Tirol: Seilbahnen erhalten Menschenrechte


Franz Hörl lächelt und telefoniert vor einer Seilbahn
Johann Groder / EXPA / picturedesk.com / depositphotos.com (M)

Es ist eine Weltpremiere, die sich dieser Tage in Tirol abspielt: Seilbahnen erhalten dieselben Grundrechte wie Menschen. Das beschließt heute der Tiroler Landtag in Innsbruck. Der jahrelange Kampf des Seilbahnrechtsaktivisten Franz Hörl hat sich endlich gelohnt.

INNSBRUCK – 50 Tiroler Schützen legen ihre Gewehre an und schießen feierlich auf Autos mit Wiener Kennzeichen. Franz Hörl streicht sich seine „Champagnerhütte“-Krawatte glatt und betritt die Bühne vor dem Landtag. Es ist ein Moment, der in die Geschichte eingehen wird. Als erstes Land der Welt spricht Tirol Seilbahnen Menschenrechte zu.

Erfolgreicher Hungerstreik

„Alle Seilbahnen sind frei und gleich an Würde und Rechten gebaut – im Gegensatz zu Wienern, mit ihren aufgeschwemmten Apfelstrudelgesichtern“, proklamiert Hörl unter tosendem Applaus. Um die Menschenrechte für Seilbahnen pazifistisch zu erkämpfen, trat Hörl heute Früh in einen Hungerstreik und aß drei Minuten lang keine Kaspressknödel. Er wirkt kraftlos und blass, klammert sich an sein Pult. Eine Ärztin hängt ihm eine Schmalz-Infusion an.

Mit Freudentränen in den Augen verfolgt eine Beobachterin von Amnesty International Hörls historische Rede. „Er ist der Après-Ski-Gandhi“, flüstert sie ehrfürchtig einem Kollegen zu, der mit offenem Mund mitfilmt.

Moralisches Dilemma

„Ja, natürlich, im Winter, wenn der Strom knapp wird, werden wir eine schwierige Wahl treffen müssen“, räumt Hörl nachdenklich ein. „Schalten wir die Seilbahnen ab, oder doch die lebenserhaltenden Maschinen am Wiener AKH? Ich denk mir, die alten Wiener auf der Intensivstation hatten halt ein langes, unerfülltes Leben, während eine junge, unschuldige Tiroler Doppelmayr-16er-Gondel durch das Naturschutzgebiet noch ihr ganzes Leben vor sich hat…“

Sein eigentliches Ziel, eine Besserstellung der Seilbahn gegenüber dem Menschen, hat Hörl noch nicht erreicht. Zu starr, zu wenig divers besetzt seien die Institutionen: „Man merkt, dass die Seilbahn noch nicht in dem notwendigen Maße in politischen Gremien vertreten ist, die Lobby der Menschen ist einfach noch zu mächtig.“

Hochzeit

Für Hörl ist es nicht nur ein politischer, sondern auch ein privater Sieg: Denn nun sind auch Hochzeiten zwischen Mensch und Seilbahn möglich. „Ja, ich will!“, antwortet er dem Priester, dann küsst er unter dem Jubel der Anwesenden seine geliebte Ischgler Pardatschgratbahn vor dem Kitzloch. Die Menge jubelt, ein Gast mit einem „Muschifreunde Karlsruhe“-T-Shirt torkelt aus der Bar, speibt Hörl auf die Lackschuhe und bleibt mit einem Herzstillstand liegen. Alle lachen.

Nach vierzig Jahren verheimlichter Partnerschaft dürfen sie endlich ihre Liebe frei ausleben. „Die Ehe ist die zweitschönste Bindung, gleich nach der Skibindung. Und jetzt entschuldigt mich, ich werd heut noch gepastert“, gluckst Hörl glückselig und versucht, die riesige Beule in seiner Anzughose zu verstecken. Wir lassen dem jungen Ehepaar seine Privatsphäre, damit es die Hochzeitsnacht ungestört genießen kann. Die beiden ziehen sich in die Kitzloch Master Suite zurück.

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Bisch a Seilbahn, bisch a Mensch!

Soalbahn bitte!

…Bisch ka Seilbahn bisch a orschloch!

Wau, i bewundart a so a Weisheit! Wia bischn af des khemm?
Hosch des scho vo Jugend eintricchtat kriag?
Bä uns in Wean hendst des jo aa vasuacht. Waas ned, wea se nu an de Seilbohnkonzepte erinnan ko.

Mein Klassenvorstand hat’s vor zwanzig Jahren gesagt! Er sprach zwar nicht von edlen Seilbahnen, sondern bloß von – ich wage es kaum zu schreiben – einfachen Menschen, aber ich hoffe, Kaiser Franz verzeiht ihm diesen Fauxpas.

Somit erhalten Seilbahnen in Tirol künftig mehr Rechte als Frauen

Hallo?!?! Die Tiroler Frau ist immer noch die hochgeschätzte Tiroler Frau, und kein Mensch. Ist ja lächerlich, der Vergleich Menschenrechte und Tiroler Frauen. Was vergleichen wir dann als nächstes, Wiener mit Bankomaten?

Du bringst es auf den Punkt: als ob man Äpfel mit Buachn-Scheitln vergleichen wollte. Das Einzige, was sie gemeinsam haben, ist, dass man sie halt nur einmal gebraucht und verheizt.

Franz Hörl ist sicher keine Witzfigur, er ist ja Parteikollege von Kapazundern wie Kurz, Sobotka, Hanger, Sachslehner, Gernull, Zumpferl-Tommi usw.

Genau! Also alles als ernstzunehmende, hörige und mit uneingeschränkter Beschränktheit ausgestattete Persönlichkeiten!
Das muss einmal gesagt werden!
Stehen wir endlich einmal hinter solchen Führungskräften! (Fast hätte ich einfach gesagt: Führern)
Kehren wir zurück zum Ursprung! Und was sonst könnte das sein als Seilbahnen?
(Angeblich ist ja schon Ötzi in einem Streit um eine Seilbahn ermordet worden. Den Streit, den er sich erspart hätte, wenn Hörl schon damals alles erschlossen hätte)

Bearbeitet von duliawahimme

Ich bin ja schon ganz schön abgehärtet mit Bildern von den ÖVP-Paten, aber bei dem meldet sich mein Mageninhalt doch gleich wieder.

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