Statt Töchter: FPÖ will Winnetou in Hymne aufnehmen


Kickl reitet auf Pferd
Barbara Gindl / APA / picturedesk.com

Droht dem Abendland der Untergang? Weil drei anonyme Twitter-Accounts Winnetou kritisieren, ist unser deutschsprachiges Kulturgut in Gefahr. Die FPÖ leistet tapfer Widerstand und fordert jetzt, Winnetou in die Bundeshymne aufzunehmen.

WIEN – Parteichef Kickl klatscht vor dem Parlament in die Hände. Ein Chor kastrierter Burschenschafter stimmt gemeinsam mit dem Schlagersänger Waterloo die neue Hymne an: „Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome, Land der Hämmer, zukunftsreich! Heimat großer Söhne und Winnetou.“ Kickl setzt sich schnell, um eine spontane Erektion zu verbergen.

„Winnetou hat wesentlich mehr geleistet als all diese sogenannten Töchter“, erklärt Kickl. „Nennen Sie mir eine einzige hiesige Tochter, die ihren Indianerstamm gegen die ankommenden Siedler von der US-Ostküste verteidigt hat. Eben.“

Nach der Generalprobe reitet Kickl mit Federschmuck auf einem Pony Richtung Parlament. „Je suis Winnetou“, brüllt Kickl. „Hicks, ich habe gesprochen“, fügt sein Kollege Christian Hafenecker hinzu und wischt sich den Schaum des Frühstücksbiers vom Mund. Die Burschenschafter traben hinter „Der mit dem Pferd tanzt“ her, wie Kickl seit dem Winnetou-Gate genannt wird.

Blutsbrüder

Die FPÖ zeigt sich solidarisch mit Winnetou, Kickl nutzt die Gelegenheit, um auch jüngste Unruhen hinter sich zu lassen und alte Gräben zuzuschütten. „Mein Bruder?“, fragt Kickl den Wiener Parteichef Dominik Nepp und zückt ein 40-Zentimeter-Jagdmesser. „Mein Bruder!“, antwortet Nepp mit feuchten Augen. Dann pressen sie ihre klaffenden Wunden aneinander. „Du hast eh ned Hepatitis, oder?“, fragt Kickl verunsichert und wirft sich sicherheitshalber eine indianische Heilpflanze ein.

Unterstützung kommt auch von Altkanzler Sebastian Kurz, der seinen Twitter-Usernamen aus Solidarität einen Tag lang auf „Old Schredderhand“ ändert.

Kritik

Doch nicht alle begrüßen den Vorschlag. „Nein, sorry, da machen wir nicht mit bei der neuen Hymne“, erklären die Jungeltern Hanna und Stefan aus dem Wiener Sonnwendviertel. „Wir finden es voll problematisch, wie Winnetou stereotype Darstellungen von indigenen Völkern reproduziert. Diese kolonialistische Optik würde unsere kleine Isadora und unseren sechsjährigen Geronimo total traumatisieren.“

Sie zeigen ihren Kindern daher nur völlig unbedenkliche Inhalte, wie etwa den harmlosen Klassiker Struwwelpeter – allerdings in einer neuen, zeitgemäßen Adaption: „Schaut, ihr zwei. Wenn ihr auf Twitter die Cancel Culture kritisiert, dann kommt der Schneider und schneidet euch beide Daumen ab!“ Papa Stefan zeigt auf die Blutlache. Geronimo beginnt zu weinen.

Vernünftiger Auftritt

Über Cancel Culture kann Kickl nur lachen. „Die Menschen müssen aufwachen, jetzt muss Winnetou seine Federn lassen, aber bald schon wir Österreicher“, schreit er durchs Parlament und beginnt, sich selbst zu skalpieren, während Waterloo, die John-Otti-Band und die Burschenschafter gemeinsam die neue Hymne singen.

Die meisten Abgeordneten schauen nicht einmal hin, für Kickls Verhältnisse ist es ein ungewöhnlich ruhiger Auftritt. 

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Danke für die Old Shredderhand 🤣 und das Thema grundsätzlich. Auch die Berichterstattung über Wirren der Cancel Culture und Kickls skurriles Weltbild finde ich gelungen. Diskussionen über dieses Phänomen sollten erwünscht sein, Verbote gehen aber zu weit. Kulturelle Aneignung ist wenn ein Anzug tragender Manager sich abends eine Dreadlocks Perücke aufsetzt, um damit zusätzlich Geld zu verdienen. Ein Musiker, der 24 Stunden Dreadlocks trägt und zum Kulturexport von Reggae beiträgt ist wegen “ falscher“ Hautfarbe nicht zu diskriminieren. Übrigens würde ich mich auch über dunkelhäutige MusikerInnen bei den Philharmonikern freuen. Und durch Karl May habe ich erst Neugierde für Indianerstämme… Mehr »

Vielen Dank für diesen Kommentar. Ich sehe das genauso. Eisbein auf Österreichischen Speisekarten ! Pfui Deibel, das ist kulturelle Aneignung, die verboten gehört.

Aber bei Schnitzel in Tunke ist die Grenze erreicht! Da ist Schluss mit Integration, das ginge zu weit.

Bei Old Schredderhand musste ich grunzkichern.

Dem Kickl geht es ja gar nicht um Winnetou, der ist ja nur scharf auf dessen Pferd Iltschi.

Bearbeitet von Sunshine Kid

Also, ich glaub die TP- Redaktion mag den Kickl nicht besonders, komisch, verstehe ich jetzt überhaupt nicht :-)

Was ist denn gegen neutrale, nicht wertende Tatsachenberichterstattung zu sagen?

Die Redaktion wird auch bald einen shitstorm ernten, weil sie Sonderlinge diskriminiert 😉

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