Wir haben eine gute Idee, wie man den ORF finanzieren könnte

wikipedia / Thomas Ledl

Dieser Tage findet auf Initiative von Medienminister Andreas Babler ein zweitägiges ORF-Zukunftsforum statt. Die Tagespresse bringt auf diesem Wege ein völlig neues Finanzierungsmodell auf den Tisch, das jeden Haushalt entlastet, den Küniglberg rettet, und bei dem Österreichs Kiffer zu den wahren Leistungsträgern der Nation aufsteigen.

Jeder Haushalt und jede Betriebsstätte, egal ob überhaupt ein Fernseher vorhanden ist, man in einer Höhle oder sogar im Burgenland lebt, blecht derzeit mindestens 15,30 EUR pro Monat für den ORF.

Eine transparente Berechnung der Tagespresse auf Basis seriöser Zahlen belegt: Das muss nicht sein. Die Lösung findet sich nämlich im Klo.

Die Wahrheit im Abwasser

Unser Rechenbeispiel am tiefsten Punkt des Landes, nein, nicht im Krone Forum, sondern in der heimischen Kanalisation. Es gibt dort tapfere Menschen, die beruflich in Abwasserrohre steigen, um in den Fäkalien nach Substanzen zu suchen. Warum man diesen Karriereweg wählt oder wo man sich dafür bewirbt, entzieht sich unserer Kenntnis. Fest steht aber: Die Datenlage ist ergiebig.

Exakt 8,1 Gramm reines THC pro Tag und 1.000 Einwohner strömen durch unsere Rohre. Diesen Wert ermittelte ein Labor im Jahr 2024 bei der wissenschaftlichen Untersuchung des Abwassers in 158 österreichischen Gemeinden.

Um die Mathematik nicht unnötig zu strapazieren, gehen wir davon aus, dass dieses THC nur aus klassischem Cannabiskraut stammt, und ignorieren bizarre Randgruppen, die auf Hasch und Öl setzen.

Der Drogenbericht 2025 führt aus, dass Untersuchungen von beschlagnahmtem Kraut einen durchschnittlichen THC-Gehalt von 13,24 Prozent ergeben.

Wir zünden uns einen Joint an, tippen das kurz in den Taschenrechner und kommen auf 60,9 Gramm gerauchtes Cannabis pro 1.000 Einwohner am Tag. Umgelegt auf Österreichs Gesamtbevölkerung inhalieren wir somit jährlich die Menge von 202 Tonnen Kraut. 

Riesiger Markt

Was wäre, würde man das legalisieren? Nicht jeder Kiffer würde sofort zur legalen Weed-Trafik laufen, Pfusch und Eigenanbau sind in Österreich tief verwurzelt. 

Eine Studie aus Kanada, wo Marihuana bereits seit 2018 legal über den Ladentisch wandert, zeigt, dass 67 Prozent der Konsument:innen ihr Zeug immer aus legalen Quellen bezieht, weitere 10 Prozent „meistens“. 

Cannabis-Store in Kanada (Crisco 1492/CC BY-SA 4.0

Österreicher sind als rebellisches Bergvolk bekannt, aber dann gibt es auch die faulen Studenten in den Städten, die jeden Sonntag ihr Pad Thai auf Foodora bestellen. Kalkulieren wir konservativ, dass 60 Prozent des gesamten Bedarfs aus legalen Quellen abgedeckt werden würde. 

Zu welchem Preis? In Amsterdam zahlt die Polterer-Gruppe aus Linz für legales Marihuana durchschnittlich zwischen 7 und 15 Euro, Premiumsorten kosten weit mehr. Nehmen wir einen Durchschnittsverkaufspreis von 12 Euro an. 

Wirtschaftsboom

Das macht die Rechnung sehr einfach: Eine Cannabisindustrie könnte in Österreich durchaus die stolze Summe von 1,455 Mrd. Euro pro Jahr erwirtschaften.

Was heißt das für den Fiskus? Achtung, Herr Finanzminister Marterbauer, jetzt wird es erotisch. 

Einerseits bedeutet das 242,5 Mio. Euro Einnahmen durch die Umsatzsteuer (20 Prozent). Wir gehen jetzt mal nicht davon aus, dass Marihuana als Grundnahrungsmittel klassifiziert wird, wobei wir das prinzipiell begrüßen würden. 

Dann kommt noch die Tabaksteuer in Höhe von 34 Prozent. Diese wird ebenfalls auf Basis des Verkaufspreises berechnet. Seit einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes wissen wir, dass CBD-Blüten dem Tabakmonopol unterliegen und daher tabaksteuerpflichtig sind. Dasselbe gilt dann wohl für artverwandte THC-Blüten. 

Das macht nochmal schlanke 494,8 Mio. Euro pro Jahr.

Zusammen ergibt das jährliche Einnahmen von 737,4 Mio. Euro, mehr als zweieinhalb mal so viel wie die Paketsteuer!

Nachdem wir schon beim vierten Joint sind, zweifeln wir kurz das Ergebnis an, doch der nüchterne Praktikant rechnet nach, alle Zahlen stimmen.

Die vom Momentum Institut errechneten Mehreinnahmen aus Unternehmen (93 Mio.) und Einsparungen im Strafvollzug (192 Mio.) sind hier noch gar nicht berücksichtigt. 

Küniglberg gerettet

Jetzt kommt’s: Der ORF nahm 2025 aus dem ORF-Beitrag 742,4 Mio. Euro ein. Da fehlen jetzt nur mehr fünf Millionen Euro.

Fünf Millionen Budgetloch? Das verliert die ÖVP normalerweise in der Sofaritze. Das ist nicht mal die Schwerarbeiterzulage von Pius Strobl. Woher holen wir diese restlichen fünf Mille?

Der ORF-Beitrag könnte auf homöopathische 1,12 Euro pro Jahr gesenkt werden. Alternativ könnte man auch einfach den Boulevard-Medien die öffentliche Förderung kürzen, dann bleibt sogar noch Geld für die Weihnachtsfeier am Küniglberg.

Win-Win

Kiffen, nicht mehr nur um das ORF-Programm zu ertragen, sondern Kiffen, um das ORF-Programm gleich mit zu finanzieren. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Konsumenten, die bisher sieben Gramm Weed benötigten, um die ORF-Serie „Biester“ lustig zu finden, erledigen die Finanzierung gleich beim Rauchen und brauchen keine ORF-Gebühr mehr zahlen. Der ORF wiederum profitiert davon, dass keiner mehr Serien wie SOKO Waidhofen an der Ybbs oder Blind und Kind ermittelt in Frage stellen wird, weil das Kurzzeitgedächtnis dafür zu eingeraucht ist.

In diesem Sinne fordern wir die Bundesregierung und den ORF auf, das Verschicken von Erlagscheinen zur Eintreibung der ORF-Gebühr sofort auszusetzen, und stattdessen zweimal monatlich 200 Papers an jeden Haushalt zu versenden.

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