Um Kunden an Teuerung zu gewöhnen: SPAR präsentiert +25 %-Pickerl


eine einkaufende Frau freut sich über die Pickerl
depositphotos.com (M)

Die Preisspirale in Österreich dreht sich unaufhörlich weiter. Nicht nur Sprit und Energie werden teurer, auch der tägliche Einkauf im Supermarkt belastet das heimische Geldbörserl immer mehr. Die erste Handelskette reagiert nun: Mit +25 % Inflations-Stickern will SPAR seine KundInnen sanft an den Preisschock an der Kasse gewöhnen.

WIEN – Katharina Hödl starrt auf das surrende Kühlregal und leckt sich über die Lippen. „Mhhh! So eine Butter, das wär wieder mal was.“ Ihr Mann Robert lehnt am Einkaufswagerl und grunzt. „Den Schas kannst dir aufzeichnen, sonst könn ma Rimini glei wieder stornieren.“

Frau Hödl rollt mit den Augen und greift trotzdem zu. Doch eine freundliche Spar-Verkäuferin klebt ihr beim Zahlen ein +25%-Pickerl auf die bereits unleistbare Butter und lächelt Herrn Hödl an: „Dann würd ich gleich mal eine Mail an Booking.com schreiben, macht dann insgesamt 29.425 Euro und 30 Cent, bar oder Bankomat?

Wollens vielleicht ein Sackerl, um dem Ganzen ein Ende zu bereiten? Kleiner Scherz, das wird sich bei ihrem Budget eh nicht ausgehen.“ 

Ein Gespenst geht um

Szenen wie diese spielen sich derzeit in ganz Österreich ab. Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Inflation. Robert Hödl schiebt sich die Sonnenbrille auf die Stirn, stellt sich den Kragen seiner Camp David Weste auf und storniert die Reise nach Rimini.

„Des mit dera Inflation, des is irgendwas wegen die Ausländer und die Grünen hab i glesen, also, dass die quasi gemeinsame Sache machen, damit der Sprit teurer wird. Eh da Klassiker halt!“


Lieferkette unterbrochen

Expertinnen wie Eva-Maria Thurnher vom Landwirtschaftsministerium sind da anderer Meinung. Grund für die Teuerung seien auch Probleme bei der Lieferkette.

„Normalerweise ist das sehr effizient und schlank, da bringt ein rumänischer LKW die ukrainischen Erntehelfer ins Marchfeld, dann den Spargel weiter zum Schälen nach Spanien, wo ihn afrikanische Leiharbeiter putzen, dann kommt alles nach Italien, wo das Gemüse in Verpackungsmaterialien aus China gegeben wird, und dann fahren wir es einfach per Frachtschiff unter Somalischer Flagge durch den Suezkanal zurück an den Alberner Hafen, wo es von unbezahlten WKO-Praktikanten in 12-Stunden-Schichten ausgeladen wird.“

Thurnher lächelt. „Ah ja, und danach wird jeder Spargel noch von Margarete Schramböck persönlich fotografiert und im Kaufhaus Österreich angeboten. Logisch, oder? Aber wenn da halt ein Dominosteinchen nicht funktioniert, dann wird halt morgen leider der Spargel teurer und übermorgen bricht die Wall Street um 30% ein und am Samstag gibts wieder irgendwo einen Bürgerkrieg wegen Lebensmittelengpässen, sorry!“


Warenkorb neu

Der für die Inflationsberechnung herangezogene Warenkorb mit Gütern des täglichen Bedarfs wird immer teurer. Die Industriellenvereinigung fordert deshalb eine Neuberechnung des Warenkorbs, wie Chef Georg Knill erklärt: „Statt Milch, Nudeln, Reis und Eiern müssen lebensnotwendige Dinge für die Leistungsträger viel stärker gewichtet werden, wie Bösendorfer-Konzertflügel, Jacuzzis, Butler, Drittwohnsitze in der Karibik und sämtliche Pulver aus Kolumbien.“

Auch Arbeitsminister Martin Kocher will nicht länger wegschauen. „Um die Lohn-Preis-Spirale zu stoppen, haben wir uns für einen vollständigen Lohnstopp entschieden“, erklärt Kocher, der sich derzeit täglich mit seinem Zwillingsbruder Jeff Bezos über die große Gefahr steigender Löhne austauscht. „Wenn die Sauprolet-, also die… die… wie lautet der Fachterminus dafür? Genau, Menschen, wenn die Menschen kein Geld mehr verdienen, werden auch die Preise irgendwann wieder sinken, so einfach ist das.“

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„Des mit dera Inflation, des is irgendwas wegen die Ausländer und die Grünen hab i glesen […]“

Die österreichische Volksseele mit 16 Wörtern exakt beschrieben! 👏🏻👌🏻

Die Intelligenz der Wähler zeigt sich ja bei jeder Wahl, buhaha.

Die +25% Pickerl gelten dann auch bei der Zahlung an ÖVP Huren und sonstige Politiker ? Oder ist das so wie bei Tiernahrung, Kaffee, Aktionspacks und S-Budget-Landeskasperl das das net geht ?

Die sind zwar käuflich, aber ned deppat!

Da lobe ich mir die Karmasin, die hat immer nur 20 % verlangt.

der Billa (Plus) war da immer schon Vorreiter- alles ein bisserl teurer als anderswo. Und wer noch Geld hat dorthin zu gehen (oder keinen SUV um zum Diskonter zu fahren), dem wird gegen ein paar Leckerli auch die Anonymität des Kaufverhaltens genommen.

Ich hoffe doch, dass der Spargel im Kaufhaus Österreich dann mit dem AMA Gütesiegel ausgezeichnet ist!?

Hoffentlich erkundigt sich Margarete Schramböck noch vor dem Fototermin mit dem Spargel, welches Land das Marchfeld ist!!

Nur mit dem „Spaltbodenfrei!“-Gütesiegel, aufgepickt von Mme. Köstlicher persönlich. Wenn sie das schafft.

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