Nehammer trifft Putin: Das Protokoll eines historischen Besuchs


Das geheime Protokoll
BKA, depositphotos.com (M)

Kanzler Karl Nehammer hat Geschichte geschrieben! Durch seinen Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin hat er gezeigt, dass es sich lohnt, große Strapazen auf sich zu nehmen, um absolut nichts zu erreichen. Der Tagespresse liegt das Protokoll des Treffens vor. 

08:37 Uhr – Nehammer verlässt Kiew, beim Ausparken touchiert sein Trupp einige Autos, doch der ÖAMTC ist sofort zur Stelle und schleppt den Kanzler im Schritttempo bis nach Moskau ab, während er staatstragend aus dem offenen Fenster den ukrainischen Flüchtlingen zuwinkt.

10:05 Uhr – Während der Fahrt nach Russland starrt der Kanzler immer wieder auf einen Zettel, geht seine Rede durch, wichtige Worte, die er dem russischen Präsidenten mitteilen will. „Herr Putin, I have a dream: In meiner Altbauwohung in Hietzing brenn i mi scho dumm und deppert fürs Gas, im Quartal 1 zum Beispiel hab ich scho länge mal breite Nachzahlung, kann ma da nix machen, bitte?“ Es sind Worte für die Ewigkeit. Nehammer blickt hoch. „Keine Sorge, das is im Wortlaut alles mit der EU so abgesprochen, also so ungefähr.“

13:34 Uhr – Einfahrt am Stadtrand von Moskau. Tausende ehemalige österreichische Politiker stehen am Straßenrand Spalier. Sie winken dem Kanzler bei der Ankunft mit russischen Flaggen zu. Das Handy von Nehammer vibriert im Sekundentakt, Werner Kogler bombardiert ihn mit SMS. „wo bist du???“ – „karli melde dich, machen uns sorgen“ – „wann kommst du heim?“ Nehammer tippt, antwortet. „bin squash im club danube, musst nicht warten auf mich, gute nacht“. Der Kanzler grinst: „Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß…“

14:15 Uhr – Das Vorglühen im Hotelzimmer beginnt pünktlich. Nehammer ist gut in Fahrt. Ein erster Leibwächter muss in die stabile Seitenlage gebracht werden. Ein mitgereister Journalist der Krone überlegt, ob er eine Story bringen soll, doch Nehammer öffnet ihm ein Bier und grinst: „Schreibst Nowitschokanschlag , versteh ma uns? Im Gegengzug dafür kriegst wieder a Home Story bei mir in Kloburg, i zieh für die Fotos sogar die enge Speedo an.“ Die beiden stoßen an. Der Vorfall wird vertuscht.

14:30 Uhr – Nehammer bereitet sich vor, liest sich nachdenklich den Wikipedia-Artikel über Putin durch. „Er fährt im Winter gern Ski in Tirol und im Sommer reitet er nackt auf Bären, genau wie ich. Ich glaub, wir werden uns verstehen.“ 

14:35 Uhr – Der Kanzler schaut staatsmännisch aus dem Fenster. Er ist bereit für das wichtigste Gespräch seiner Karriere. Ein letzter Austausch mit seinem Berater, Positionen werden abgesteckt: „Wir sind gegen den Krieg, oder?“

15:00 Uhr – Nehammer betritt Putins Residenz , ein Butler öffnet ihm die Tür, Nehammer muss lachen, ein alter Bekannter! „Maschi, lang nimmer gsehn, wie geht’s da? Schaust guat aus mit dem Bart!“, lächelt Nehammer. Jan Marsalek lächelt, dann bringt er den Kanzler mit dem Lift ins siebente Untergeschoss.

15:15 Uhr – Putin verspätet sich. „Er ist noch in der Therme. Eisbaden und Botoxen. Aber bedient euch inzwischen“, erklärt Marsalek, dann schiebt er Nehammer eine Flasche Schartner Bombe und eine Schachtel Guylian Meeresfrüchte Schokolade hin.

