Um Klimabonus zu bekommen: Wien rüstet U-Bahnen auf Kohleantrieb um


Dampflok mit U6-Logo

Erstmals wird mit dem Klimabonus umweltschädliches Verhalten üppig belohnt. Doch wegen seiner sauberen Öffis schaut Wien durch die Finger: die Stadtbewohner erhalten bis zu 100 Euro weniger als alle anderen. Um das zu ändern, holen die Wiener Linien über Nacht die alten, mit Kohle betriebene Dampfloks aus der Remise.

WIEN – U6-Station Längenfeldgasse. Stinkender, beißender Rauch, eine dicke Rußschicht am Boden. Und jetzt auch noch das: Die neue U-Dampflok fährt in die Station ein und hüllt alles in einem Umkreis von 300 Metern in noch dickeren, schwarzen Rauch. „Achtung, Bahnsteig 1, bitte zurücktreten, k. u. k. Hofdampflokomotive Erzherzog Ferdinand von Temeschburg II. fährt ein“, hallt es aus den Lautsprechern.

Bürgermeister Michael Ludwig steht ganz vorne und schaufelt selbst Kohle ins Feuer. „Wir haben gehört, dass nur klimaschädliches Verhalten belohnt wird“, erklärt er und legt auch noch mehrere Eternit-Platten und Asbest-Elemente nach, die er in der Zukunftsakademie im Renner-Institut gefunden hat.

Dann fasst sich der Wiener Bürgermeister ergriffen an die Stirn. „Jetzt wissen wir, wieso die ÖVP in den 1970ern strikt gegen den U-Bahnbau war. Sie wollten uns retten – davor, dass wir weniger Klimabonus bekommen. Sie wollten uns retten – vor der Klimarettung.“

„Na gut. Das mit dem Bau von der U5, der Schas hört sich jetzt auch auf“, sagt der Bürgermeister und kommandiert Bauarbeiter ab. „Die Bohrer brauch’ma jetzt in der Lobau, liebe Frau Gewessler, jetzt gibts ned einen, ned zwei, sondern bald drei Lobautunnel. Aber ohne Radweg!“ Mit einem manischen Grinser macht er sich auf den Weg, um persönlich die ersten Biberbauten am Donauufer zu durchstechen.

Präsident erfreut

Bundespräsident Alexander Van der Bellen begrüßt den Umstieg. „Ich fahre jetzt sogar noch lieber mit den Öffis“, lacht er und inhaliert gierig den pechschwarzen Rauch der einfahrenden U4-Dampflok „Prinzessin Tschernobyl“. Vor ihm geht eine Gruppe Studierender mit jungfräulichen Lungen keuchend in die Knie.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz ist begeistert: „Wirklich vorbildlich. Fast so schädlich wie die Diesel-SUVs bei uns im Waldviertel“, hustet er. „Na gut, ihr habt euch das verdient. Gernot, komm her, gib den Wienern da 200 Euro, damit sie beim Obi Kohlebriketts nachkaufen können.“ Blümel greift sich nervös an den Kopf: „200… ist das die Zahl mit den fünf Nullen oder den sechs Nullen?“

Evidenzbasiert

Der Kanzler versteht die Aufregung um den geringeren Klimabonus nur für Wiener nicht: „Laut einer Studie von Martin Kocher arbeitet der durchschnittliche, gemeine, faule, arbeitslose Wiener nichts bis absolut nichts. Und wer täglich nur von der Couch zum Kühlschrank pendelt, um sich sein Bier zu holen, der braucht dafür keine Unterstützung. Bitte drehen Sie mir jetzt nicht die Worte im Mund um, ich habe nichts gegen Wiener, wie Sie wissen, bin ich selbst zur Hälfte einer, da können Sie gern meine Mama anrufen.“

Neben dem Klimabonus sind die steigenden Gaspreise für viele Wiener Haushalte ein zunehmendes Problem, doch die Regierung hat eine Lösung parat: „Wir schicken allen Einwohnern eine Karte mit dem Weg zum nächsten Peek & Cloppenburg, da können sie sich einen warmen Mantel kaufen.“

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Da haben die Regierenden es uns Gutmenschen, Naturschützern, wirklich nachhaltig Denkenden, es mit unseren Kindern gut Meinenden, wieder mal gezeigt. Wozu selbst nachdenken und rechnen lernen, oder mal beim Fenster rausschauen, oder mal ne ordentliche Zeitung oder Doku konsultieren, wenn man sich Lobbyisten ins klimatisierte Kammerl holen kann? Diese „Reform“ sollte mit SCHANDE oder SKANDAL betitelt sein. Sehr guter Artikel – man fühlt sich verstanden – back to the 1880iest.

Warum auch sollen andere für die Konsequenzen aufkommen, die schon bisher am meisten gezahlt haben? Das ist ja an Perversität nicht mehr zu überbieten. Zur Abwechslung einmal Schluss mit lustig. Freie Fahrt ins Schwarze Loch! Förderung für die, die schon bis jetzt am meisten zur Katastrophe beitragen.
Gute Nacht

es ist an der Zeit, endlich einmal diejenigen zu entschädigen, die noch nie etwas beigetragen haben!

„dass nur klimaschädliches Verhalten belohnt wird“ – so scheint es. Richtig so. Warum auch sollten andere dafür aufkommen, dass Wien eine der vorbildlichen Städte ist?

und das betrifft nicht nur die Öffies sondern vor allem Wohnbau und das gesamte öffentliche Leben, vor allem Kultur. Oba so manchem Lokalkaiser geht das am O[…] vorbei. Er (fast ausschließlich männlich) hat sich um seine so armen Schäfchen zu kümmern, die ja gar nicht anders können, als die Umwelt zu verpesten. Folgerichtig ist es ganz klar, dass, wer mehr Abgase rausbläst, auch mehr Förderung bekommt. Er kann ja nix dafür. Wer umweltbewusst und verantwortlich lebt, ist selber schuld und gehört auch nicht weiter gefördert. Sagen wir endlich dem zerstörerischen links-links radikalen Umwelt- und Klima- und Anti-Atom- Hirngespinsten den Kampf… Mehr »

selten so viel blödsinn auf einmal gelesen – offenbar noch nie wirklich am land gelebt und die bedingungen erlebt

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