WU führt 2G-Regel ein: Studierende müssen entweder Gucci oder Gant tragen


2 modisch gekleidete StudentInnen posieren vor der WU
Depositphotos / Wikipedia - Bwag (M)

Die Wiener Wirtschaftsuniversität macht jetzt ernst: ab sofort gilt am gesamten Campus eine strenge 2G-Regel. Studierende dürfen Lehrveranstaltungen und Prüfungen nur dann besuchen, wenn sie von Gucci oder Gant eingekleidet wurden. 

WIEN – „Sorry, heute nur Gästeliste, mit dem proletigen Papierfetzen kommst ned rein“, brummt der Security Peter Z. und zeigt auf die FFP2-Maske einer Studentin, die heute leider nur die Herbstkollektion von Bershka trägt. Neben ihr drängt sich ein Kollege mit seiner 800 Euro Gucci Seidenmaske vor. „Ich studier IBW, lassen Sie mich durch.“

Nach einer Minute Wartezeit reicht er dem Security das Handy. „Mein Papa ist dran, wie Sie vielleicht wissen hat er Sessel im Hörsaal 60 gesponsert! Er sagt, Sie sollen mich jetzt sofort vorbei lassen, die Anzeige ist schon raus.“

Inzidenz zu hoch

Die neue Sicherheitsmaßnahme verärgert einige Studierende. „Aber die Inzidenz ist zu hoch“, erklärt Alexander Zobl, Hausmeister der WU, während er seinen Brioni-Blaumann mit einer Dampfbürste glättet.

„Seit Corona lassen sich die Studierenden einfach nur noch gehen, letzte Woche hatten wir 700 Leute da mit Sachen von Marc O’Polo, einer hat sogar was von Jack & Jones angehabt, ich mein wo sind wir da, in der Gruft? Oder noch schlimmer, in der TU?“ Zobl seufzt, reinigt einen Tisch in der Zigarrenlounge mit einem Burberry-Schal und wirft ihn weg.

Vorbildlich

„Wir müssen unsere Lehrpersonen und die Studierenden schützen vor dem gefährlichsten Virus unserer Zeit: Armut“, erklärt die Rektorin. Die Varianten werden immer schlimmer. „Zuerst hatten wir nur Peek&Cloppenburg, dann aber sogar Fälle von H&M und jeder fürchtet sich, dass vielleicht auch Kik die WU erreichen könnte.“

Glücklicherweise beweisen viele Verantwortungs- und Statusbewusstsein: „Schon über 90 Prozent sind immunisiert gegen diese infektiösen Verlockungen der billigen Stofffetzenindustrie aus China. Und schon mehr als die Hälfte haben sich einen Booster bei den Eltern für ihr Konto geholt. Das macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft… also für uns von der WU, für alle anderen seh ich da schwarz. Trotzdem viel Glück.“

Notfall

„Peter, bitte kommen! Wo bist?“ Der Security greift sich an sein Bluetooth-Headset. „Gerry, ich bin zwischen Wiener Städtische Hörsaal, Red Bull Auditorium und dem Wirecard Corporate Social Responsibility Center.“ „Notfall, Code POOR im Raiffeisen Sprachlernzentrum, beeil dich, ich wiederhole, P-O-O-R.“ Er sprintet los, sein Kaffeebecher fällt ihm aus der Hand. Die beiden Securities schneiden einer Studentin den Weg zu den Language Labs ab.

„Madame, dürfen wir mal ihre Tasche sehen?“ Die Studentin beißt sich auf die Lippen, reicht ihnen ihre Gucci Marmont Mini. „Ist die gefälscht?“ Der Security Gerry riecht daran. „Peter, noch schlimmer, die ist… Second Hand.“ Die beiden Securities schauen sich an. Bingo! „Kommen Sie bitte mit!“

Sie eskortieren die Studentin vom Gelände, vernichten die wertlose Tasche ordnungsgemäß und verdonnern die Frau zur Höchstrafe: Versetzung auf eine FH. „In Fake-Schmiede fallst ned auf mit deinem Fake-Geschmeide!“

Positives Resümee

Als Nachts die letzten Sonnenbrillen tragenden Studierenden im Aperol-Rausch aus ihrer Vorlesung in Wirtschaftsrecht stolpern und die Dämpfe von Tom Ford Oud Wood in die kalte Nacht strömen, resümiert Security Peter seinen erfolgreichen Tag: „Wieder einmal das Kapital verteidigt, wieder einmal sozialen Aufstieg verhindert!“

Stolz holt er sein Motorola aus der Tasche und betrachtet seine Reflektion im verschmierten Display. Die Aufrechterhaltung des Austrian Dream (vom Millionärserben zum Millionär) lastet auf seinen Schultern – genauso wie der Mjam-Rucksack, den er sich umschnallt, um sich seinen Job an der WU leisten zu können.

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Kik zu tragen kommt an der WU aber sicher in Mode!
Erstens kann man auch so seine Wertschätzung zur kapitalistischen Ausbeutung von Menschen und Umwelt zur Schau tragen und sich so in die Wertehaltung der anderen Studierenden dort nahtlos einfügen.
Zzweitens kann man sich als role model einer neuen Generation von Kryptowährungs-Glücksrittern und Ultrafast-Tradern positionieren, die sich bis auf ihre fleischliche Hülle schon gänzlich in der neuen Realität, im cyberspace, befinden.

Bearbeitet von kurti123

Kleine Korrektur: WUttikette erfordert das schräge Tragen des Pullovers dh nur über eine Schulter.

Studieren wie der Pöbel

TU ist wirklich schlimmer als die Gruft. Zu meiner Zeit gab’s an der Elektrotechnik einen Assistenten, da war mancher Sandler besser gekleidet. Aber auf die WUler (damals im Franz-Josefs-Bahnhof) haben wir dennoch herabgesehen 🤣

Göttlich…. als ehemaliger BOKU Student Lob zu diesem Artikel…auch wenn ich jetzt ned dem Klischee entsprochen habe (Birkenstock und so,-))

BOKO sind doch die in wahlweise Gummistiefel oder mit dreckige Zehennägel? Birkenstock ist Soziologie auf der Hauptuni.

Komisch, auch mein Hang zu Gummistiefeln hielt sich in Grenzen… Rastalocken hatte ich auch nicht….. ka Ahnung was ich hätte studieren sollen

Oder Nawi – generell.

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