Martin Ho sieht seinen eigenen Schatten: Zwölf weitere Wochen Lockdown


Martin Ho
Robert Jäger / APA / picturedesk.com

Er hat es wieder getan: Martin Ho, das Orakel des Landes, kroch heute kurz aus seinem Nobellokal und sah seinen eigenen Schatten. Damit dürften uns laut Prophezeiung weitere zwölf Wochen Lockdown bevorstehen. Erst dann können wieder Tische in seinen Lokalen reserviert werden. 

WIEN – Zahlreiche Fernsehteams, Simulationslabore und Elternverbände pilgern heute vor das Dots Sushi, wo Martin Ho aus der Küche heraus prophezeien soll, welchen Weg die Pandemie in den nächsten Tagen einschlagen wird. „Wenn er seinen Schatten sieht, heißt das zwölf Wochen mehr Lockdown“, murmelt der Journalist Bill Murray nervös. „Sieht er ihn nicht und geht er einfach wieder zum Schlafen zurück in seine Kokshöhle, dann steht uns das Ende des Lockdowns bevor.“

Auch Experten wissen: „Martin Hos Voraussagen sind die genauesten, die wir derzeit haben“, meint Niki Popper, Martin Ho-Experte vom Martin Ho-Simulationsbüro für Martin Ho-Simulationen. „Zehntages-Inzidenz, Antikörper-Tests, alles schön und gut. Aber das wirklich wichtige ist, wann man beim Dots wieder einen Tisch bestellen kann.“

Bisher immer richtig gelegen

Schon in der Vergangenheit bewies der Selfmademan Ho seine prophetische Gabe. So sagte er etwa bereits letzten Herbst, noch vor allen anderen, auf den Tag genau voraus, dass die Lokale ab dem 2. Dezember schließen würden. 

„Er ist der Nostradamus der Neuzeit, sein Online-Reservierungssystem das neue Orakel von Delphi“, jubelt ein Passant. „Ich will selbst auch wissen: Kann ich am 17. September einen Tisch für zwei Personen reservieren, oder sagt mir die Homepage, dass das nicht mehr geht, weil ich dann schon tot bin?“ Der Legende nach erhält Martin Ho sein geheimes Wissen direkt via WhatsApp von einer unberechenbaren Gottheit aus dem Waldviertel.

Vorhersage

Mittags. Immer mehr Menschen finden sich vor dem Asian-Fusion-Lokal ein, das neben einer unverwechselbaren Mischung aus europäischer und ostasiatischer Küche auch lebenswichtige Informationen über eine tödliche Krankheit anbietet.

Die Spannung steigt, stundenlang harren die Massen in der Kälte aus. Schließlich geht es los: Zaghaft öffnet sich die Tür, Martin Ho schiebt sich langsam durch den Türspalt. Nervös schart er mit den Füßen, wirft einen scheuen Blick in die Menge, um festzustellen, ob ein Zivilpolizist dabei ist. Als er zu Boden blickt, passiert es: Er sieht seinen Schatten. „Fuck, neiiiin nicht schon wieder“, schreit Bill Murray und geht zu Boden.

Für eine ausgiebigere Befragung steht Ho leider nicht mehr zu Verfügung. Sofort ergreift er wieder die Flucht zurück in sein Lokal, wo er sich um 14 Uhr ins Bett legt, um bis 20 Uhr Ende April zu schlafen.

Und so löst sich die Menge vor dem Dots wieder auf. Die Türen sind versiegelt wie das Schicksal des Landes, die Lichter erloschen wie die Hoffnung der Menschen auf ein baldiges Ende der Maßnahmen. Es ist kalt und still auf der Mariahilfer Straße. Der eisige Jänner-Wind weht durch die Gassen und trägt leise die gedämpften Geräusche einer Drogenparty im Hinterzimmer durch die ausgestorbene Stadt. So wie jeden Tag.

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Am 13. April bringt Bill Gates das Update, damit auch die 5G sender entlang der B117 unterstützt werden, Rhamadan fangt an und Lou Bega („Lockdown Nr. 5′) hat Geburtstag. Das kann doch alles kein Zufall sein.

:-D :-P ;-)

Bearbeitet von Moonhillwolf

Angesichts der aktuellen Lage können wir also nur hoffen, dass uns die „unberechenbare Gottheit aus dem Waldviertel“ nicht mehr allzu lange zürnt…

49,999 EUR … Dir notwendige Opfergabe ist ja längst bekannt…

Hier brauchts mehr als Hoffnung. Irgendeinen legalen Weg wirds wohl gebn die Regierung auszuwechseln. Neuwahlen? Demo bis zum Rücktritt?

Wir müssen wohl ein Menschenopfer bringen. Ich schätze er will den Kopf von Anschober.

Die Gottheit aus dem Waldviertel ist ein Menschenfresser, der am Liebsten Koalitionspartner frisst.

Sehr guter Tatsachenbericht.
Endlich mal jemand sich traut zu berichten wie es sich tatsachlich zugetragen hat, super danke!

Liebes Tagespresse Team, ein kleiner Fehler ist euch unterlaufen, nämlich das Datum 2.Dezember, müsste 2.November sein.
Ansonsten alles perfekt recherchiert wie immer 😃

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