Vorbild Banken: Krankenhäuser stellen auf SB-Foyers um


Mann mit Gipshand steht an Bankomaten im OP Saal
depositphotos.com (M)

Überfüllte Ambulanzen, geschlossene Stationen und verschobene OPs – der eklatante Personalmangel in Österreichs Krankenhäusern gefährdet zunehmend die Gesundheitsversorgung. Ein Vorbild aus der Bankenwelt soll nun Abhilfe schaffen: Zahlreiche Spitäler stellen auf Selbstbedienungs-Foyers um.

WIEN – „Einfach die gültige E-Card in den Kartenleser schieben, Sozialversicherungsnummer eintippen und schon öffnet sich die Schiebetür“, erklärt die ärztliche Leiterin Dr. Maria Frauwallner bei der Präsentation des neu geschaffenen Selbstbedienungs-Foyers im Wiener AKH.

Hier können PatientInnen ab sofort kleinere Wunden, aber auch größere, lebensgefährliche Wehwehchen selbst behandeln. „Wartens, ich helf ihnen“, seufzt Frauwallner und schiebt die E-Card eines Mannes, der sich beide Unterarme weggeböllert hat, ins Lesegerät. „Frohes Neues nachträglich, da drüben ist das Nähwerkzeug!“ Der Mann bedankt sich, seine beiden Unterarme liegen vor ihm in einer Tupperdose. 

Rundum-Self-Service

Neben einem voll ausgestatteten OP-Tisch und einer Herz-Lungenmaschine steht auch ein durch einen verstaubten Plastik-Ficus abgetrennter Do-It-Yourself-Kreißsaal zur Verfügung. Ein umgebauter Bankomat gibt statt Banknoten nun Blutkonserven aus. 

„Auch für eine umfassende Diagnostik ist natürlich gesorgt“, versichert Frauwallner und deutet auf einen alten Laptop, auf dem ein älterer Mann gerade „Blähungen“ in Google eintippt, bevor er vor Schreck bleich wird und „Scheiße, Magenkrebs im Endstadium!“ stammelt.

Eine Ecke weiter, in der Röntgen-Selfie-Box, versucht eine Mutter das im 90-Grad-Winkel abstehende Handgelenk ihres vierjährigen Sohnes zu durchleuchten, während der Vater mit zwei rumänischen Bauarbeitern Gips in einem Kübel anrührt.

Gesundheitsverbund stolz

Kritik an angeblichen gesundheitlichen Risiken durch die Selbstbedienung lässt der Wiener Gesundheitsverbund (vor Skandalen noch als KAV bekannt, Anm.) nicht gelten. „Alle Foyers sind auf dem neuesten Stand und verfügen über einen hochmodernen Energie-Schutzring“, bekräftigt Sprecher Jürgen Eder. „Außerdem haben wir das SB-Foyer noch von unserem Schamanen, dem Gustl aus dem Südburgenland, gegen den Uhrzeigersinn ausräuchern lassen, sicher ist sicher.“

Schauplatzwechsel: Auch das SB-Foyer des Uniklinikums Graz ist an diesem Vormittag bereits gut besucht. Zwei Teenager drehen sich mit einer Euromünze eine Handvoll Tabletten aus einem bunten Psychopharmaka-Spender. Eine alte Dame steckt ihre E-Card in den Dialyse-Apparat. Sie gibt dreimal die falsche Versicherungsnummer ein, ihre Karte wird eingezogen. Aus dem Drucker daneben rattert ihre Sterbeurkunde – so geht vorbildlicher Service!

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41 Kommentare
  • Und wer zur E-Card auch noch eine Kreditkarte mit hohem Limit einschiebt, kriegt für die Unterarme auch das „Nähservice“ – so geht zwei-Klassen-Medizin!

    • 2 Klassenmedizin gibts nicht – es sind 4 Klassen: Nicht gewusst? 1. Klasse: Politiker und ÖGB-Funktionäre (mit oder ohne SKL – meist ohne). 2.Klasse: Alle Politiker, die nicht soooo wichtig sind und alle Berühmtheiten derer. 3. Klasse: Die wirklichen Pat., die SKL auch einzahlen. 4. Klasse: Der Rest

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