Meinungsumfragen sind ein tolles Instrument. Das können wir auch. Die Tagespresse beauftragte ein Umfrageinstitut mit der Beantwortung einer drängenden Frage: Wer ist im Freibad unbeliebter – ein Ausländer, oder nicht vielleicht doch ein FPÖ-Chef? Die Ergebnisse werden Kickl in den Augen brennen wie das Chlorwasser im Kinderbecken.
Prolog. Ein Schweizer Schwimmbad erließ ein Zutrittsverbot für französische Staatsbürger afrikanischer Herkunft. FPÖ-Chef Herbert Kickl zitierte daraufhin eine OGM-Umfrage recht frei, laut der sich 59 % der Österreicher ein Ausländerverbot im Freibad wünschen. Sein Social-Media-Mob nahm die Meldung lechzend auf.
Die Umfrage. Doch wie schaut es umgekehrt aus: Wünschen sich die Österreicher einen Herbert Kickl im Freibad? Wir beauftragten das dema-Institut von Meinungsforscher Günther Ogris. Dema befragte 709 Teilnehmer im Erhebungszeitraum vom 27. bis 29. August 2025, online, repräsentativ aus allen Regionen Österreichs. Die Schwankungsbreite beträgt 3,7 Prozent.


Zuerst wollten wir wissen, ob die Österreicherinnen und Österreicher ein Ausländerverbot im Freibad wie in der Schweiz rassistisch finden. 73 Prozent stimmen dieser Ansicht zu – freilich sagt das in einem Land wie Österreich noch nichts über die Zustimmung aus.
Dann wollten wir wissen, neben welchen Politikerinnen und Politikern Badegäste eigentlich überhaupt liegen möchten. Hier kommt niemand wirklich gut weg:

71 Prozent der Befragten sind der Meinung, Herbert Kickl wäre kein angemessener Liegennachbar im Freibad – ein negativer Spitzenwert, wenn auch innerhalb der Schwankungsbreite. Ob sein strenger Pferdegeruch dabei eine Rolle spielte, wurde von den Meinungsforschern nicht nachgefragt.
Umgekehrt können sich 29 Prozent der Österreicher einen LiNaKi, einen Liegennachbar Kickl, vorstellen. Dies spiegelt interessanterweise exakt das Wahlergebnis wider. Die Umfrage der Tagespresse kommt somit dem Wahlverhalten am nächsten.
Ob Herbert Kickl mit einer positiven Zustimmung von 29 Prozent bereits den Anspruch auf den Posten als Bademeister von Österreich erhebt, blieb bis Redaktionsschluss unklar.
So, jetzt geht es ans Eingemachte. Wenn Kickl schon so unbeliebt ist, wie soll die Gesellschaft mit so jemandem umgehen? Unsere nächste Frage lautete deshalb: Wünschen Sie sich im Freibad eher ein Verbot von Herbert Kickl, oder ein Verbot von syrischen Zuwanderern?
61 Prozent der Menschen wünschen sich eher ein Verbot von Herbert Kickl, 39 Prozent würden eher einem jungen syrischen Vater den Eintritt verwehren.

Tauscht man den Vater gegen eine „junge syrische Mutter“, wollen sogar 66 Prozent eher Kickl verbieten, und nur 34 Prozent die junge Syrerin. Ein Flüchtling wird beim Baden offenbar weniger bedrohlich empfunden als ein wütender weißer Mann, der fordert, dass sein Wille im Babybecken geschehe.

(Ok, streng genommen haben wir nicht ein Verbot abgefragt, sondern: „Wen wollen Sie im Freibad auf keinen Fall antreffen?“. Aber Umfragen manipulativ zu interpretieren ist eine Fähigkeit, die sich nicht nur auf rechtspopulistische Spitzenpolitiker beschränkt.)
Resümee. Sollte der politische Wille da sein, wäre ein Kickl-Verbot von Mai bis September juristisch leicht umsetzbar. Ein einfaches Schild vor jedem Freibad mit der Aufschrift „Du musst sooo groß sein, damit du rein darfst“ stellt eine verfassungskonforme Lösung dar.


