Tarnhose nicht gefunden: Major Striedinger muss unten ohne zur Pressekonferenz


Major Striedinger betritt die Pressekonferenz ohne Hose
HANS PUNZ / APA / picturedesk.com / depositphotos.com (M)

Das passiert sogar den Besten: Generalmajor Rudolf Striedinger konnte heute früh seine Tarnhose nicht finden. Als verantwortungsvoller Soldat scheut er jedoch nicht den Einsatz und tauchte kurzerhand in Unterhose bei der GECKO-Pressekonferenz auf. 

WIEN – Tagwache. Der Panzer-Wecker spielt die Bundeshymne mit 120 Dezibel. Striedinger rollt sich aus dem Bett und fällt direkt in die Liegestützposition. Hellwach, alarmiert, einsatzbereit. Nach 300 Push-Ups mit Klatschen im Takt der Hymne gibt es eine Portion Dosenbrot. In 27 Minuten und 30 Sekunden heißt es Marschbefehl zur nächsten GECKO-Pressekonferenz. 

Mit zusammengekniffenen Augen schleicht Striedinger durch das Schlafzimmer. Die Hose fehlt noch. „Ohne Tarnuniform ist der Soldat nicht in der Lage, das Leben in der Lage zu überleben“, doziert er, während er den riesigen Wäscheberg auf seiner Waschmaschine inspiziert. Die Uhr tickt, nur noch 15 Minuten. Doch Striedinger scheitert und scheitert – die Hose ist einfach zu gut getarnt. Liegt sie noch am Bett? Gestresst tastet der Major seine mit kleinen Panzern bedruckte Camouflage-Bettwäsche ab. „Das ist sie auch nicht! Also ziemlich sicher nicht. Ich schau noch einmal.“

Schlachtplan

Noch zehn Minuten. Die Zeit drängt, langsam kühlen Striedingers Beine aus, doch er atmet durch, legt sich einen Schlachtplan zurecht. „Zugegeben, der Feind tarnt sich gut, sehr gut. Aber die Offiziersakademie bereitet einen auf genau sowas vor, beim Heer haben wir jahrelang nix anderes gemacht, als uns auszuziehen und auf unser Gewand aufzupassen. Ich kämpfe mich von Westen vor zu den Socken, über die Flanke ins Badezimmer, und dann erfolgt der Sturmangriff unter das Bett, da liegen meine Hosen oft verschanzt, jederzeit bereit zu töten.“ Striedinger blickt sich in den Spiegel, er kann sich selbst nicht sehen. Zu gut ist sein Camouflage-Pyjama. 

Gefährliche Routine

Für den erfahrenen Soldat ist der Einsatz Routine. „Ja, einem verweichlichten Zivilisten wie Ihnen gehen da schnell die Nerven durch“, sagt er und streicht stolz über seine Abzeichen. „2008, Kosovo, erfolgreiche Vernichtung von sieben Kisten Bier. 2014, Tschad, ein Hinterhalt, das Hühnchen von dem Straßenhändler war verdorben, drei Wochen Brechdurchfall… ich habe Dinge gesehen, das können Sie mir glauben. Einmal war ich sogar im Burgenland.“ Striedingers Stimme versagt. Er starrt aus dem Fenster, seine linke Hand beginnt zu zittern. „Meine Frau sagt, ich schreie im Schlaf manchmal noch wirres Zeug auf Burgenländisch.“

Nur noch fünf Minuten, dann holt ihn der Eurofighter ab, der ihn zum Bundeskanzleramt fährt. Droht Operation Windhose doch zu scheitern? „Vielleicht hängt sie im Kasten!“ Striedinger öffnet die Tür, wühlt sich durch Socken und Unterhosen in Tarnfarbe, sogar die Innenseite des Kastens ist in Tarnfarbe. Auf der Suche nach seiner Uniform stolpert er immer wieder über Hanteln in Tarnfarbe, seinen Hund in Tarnfarbe und am Ende seine eigenen Zehen, die er täglich mit Tarnfarbe lackiert.

Auslandseinsatz startet

Der Auslandseinsatz startet, ab in den Garten. „Alles durchkämmen, gemma!“ Striedinger hat 200 Rekruten abkommandiert. In Millimeterarbeit kämpfen sie sich vor, robben über den Rasen. Vier von ihnen fallen im Kampf mit einem Gartenzwerg. „Ist das hier noch der Kompost oder schon der Anzug?“, fragt Rekrut Hannes (18) aus Schärding und hebt Laub auf.

Hannes hat Erfolg. Er entdeckt einen mit einer Baumwurzel verwachsenen Camouflage-Anzug. „Ah, da warst du die ganze Zeit“, lächelt Striedinger. Es ist sein Hochzeitstarnanzug. „Bei der Heirat damals hab ich ihn gesucht, es war schrecklich, ich musste dann in akuter Lebensgefahr in Hemd und Krawatte heiraten wie ein ganz normaler Zivilist, das war mein Stalingrad.“

Die Gecko-Pressekonferenz beginnt, Striedinger erscheint tatsächlich unten ohne. „Soll ich Ihnen zur Tarnung das hier borgen?“, fragt ein Rekrut, während er Striedinger eine Zimmerpflanze um den rechten Oberschenkel bindet. Doch der Major ist nicht der Einzige, der heute ohne Hose erschienen ist. Vizekanzler Werner Kogler lächelt ihn an. „Danke, Werner, für deine Solidarität“, flüstert Striedinger. „Ich war bis vier in der Früh im Anzengruber, Kreditkarte weg, Handy weg, Hose weg, normaler Sonntag“, murmelt Kogler. 

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😆😆 Das Beste Abo das ich je abgeschlossen habe Tagespresse

Habt Mitleid mit dem Mann, er war schließlich im Burgenland!

Der Mann ist lebend aus dem Stegesbacher Reindl entkommen!

Doskostan steht auf der Liste der grossen letzten Abenteuer! Gleich vor Ischl…

He, nichts gegen Mordor!

Möglich, aber das Burgenland scheint es tatsächlich zu geben!

Mordor auch, ist in St. Pölten

Dort wird auch täglich seit 5:45 zurückgesoffen (zumindest beim Heer bei allem übern Gefreiten)

„…dann holt ihn der Eurofighter ab, der ihn zum Bundeskanzleramt fährt.“
Fährt. Feine Klinge – Hilfsausdruck! :-)

„Vier von Ihnen fallen im Kampf mit einem Gartenzwerg.“ Austrian Bundesheer in a Nutshell :)

Im Kampf mit dem Kickl?

Austrian Emus

Australian Emu War ? :D

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