Vorbild Venedig: Touristen erhalten 10 Euro, wenn sie einen Tag nach Linz fahren


Jemand hält 10 Euro in der Hand am Linzer Hauptplatz
flickr.com - Jorge Franganillo / depositphotos.com (M)

Um den ausufernden Massentourismus einzudämmen, will Venedig bald ein Eintrittsgeld von Besuchern verlangen. Der Linzer Tourismusverband nahm sich diese Maßnahme zum Vorbild. Die oberösterreichische Landeshauptstadt bietet Touristen künftig ein Eintrittsgeld von 10 Euro pro Tag.

LINZ – Der Bus einer chinesischen Reisegruppe steht am Stadtrand von Linz. Fassungslos schauen die Reisenden aus dem Fenster und betrachten die Skyline der oberösterreichischen Hauptstadt. „Sind wir schon wieder daheim? Das schaut aus wie die Tierkadaververwertung in Chengdu“, fragt ein Mann seine Frau. Diese seufzt. „Nein, das ist die Autoreifenfabrik in Xinjiang. Siehst du nicht die toten Augen in allen Gesichtern?“

Plötzlich kommt Bürgermeister Klaus Luger angelaufen. „Willkommen in….“, dann schaut er auf seinen Schummelzettel. „Linz! Linz heißen wir, genau, das verdräng ich immer, haha.“ Er wedelt mit einem Packen Geldscheinen und fordert die Gruppe auf, hierzubleiben. „10 Euro, wenn’s am Hauptplatz wo einen Kaffee trinkt’s, ihr müsst’s auch kein Foto davon auf Insta teilen oder so, niemand wird je erfahren, dass ihr da wart’s, ok?“ 

Eigentlich war die Reisegruppe gerade am Weg nach Salzburg: „Wir wollen Mozart sehen.“ Luger lächelt unsicher. „Wir haben auch ein musikalisches Genie… wie wär’s mit… ähm… Christl Stürmer? Oder dem Haimbuchner Manfred? Das ist der, äh, der Schwager vom Mozart.“ Die Reisegruppe schaut interessiert. Deal!

Almosen

Eine Stunde später, am Hauptbahnhof. „Wie lange muss ich hier bleiben, um die 10 Euro zu kriegen? Mindestens 30 Minuten? Puh. Kann ich mich einfach aufs Klo hocken und die Zeit absitzen?“, seufzt ein Rucksacktourist aus den Niederlanden. Luger versucht, ihn aus dem Railjet zu locken.

Der junge Mann starrt entgeistert aus dem Waggon, sein Blick wandert über die Plattenbauten und die Voest in seine leere Geldbörse. Er schluckt, eine Träne kullert über seine Wange. „Machen wir 20 Minuten, Deal?“ Luger nickt. „Dafür gibst dem Linzer Zahnstocher-Museum drei Sterne auf Google, ok?“ 

„Stopp, Momenterl, die Herrschaften! Wollen Sie nicht noch auf die andere Seite der Donau… zum Urfahraner Markt, hm?“, fragt Luger. Ein Touristenpaar aus der Schweiz schaut sich an und schnauft. „Der Urfahraner Markt ist quasi unser Markusplatz.“ Er steckt den beiden noch einmal 10 Euro zu, augenrollend lassen sie sich von ihm über die Nibelungenbrücke begleiten. „I sing a Liad für di“ schallt ihnen vom Urfahraner Markt entgegen wie eine gefährliche Drohung. Der Ehemann springt von der Brücke.

Erster Erfolg

„In Linz beginnt’s“, proklamiert Tourismussprecher Alexander Richard Hutter freudig, „Zumindest hoff ma, dass jetzt dann bald mal beginnt.“ Der 85-jährige gelernte Alkoholiker betreut seit bald 67 Jahren die Tourismuskampagnen des Verbands, bis jetzt sei keine so richtig erfolgreich gewesen.

„Letztes Jahr hamma rund 125 Millionen in Werbung und Branding gesteckt.“ Eine New Yorker Werbeagentur entwickelte für 124 Millionen die Slogans „Linz – immerhin nicht St. Pölten“, „Wir sind nicht Linz, sondern… äh, Salzburg“ und „Linz – Venedig meets Tschernobyl“. Damit konnte ein gutes Dutzend Niederösterreicher angelockt werden: „Aber auch nur, weil sie sich bei der Autobahnabfahrt vertan haben…“ 

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Dem Mutigen graut selten. Höchstens vor St. Pölten!

Selig seid ihr, die ihr Gnade gefunden habt und Zuflucht in St. Pölten, denn ihr werdet auf die Schafe der ÖVP stoßen und Euch ihrer Herde anschließen können, ihre satten Pfründe teilen und teilhaben an der Macht der Allmächtigen. (Wenn ihr nicht negativ auffallt. Also Goschn haltn und ned sowas schreiben!)

Ich hab‘ 6 Semester in Linz studiert. Wo sind meine 2.000 Euro?

Dürnstein (Wachau): 1,000.000 Touristen jährlich (vor Corona) überfallen 90 Einwohner. Schiff legt an, Masse hetzt durch die engen Gassen, Schiff legt ab. Nächstes Schiff legt an usw. Verpflegt werden die Massen all inkl. an Board. „Glückliches Linz“ denken wohl die 90 Dürnsteiner

Noch sind es 10 Euro, damit jemand dort hin fährt. Wenn erst einmal ein paar Fotos im Netz auftauchen, wird Linz schon mit 50 oder gar 100 Euro Touristen ködern müssen.

ok, wer influenced die Influencer?

10 Euro sind 10 Euro …

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