FPÖ vs. Tagespresse: Bericht vom zweiten Prozesstag


Udo Landbauer in einem Gerichtssaal
Wikimedia / ACBahn/ HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com (M)

Der heutige zweite Prozesstag am Wiener Handelsgericht rund um die Fake-Briefe brachte eine dramatische Wende. Wir haben heute einsehen müssen: Auch Satire kann im echten Leben zu schweren, seelischen Verletzungen führen. Die Zeugenaussage des FPÖ-Landesgeschäftsführers ändert alles.

10. Jänner 2024. Es ist ein kalter Morgen. Eisig ist heute nicht nur das Wetter, sondern auch die Stimmung im Verhandlungsraum. 

Völlig überraschend ist FPÖ-NÖ-Landesgeschäftsführer Andreas Spanring heute persönlich aufgetaucht, nachdem er den ersten Prozesstermin trotz Ladung unentschuldigt spritzte. Heute erfuhren wir den Grund für sein Fernbleiben: Zu groß war offenbar das seelische Trauma, das ihm an jenem verhängnisvollen Dienstag nach Ostern 2023 widerfuhr. Jenem Tag, an dem unsere satirischen Fake-Briefe an die Wirte zugestellt wurden. Er konnte, so vermuten wir, am ersten Prozesstermin einfach noch nicht darüber sprechen.

Doch heute war er erstmals bereit, seinen Peinigern in die Augen zu blicken. Auf eine kontradiktorische Vernehmung via Videoschaltung zum Schutz vor Retraumatisierung verzichtet er.

Mit feuchten Augen beginnt er zu erzählen, was sich an jenem Tag abgespielt hat: Die Telefone in der Parteizentrale liefen heißer als heiß. Sage und schreibe zehn verwirrte Gastwirte haben sich telefonisch in der Parteizentrale gemeldet. Zehn kurze, höfliche Telefongespräche – Psychoterror, der jeden Menschen brechen würde.

Spanring bei seiner Vernehmung
Spanring bei seiner Vernehmung

Traumatisches Erlebnis

Aber das war noch nicht alles. Spanring schluckt, seine Finger verkrampfen sich, sein Blick wird starr. Dann berichtet er dem Richter von einem – Originalzitat – „eher skurrilem, sehr alternativ gekleideten Pärchen“, das mit einem Fake-Brief in der Hand persönlich in der Parteizentrale auftauchte, um sich zu beschweren. 

Persönlich. Sehr alternativ gekleidet. In der Parteizentrale der FPÖ. Wurde die Partei der Opfer wieder einmal zum Opfer?

In diesem Moment bricht für uns eine Welt zusammen. Wir können uns nicht ausmalen, welche Schmerzen der Kontakt mit einem eher skurrilen, sehr alternativ gekleideten Pärchen im Kopf von Herrn Spanring ausgelöst haben muss. Dem Vernehmen nach plumpste Gottfried in sein Waldhäusl. Udo Landbauer fiel sein Liederbuch in die Eiernockerl mit grünem Salat. Spanring selbst schrammte nur knapp daran vorbei, in eine queere, polyamore WG in Berlin-Neukölln zu ziehen und Psy-Trance-DJ zu werden.

Wenn FPÖ-Funktionäre zu einem Kontakt mit eher skurrilen, sehr alternativ gekleideten Pärchen genötigt werden, ist die Grenze der Satire eindeutig überschritten.

Wiedergutmachung

Daher erfolgt nun ein offizielles Vergleichsangebot: Die Tagespresse zahlt für Andreas Spanring, Udo Landbauer und Gottfried Waldhäusl eine Gruppentherapie. Dort darf jeder, der gerade den blauen Plüsch-Norbär in der Hand hält, ganz offen und ohne Vorverurteilung durch linkslinke Medien darüber sprechen, welche Gefühle der unerwünschte, linkslinke Besuch ausgelöst hat.

Sollte die Therapie nicht anschlagen, könnte auf den Off-Label-Use des Pferdebetäubungsmittels Ketamin oder des Pferdeentwurmers Ivermectin umgestiegen werden. Versagen auch diese Behandlungen gegen die posttraumatische Belastungsstörung, wäre noch eine Elektroschocktherapie durch Harald Vilimsky möglich.

Buße

Das Beweisverfahren ist nun abgeschlossen, der Richter verfasst in den kommenden Wochen ein schriftliches Urteil. Aber wir tun schon vor unserem unvermeidlichen Schuldspruch Buße: Ein obligatorisches Kornblumen-Arrangement für Andreas Spanring befindet sich nach diesem emotional herausforderndem Prozesstag  bereits auf dem Weg in die Parteizentrale. 

Bevor man uns aber unterstellt, dass dieses Präsent nur der Erleichterung unseres eigenen Gewissens dient, möchten wir anmerken, dass wir die Blumen im Namen der FPÖ verschickt haben. In seelisch turbulenten Zeiten zählt nämlich vor allem eines: Innerer Zusammenhalt.

Die Redaktion wünscht den FPÖ-Opfern eine gute, rasche Besserung und befindet sich zur Stunde im Arrestantenwagen, der uns auf eigenes Verlangen hin in die Justizanstalt Josefstadt bringt, damit wir endlich die Verantwortung für unser schweres Verbrechen übernehmen.

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