ein zweites Mal taufen, um sich vom Islam zu reinigen.

23:56 Uhr

Kurz vor Mitternacht wird Strache nostalgisch. „Hier habe ich meine Ausbildung genossen“, lacht Strache und zeigt auf die Volksgarten Passage. „Die FPÖ-Matura. Vier Jahre Volksschule, vier Jahre Hauptschule, acht Jahre Happy Hour.“

Über der Stadt leuchtet der Mond. Es ist eine warme, laue Nacht. Strache zeigt gen Himmel. „Sehen Sie, da oben, die Gestirne, der Große Wagen, der Kleine Wagen.“ Nachdenklich betrachtet Strache noch bis zum Morgengrauen die große Mazda-Werbung auf einem Hochhausturm am Ring.

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„Die FPÖ-Matura. Vier Jahre Volksschule, vier Jahre Hauptschule, acht Jahre Happy Hour.“
Ein Juwel! Danke!

Ein Jahr Tanzkurs, der zwar abgebrochen wurde, hat leider in der Aufzählung keine Berücksichtigung gefunden.

Und den Freischwimmer hams auch unterschlagen

Frühschwimmer im 10cm hohen Planschbecken mit Flügerl und biologischem Reifen, sowie Sturzhelm und Fallschirm… um auf Nummer sicher zu gehen.

Seepferdchen!

Der beste Artikel ever! Tagespresse for president! 😂😂😂😂😂

Viel zu realistisch – wo bleibt denn da die Satire?

Oh, hallo, kennen wir uns? Nein, hm, ich dachte, wir waren damals in derselben Partei“, lächelt Strache, kniet sich vor ein Hundstrümmerl hin und schüttelt ihm die Hand.

Wahnsinn :-D :-D

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