„Arsch sagt man nicht“: ÖVP-Ethikrat fordert Rückkehr zu höflicher Korruption


Klasnic präsentiert den ÖVP Verhaltenskodex
ÖVP/ HEINZ-PETER BADER / REUTERS / picturedesk.com (M)

Der Chatskandal erschüttert die Volkspartei bis aufs Mark. In diesen schweren Stunden muss der Ethikrat der ÖVP das ausprechen, was sich viele in der Partei denken: Die derbe Wortwahl, die von Kurz und seinem Umfeld bei mutmaßlich illegalen Machenschaften verwendet wurde, sei für einen Vertreter einer christlich-sozialen Partei einfach inakzeptabel. 

WIEN – Erst wird er rot, dann blass, dann zittrig. Hubert Sackler (127), Mitglied des ÖVP-Ethikrates, fällt vor Schreck fast vom Hochrad, als er am Weg zur Sitzung mit seinem Monokel die in Schriftgröße 96 ausgedruckten Chats der türkisen Familie studiert.

„Thiesz derbe Sprache, das geziemet sich nicht. Wie sprechet dies lästerlicher Bengel über uns Altpolitiker? Mich dünkt ich sey vielleicht ein gar halbseidener Halunke, ein hohler Hanswurst, ein tollpatschiger Tunichtgut, ein kleinkarierter Klerikalfaschist, ein devoter Dollfußversteher, aber darob doch kein Depp oder…huch, ein Arsch. Oh, Herr, vergib mir thiesz widerlich‘ Wort“. 

Sackler steigt vom Hochrad, kniet sich auf den Boden und betet den Rosenkranz. Danach peitscht er sich 60 Minuten lang selbst aus, setzt sich eine Dornenkrone auf und schleppt stöhnend ein Raika-Giebelkreuz durch die Straßen des dritten Bezirks. Es ist keine leichte Zeit für ganz normale Konservative der alten Schule wie Hubert Sackler. 

Die Korruption selbst stört den 12-köpfigen ÖVP-Ethikrat, der in jeder Vollmondnacht am Zentralfriedhof tagt, um eine Ziege zu opfern, hingegen nicht. „Das ist alles gemäß Parteistatut“, erklärt Kommissionsleiterin Waltraud Klasnic und zeigt auf den Paragraphen „Medien kaufen, Umfragen fälschen“.

„Aber als Kurz versprochen hat, mit ihm kommt ein neuer Stil, da haben wir gedacht, er kauft den Fellner in der Opernballloge beim Champagner, nicht so schäbig und proletarisch per elektronischem Telegramm. So sind wir nicht!“

Freundliche Freunderlwirtschaft

„Sehen Sie, das hier ist ein Beispiel für eine einwandfreie Chatnachricht im Einklang mit unseren Werten“, sagt Klasnic und zeigt eine Nachricht von Thomas Schmid mit dem Inhalt „Wer zahlt schafft an, ich liebe das“.

„Eine linguistisch einwandfreie Liebesbekenntnis an die freie Marktwirtschaft. Es geht um Liebe, um Nächstenliebe, dafür steht die ÖVP.“ Bemängelt werden allerdings die zahlreichen Emojis. „Etwas infantil, oder?“, seufzt Klasnic. „Hätte man da nicht auch per Post ein Packerl Merci schicken können als Liebesbeweis?“ 

Jahrelang getäuscht

In Kurz habe man sich laut Klasnic schwer getäuscht. „Erst letzte Woche hat er gesagt, er sei auch nur ein Mensch, kein Roboter. Da sind wir wohl jahrelang getäuscht worden, immer wieder versicherte uns sein Umfeld, der Sebastian sei ein Bot, ein fehlerloser Prototyp und Cyborg, dessen freundliche Perfekter-Schwiegersohn-KI aus sieben Hugh-Grant-Filmen programmiert wurde.“

Die Sitzung geht zu Ende, auch Alt-Mitglied Sackler hievt sich wieder auf sein Hochrad. Alle 12 Weisen fassen sich noch einmal an den Händen und verbeugen sich vor dem Symbol des Ethikrates, ein großes an der Wand hängendes Mascherl. „Jedes Schrifterl a Gifterl, jedes Schriftlerl a Gifterl, jedes Schriftlerl a Gifterl“, murmeln sie mantraartig im Chor vor sich hin, bis sie sich in eine kollektive Trance versetzt haben. 

Lassen Sie sich täglich über neue Artikel informieren.


44 Kommentare, 2.3k Shares
44 Kommentare
top
neuste älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Habet Dank, werte Tagespresse!
Ihr tuet euch alle Tage selbst übertreffen!

Der ÖVP-Ethikrat hat völlig recht. Korruption soll schließlich unauffällig sowie unbenannt bleiben und sich ganz selbstverständlich und natürlich in unser Alltagsleben integrieren. Der Bruch mit einer solchen, liebevoll gepflegten Tradition geht gar nicht. Also: Kunstrasen mit Bio-Zertifikat drüber, WKSTA an die Kandare, weiter mauscheln und packeln wie gehabt. Hat doch gerade die österreichische Korruption beste Aussichten, als immaterielles Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt zu werden.

Frau Edstadtler sagte ja auch es muss alles unter dem Teppich bleiben. Nix da, Diensthandy und Privatchats passt nicht. Aber wehe andere würden damit erwischt. Sie als Richterin hätte ja am liebsten eh die Todesstrafe für kleinste Vergehen verhängt. Gut das sie es nicht mal schaft ihr Gfries zu verstellen so das jeder gleich sehen kann wer und was sie ist. Brrrrrrrrr!

Halbseidener Halunke 😂…
Dollfußversteher…
Da braucht es nur noch Kurzverteidiger als weiteres Attribut und schon habt ihr die perfekte Beschreibung des Gruselgrafs von Schall und zu Rauchenberg im Kanzleramt gefunden…😝

Abkömmling von Raubrittern

Thiesz widerlich Wort – was für verhurte Sprache ich in dies gottverdammte Tagespresse lesen muss! Gräulich!

Journalisten sind doch die größten H…. auf diesem Planeten (HC Bumsti)

Choose A Format
Personality quiz
Series of questions that intends to reveal something about the personality
Trivia quiz
Series of questions with right and wrong answers that intends to check knowledge
Poll
Voting to make decisions or determine opinions
Story
Formatted Text with Embeds and Visuals
List
The Classic Internet Listicles
Countdown
The Classic Internet Countdowns
Open List
Submit your own item and vote up for the best submission
Ranked List
Upvote or downvote to decide the best list item
Meme
Upload your own images to make custom memes
Video
Youtube, Vimeo or Vine Embeds
Audio
Soundcloud or Mixcloud Embeds
Image
Photo or GIF
Gif
GIF format