15.40 Uhr – Gesprächsbeginn. Putin erscheint am Ostende des längsten Tisches seines Hauses. Nehammer wirkt ihm aus 400 Metern Entfernung zu.

15:49 Uhr – Nehammer ist endlich auf Putins Seite angekommen und schüttelt ihm die Hand. Putin erkennt den Judogriff des Kanzlers und pariert ihn. „Hallo Herr Putin, im Namen der Republik Österreich darf ich Sie- “ Putin schaut auf die Uhr. „Na gut, alles klar, wir melden uns!“ Der russische Präsident lächelt, packt seine Akten und geht wieder aus dem Raum.

16:00 Uhr – Die Putzfrau wascht bereits die Gläser ab, aber Nehammer will noch bleiben. „Vielleicht kommt er ja noch mal“, flüstert er einem Berater ins Ohr.

17:03 Uhr – Der Kanzler verdrückt die letzte Schoko-Meeresfrucht, zerknüllt die Schartner Bombe Flasche, dann steht er auf, lächelt gekünstelt, schüttelt für die Fotokameras noch einmal die Hände ins virtuelle Nichts und geht.

18:15 Uhr – Nehammer tritt erstmals vor die Presse, fletscht für die Kameras wie gewohnt seine Zähne: „Ich darf ihnen berichten, das Gespräch war schehr offen, schehr direkt, schehr hart! Das war kein Freundschaftsbesuch. Herr Putin war so in scheiner Kriegschlogik gefangen, dass er das obligatorische Freundschaftsstamperl abgelehnt hat.“ Ganz umsonst war das Treffen aber nicht. Stolz zeigt Nehammer seine Teilnahmeurkunde, die ihm ein russischer Minister in Comic-Sans ausgedruckt und mit Kartoffelstempel unterzeichnet hat. 

22:32 Uhr – Zurück in der österreichischen Botschaft in Moskau. Nehammer legt sich auf ein Feldbett. Vor dem Einschlafen öffnet er noch seinen Kalender, geht die nächsten Termine durch. „Sodawasser, was hamma da. Morgen Pjöngjang, Koreakonflikt lösen, nach dem Abendessen kurz mit Israel skypen, Nahostkonflikt beenden, Wochenende Nordpolmission, Waffenstillstand mit dem CO2 verhandeln. Dann ist der Klimawandel auch endlich besiegt!“ Der Kanzler schließt die Augen, am Nachthimmel leuchten die Sterne, unten am Feldbett liegt der neue Stern am europäischen Diplomatenhimmel.

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Warum hat er dem Putin nicht mit einem Konzert vom Krawallier gedroht??
DAS wäre eine wirksame Sanktion!

😂Krawallier….😂

Geh bitte, das würd doch die Menschenrechtskonvention verbieten … hoffentlich !?

Eine krachkustische Massenvernichtungswaffe.
Krawallier greift effektiv Gehirnzellen an, vernichtet sie, und befördert Gehirne in ein Neandertalequilibrium.
Dass man danach wieder auf Bäume klettern will, legt sogar den Schluss nahe, dass man noch dümmer wird, als ein Neandertaler.

Irgendwie kann ich heute zwischen Tagespresse, Krone, Standard, Nachrichten, OE24 und sogar dem Klopapier Österreich keinen Unterschied erkennen. Alle schreiben praktisch Wort für Wort dasselbe …

Kein Wunder, die Tagespresse schreibt genauso von der APA ab wie alle anderen seriösen Zeitungen.

Was für seriöse Zeitungen?

Lovely, 3-lagig

In ihrer Bedeutung für die Weltgeschichte hat der Schmähammer-Karli jetzt den Knastibasti ordentlich abgehängt.

Und wo ist jetzt die Satire abgeblieben?

Satire bitte wahlweise in der Krone, oe24 oder Heute lesen. Danke.

Gute Frage 🤔

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