Um Autofahrern den Umstieg zu erleichtern: Railjet-Sitze bekommen Lenkräder


Railjet-Sitze mit Lenkrad
Hermann Hammer (M)

Die steigenden Spritpreise zwingen viele Autofahrer zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Um Pendlern das Gefühl von genügend CO2-Ausstoß zu geben, rüsten die ÖBB alle Railjet-Garnituren mit Lenkrädern an den Sitzplätzen aus. 

LINZ – Hauptbahnhof, 7:30 Uhr. Wolfgang Hofer steht am Gleis 7 und wippt nervös vor und zurück. Heute ist sein großer Tag. „Meine erste Zugfahrt von Linz nach Wien, also eigentlich sogar meine erste Zugfahrt überhaupt“, lächelt er. „Hoffentlich bringen mich die Flüchtlinge ned um da drinnen oder die Grünen mit ihren Radln, man liest ja so viel davon, ned wahr?“ Er blättert in seiner oe24-Zeitung.

Spritpreise Schuld

Normalerweise legt Hofer diese Strecke immer mit seinem Landrover zurücklegt. „Wie ein normaler Mensch halt. Und die holde Gattin fahrt hinten mit dem zweiten Landrover nach, falls was sein sollte. Aber leider kostet Ultimate Super mittlerweile 50 Cent mehr, weil die Ukrainer sich einbilden, sie müssen da den starken Mann spielen gegen den Herrn Putin.“

Es ist so weit. Der Schaffner begrüßt Hofer beim Einstieg freundlich mit der Frage: „Diesel oder Benziner?“ Hofer bekommt im Diesel-Abteil einen Fensterplatz in Fahrtrichtung, ein Lenkrad und einen Generator inklusive Treibstoff.

Unter jedem Sitz ist ein Auspuff angebracht, damit sich die vorwiegend männlichen Fahrgäste im Zug männlich fühlen können, wenn Abgase durch ein Phallussymbol im Zug verteilt werden. „Können wir einen Zwischenstopp beim Rosenberger in Amstetten machen?“, will Hofer wissen.

Features überzeugen

Der Schaffner klärt uns auf: „Autofahrer sind eine besondere Spezies. Man muss ihnen das Gefühl geben, sie haben die Kontrolle über den Zug und ihr kleines, lächerliches Leben. Am Anfang sind alle immer in die Fahrerkabine eingestiegen. Sie haben auch den Gleisen und der Streckenführung misstraut, den Lokführern auf Google Maps schnellere Routen gezeigt und von Schleichwegen ohne Radar gesprochen, damit man ohne Angst rasen kann.“

Hofer brüllt einen jüngeren Fahrgast neben sich an, der seinen Schalthebel kaum bedient, sondern lieber aus dem Fenster schaut: „Guten Morgen! Das ist zu hochtourig, Sportsfreund, Kupplung langsam kommen lassen, langsam! Hast den L17 im Lotto gewonnen, ha?“ Alle lachen über den Witz, die Stimmung ist gut. „Heast, Freund der Blasmusik, hast statt der Zugdurchsage von der Chris Lohner ned irgendwas von Pizzeria & Jaus, die san so lustig“, fragt Hofer den Schaffner.

Realistisches Fahrgefühl 

Immer wieder bleibt der Zug stehen. „Um Stau zu imitieren“, klärt uns der Schaffner auf. Insgesamt dauert die Fahrt heute 4:36 Stunden. „In Wien fahren wir dann überhaupt nur mehr mit 7 km/h weiter.“ Entlang der Zugstrecke sind immer wieder Fahrradfahrer mit schweren Verletzungen zu sehen. „Die Verletzungen sind nicht echt, das sind Schauspieler, aber wir wollen den Autofahrern ein möglichst echtes Fahrgefühl geben.“

Das Bordbistro hat sich ebenfalls an die neue Kundschaft angepasst: Die Preise wurden auf Tankstellen-Niveau angepasst, ein Espresso wird jetzt schon für nur 4,90 Euro serviert. Für die Toilette muss man ab sofort 50 Cent zahlen, dafür bekommt man einen Sanifair-Gutschein, den man aber nur an echten Tankstellen einlösen kann. „So viel Fairness muss sein, oder soll ich sagen Sanifairness, haha!“, erklärt eine ÖBB-Sprecherin.Wien-Hauptbahnhof. Hofer steigt erleichtert aus und legt reflexartig noch einen 800-Euro-Parkschein in die Lokomotive. „Sicher ist sicher“, erklärt er und winkt einem Taxi, um die restlichen 50 Meter zu seinem Büro zu bewältigen.

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Ihr habts bei -oe24-„Zeitung“- die Anführungszeichen vergessen.

Stimmt, da gehört „derStandard“ hin

DAS soll ne Zeitung sein ? Ich dachte immer das ist fürs Notfall-Plumpsklo in der 3. Klasse ?

Wenn die Waggons die Lok überholen dürfen, dann wird das sicher DER Hit.

Immer wieder bleibt der Zug stehen. „Um Stau zu imitieren“ Super!

Also was soll diese Bevormundung schon wieder ? Diesel oder Benzin ?! Was für Möglichkeiten sollen das sein ? Ich will Tesla, muss ja Status zeigen !!1 Abgesehn davon, ÖBB was für a Automarke soll das sein ? BMW als 3. Klasse, VW als 2. Klasse und Mercedes als First Class wär da wesentlich angebrachter ! MINDESTENS! SO wir das nix mit der Green revolution ! Es soll ja zum Umsteigen anregen und nicht Interessenten vertreiben.

ÖBB steig aus und geh, oder wie war das noch gleich?

Für tschöaman Comedy reicht dein Schmäh…

Vielleicht würds helfen wenn ma anstatt der faden Fahrstuhlmusik in Dauerschleife 300 PS von da EAV spielen ?

Oder „Die ewige Angelobung“ vom Maschek im Loup.

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