Tagespresse vs. Signa: Wir kämpfen um das Geld eines Mini-Gläubigers


Matthias Heschl

Die Signa-Pleite hinterlässt viele unschuldige Opfer. Multimillionäre bangen um mehrere Millionen ihres Vermögens. Der Tiroler Signa-Hausmeister René B. wiederum muss inzwischen Business-Class nach St. Tropez pendeln statt mit Privatjet. Auch der Wiener Fotograf Niklas wurde von der bankrotten Beton-Mafia über den Tisch gezogen. Mit einer offenen Forderung von 1.819,60 Euro gilt Niklas als einer der kleinsten Gläubiger. Können wir sein Geld von Scammer René zurückscammen?

Seit dem 29. November 2023 ist das Leben des 27-jährigen Fotografen Niklas aus Wien-Meidling nicht mehr dasselbe. „Signa meldet Insolvenz an“. An diese Push-Nachricht von ORF.at erinnert sich der junge Selbständige mit Schaudern. René Benko schuldet ihm seither 1.819,60 Euro.

1.819,60 Euro – für einen Signa-Berater wie Alfred Gusenbauer sind das bloß drei Minuten Arbeitszeit zwischen Amuse-Gueule und erstem Gang. Für einen jungen Selbstständigen bedeutet eine derartige Summe jedoch harte, ehrliche Arbeit. Für ihn bricht eine Welt zusammen, so wie das Signa-Imperium nach einer kleinen Anpassung des Euribor an seinen historischen Normwert.

Brisante Liste

Durch dunkle Kanäle gelangt die Tagespresse an die geheime Liste der Gläubiger der Signa Holding. Darauf finden sich Promis wie Danielle Spera, vertrauenswürdige Firmen wie die „MIDDLE EAST TRUSTED ADVISORS LTD.“ aus Abu Dhabi (kein Witz), sowie renommierte Berater wie Alfred Gusenbauer, Gusenbauer Alfred, Fredl Gusenbauer, Alf G. Usi, Freddy Goosenpower und Fredérique Quousenbouer.

Sogar die eigene Privatstiftung von René Benko will Geld von ihm. In den letzten Atemzügen des Imperiums kann René nicht mal mehr Benko vertrauen. Der wiederum erwischt im Stress den falschen IBAN und überweist laut Financial Times 315 Millionen irrtümlich an die „Laura Finance Holding GmbH“ und die „Laura Holding GmbH“. Beide Firmen stehen ebenfalls in der Gläubigerliste und befinden sich im Eigentum der „Laura Privatstiftung“, einem karitativen Verein, der sich um die Insta-Likes von Millionärstöchtern kümmert. Im Firmenbuch finden wir Dutzende weitere Laura-GmbHs.

Als sich der Staub lichtet, bleiben nur noch ein wegfliegender Privatjet übrig und unzählige Gläubiger, die um ihr Geld kämpfen. Die Tagespresse kontaktierte mehr als ein Dutzend von ihnen und fragte nach ihren persönlichen Geschichten. Niklas ist einer der kleinsten Gläubiger im größten Insolvenzfall Österreichs.

Signa & Niklas

Doch wofür schuldet die Signa dem Wiener Fotografen überhaupt noch Geld? Naja, für Fotos halt. So fotografierte er die Namensenthüllung der Bauruine „Kaufhaus Lamaar“ auf der Mariahilferstraße. Die Fotos selbst wurden nie veröffentlicht, es ging wohl nur darum, durch die Anwesenheit eines Fotografen Glamour-Feeling zu vermitteln. „War bei Signa schon damals alles nur Fassade, hätte ich das alles kommen sehen müssen?“, fragt sich Niklas.

Dann fotografierte Niklas einige Signa-Mitarbeiter beim Bäumepflanzen in der Steiermark. Seine Fotos fanden sich später im firmeneigenen Nachhaltigkeitsbericht, der laut Recherchen nur minimal mehr Bäume für das Druckerpapier verbrauchte, als gepflanzt wurden. 


  • Liebe Tagespresse, Ihr habts euren Scambait leider mit sehr veralteten Methoden aufgezogen. Heutzutags muss das ganze etwas hipper sein!

    Bietet dem Herrn Benko doch eine lukrative CEO-Stelle als Konzerngeschäftsführer in der Baubranche an. Aufgabe ist die Abwicklung einer Firmenauflösung. Jeder weiß das Firmenauflösungen das lukrativste geschäft überhaupt sind. Geboten wird ein geringes Grundgehalt 1,2 Mio € brutto pro Monat + Umsatzbeteiligung an der Versteigerung des Firmensilbers.

    Um Eingestellt zu werden, muss lediglich zuvor ein kurzes Schulungsvideo samt Unterlagen erworben werden, welches unbedeutende einmalige € 1.819,60 kostet. Ein einmaliges Angebot. Insider zerreissen sich nach diesem Angebot, also schnell schnell zuschlagen !

  • Das Credo des Neoliberalismus lautet: „There is no such thing as society“, es gibt keine Gesellschaft, nur das (reiche) Individuum zählt. Daß das Ego der Reichen auf Straßen unterwegs ist, welche die ganze Gesellschaft finanziert hat, das vergisst man nur zu gerne. Und auch so kleine Rechnungen, die übersieht man gerne, als ganz Reicher.

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