Die Eltern vom Land Österreich haben diese Woche etwas ganz Tolles beschlossen: Das Zukunftsdepot. Zukunft und Depot, zwei Dinge, die Kinder in Österreich eigentlich gar nicht haben. Damit du am Spielplatz mitreden kannst, erklärt dir die Tagespresse heute, was das Zukunftsdepot eigentlich ist.
Was ist das Zukunftsdepot?
Das Zukunftsdepot ist eine Art magische Sparbüchse, wo deine Eltern ab Juli 2027 Geld für dich hineingelegen können. Das Geld wird dann angelegt und soll sich über die Jahre vermehren. Zauberei!
Wie viel dürfen meine Eltern einzahlen?
5.000 Euro pro Jahr oder 417 Euro im Monat. Frag deine Mama oder deinen Papa, ob sie jeden Monat so viel Geld übrig haben. Sie werden dabei vielleicht so laut lachen, dass sie anfangen, ein bisschen zu weinen.
Und wenn meine Eltern kein Geld übrig haben?
Dann können auch deine Oma oder dein Opa einzahlen. Wenn sie auch nichts haben, weil sie lieber mit dem E-Bike durch die Toskana fahren – keine Sorge. Du hast noch dein ganzes Leben vor dir, um die Folgen systemischer Vermögensungleichheit zu spüren.
Mit dem Zukunftsdepot ist es wie mit dem Christkind: Es bringt dir viel mehr, wenn deine Eltern reich sind.
Was ist die „KESt“?
Die KESt ist die Kapitalertragssteuer. Das ist ein gieriges Monster, das dir von den Gewinnen deines Zukunftsdepots 27,5% wegnimmt. Sehr gemein, oder? Das Geld gibt das Monster dann für sinnlose Dinge aus, wie Schulen, den bösen Onkel Doktor, der dir eine große Spritze gibt, oder für deine Mama oder Papa, wenn sie ihren Job verlieren.
Kann das böse KESt-Monster meine Gewinne auffressen?
Zum Glück hat die Regierung das KESt-Monster für dich in einen Käfig gesperrt. Es darf nur ausgeschüttete Dividenden fressen. Was Dividenden sind, das frag am besten den Papa von Julius-Aurelius im Privatkindergarten, der weiß das.
Was ist, wenn ich das Geld vor meinem 18. Geburtstag brauche?
Dann hast du leider Pech gehabt. Die netten Tanten und Onkel der ÖVP haben das Zukunftsdepot nicht für Minderperformer gemacht, die das Geld für Winterjacken, Schulausflüge oder Zahnspangen ausgeben.
Tipp: Lass dich von einer reichen Familie adoptieren! 🙂
Was passiert, wenn die Kurse abstürzen und ich mein Geld verliere?
Wenn dein Depot crasht, dann lernst du ein neues Erwachsenenwort: „Eigenverantwortung“. Das bedeutet, dass du selbst schuld bist. Der Staat wirft nicht einfach mit Steuergeld um sich, das macht er nur bei Banken und Seilbahnbetreibern. Diese sind nämlich „systemrelevant“. Du bist dagegen nur ein Kind, das noch nie an die ÖVP gespendet hat.
Kann ich mit dem Zukunftsdepot dreifach gehebelte Hochrisiko-Derivate traden?
Ja, natürlich! Ein „Hebel“ ist so, wie wenn du bei einer Schaukel ganz besonders fest anstößt. Mit etwas Glück landest du in den Sternen! Und wenn du Pech hast, kommt der Kuckuck und klebt einen lustigen Sticker auf deine Nintendo Switch.
Bekomme ich ein Begrüßungsgeschenk?
Ja, der Staat schenkt jedem Neugeborenen 500 Euro. Juhu! Moment, du bist schon groß und kannst diesen Text bereits lesen? Sorry, dann gehst du leider leer aus. Pech gehabt. Das nächste Mal musst du dein Geburtsdatum bitte besser wählen.
Darf ich mir mit den 500 Euro Startgeld Süßigkeiten kaufen?
Nicht vor deinem 18. Geburtstag. Aber du kannst dir Nestlé-Aktien kaufen, bei der Hauptversammlung die Süßigkeiten am Tisch naschen und dem Management Saures geben.
Muss ich in der Schule trotzdem noch brav sein und aufpassen?
Nein, du kleiner Wolf of Wall Street, Bildung ist überbewertet! Wenn du im Unterricht ermahnt wirst, sag der Lehrerin: „Liebe Geringverdienerin, mein Anlagehorizont ist langfristig und mein Portfolio breit gestreut. Ich brauche kein Deutsch, Englisch oder Mathematik, sondern nur den MSCI World!“
Wieso ist es für Österreich gut, wenn Österreich mir Geld von österreichischen Steuerzahlern gibt, damit ich Aktien aus Amerika kauf–
Das is die nächste depperte Frage, Jennifer! Schluss jetzt!


