Spazieren reicht nicht mehr: Blümels Frau geht mit Laptop Jakobsweg


Frau wandert in den Bergen
Depositphotos

Die Schlinge um Finanzminister Gernot Blümel wird enger. Längst reicht der kurze Spaziergang im Park nicht mehr aus, um sich dem langen Arm der Behörden zu entziehen. Blümels Frau machte sich in den frühen Morgenstunden daher auf, um gemeinsam mit dem Laptop den Jakobsweg zu gehen.

WIEN / CAMINO DE SANTIAGO – Blümel sitzt vor Google Maps und rechnet, während er seiner Frau ein Low-Carb-Fitnessweckerl für die Lunch-Box schmiert: „Wien nach Santiago, das sind 750 Kilometer, also umgerechnet 40 Badewannen oder 300 Handballfelder. Wenn du durchschnittlich 120 km/h pro Sekunde gehst, bist du laut meinen Berechnungen drei Monate und fünf Zentimeter weg. Bis dahin sollte der U-Ausschuss vorbei sein.“

Er stattet den Kinderwagen mit vier Ersatzreifen raus, hängt dem Dienstlaptop einen Rosenkranz um. Dann wird er emotional: „Ich weiß, es ist schwierig für uns beide, aber es ist besser so, wir werden diese Phase überstehen, gemeinsam“, sagt er, gibt seiner Festplatte ein letztes Bussi und umarmt sie. Als sie außer Hörweite ist, murmelt er seiner Frau zu: „Wenn sie dich aufhalten… “ Er zeigt auf den Schredder.

Entschleunigung

Blümels neues Wertkartenhandy vibriert fast durchgehend. „Ich verstehe das ganze Tamtam nicht“, seufzt er. „Sie ist eh bald wieder da. Es würde uns allen, vor allem der Opposition, echt ur gut tun, wenn wir unser Leben ein bissl entschleunigen, uns nicht jedes Urteil eines unabhängigen Gerichts so sehr zu Herzen nehmen.“

Blümel wird nachdenklich, hebt ein Ovid-Buch auf, das er sonst als Türstopper nutzt. „Ist es jetzt schon eine Sünde, wenn man an den lieben Gott glaubt? Ist es jetzt schon falsch, das Richtige zu tun? Ist es richtig, das Falsche zu richten? Stimmt es, dass Danilo Kunhar 600 Sit-ups schafft? Diese Fragen werden im U-Ausschuss natürlich nicht gestellt.“

Exekutor kommt

Bundespräsident Alexander Van der Bellen klopft unterdessen ungeduldig an Blümels Tür. Die Exekution steht an. Als Henkersmahl wählte der Politiker einen Spirulina-Spinat-Detox-Smoothie mit 80 Gramm Whey-Proteinpulver. „Gleich! Ich kann es kaum erwarten!“, säuselt Blümel lieblich, während er eine Hantelbank unter die Türschnalle klemmt.

Auf der anderen Seite der Tür kaut Van der Bellen ungeduldig am USB-Stick, mit dem er die Daten abholen soll. „Ich würde dem Gernot sein Karriereende ja gerne würdevoll und schmerzlos gestalten. Für die Exekution hab ich sogar eine letzte Zigarette dabei, wo ist sie? Oje ich glaub hab sie vorhin geraucht“, sagt er nervös und tastet seine Taschen ab. Der anwesende Pfarrer schüttelt den Kopf. 

Notfallplan

Sollten die Staatsanwälte und der Präsident auch im Herbst immer noch keine Ruhe geben, hat Blümel zumindest noch ein Ass im Ärmel: „Wenn auch der Jakobsweg nicht vor einem Zugriff schützt, dann wird der Sebastian mit meinem Laptop einfach in den Himmel auffahren.“

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44 Kommentare
  • Bitte, bitte, bitte, lasst den lieben Sebastian und seine Famiglia in den Himmel auffahren. Von mir aus kann’s auch die Hölle oder sonst was sein. Aber bitte geht endlich und lasst andere in die Regierung.
    Danke liebes Tagespresseteam für den wieder einmal tollen Artikel!

      • Alle, die z. B. als Finanzminister ein funktionierendes Gedächtnis haben und ein korrektes Budget erstellen können, die als Agrarministerin nicht für Glyphosat sind die als Innenminister Terrorwarnungen ernst nehmen, die als Digitalisierungsministerin nicht für ein Kaufhaus Österreich Geld der Bevölkerung verschwenden usw. usw., es kann nur besser werden.

          • Mir fallen auf Anhieb viele ehrliche anständige gut ausgebildete Österreicherinnen und Österreicher ein.

          • In die Kritik geriet Schelling wegen eines Steuersparmodelles von XXXLutz über eine Firmenkonstruktion mit einer Tochterfirma mit Sitz in Malta. So wurden von dieser den einzelnen Konzerngesellschaften Lizenzzahlungen in Rechnung gestellt, Gewinne wurden dadurch von Ländern mit höheren Steuersätzen nach Malta verschoben, wo Gewinne theoretisch mit 35 Prozent Körperschaftsteuer besteuert wären, aufgrund von Rückerstattungen tatsächlich aber nur mit fünf Prozent. In Österreich betrug die Körperschaftsteuer bis zur Steuerreform 2004/2005 34 Prozent, danach 25 Prozent.[6] Die Grünen stellten 2014 eine parlamentarische Anfrage an Finanzminister Schelling zum Steuerentfall für Österreich durch diese Firmenkonstruktion. Der Minister gab dazu keine Auskunft und berief sich auf die abgabenrechtliche Geheimhaltungspf

          • Das weis ich. Er kennt sich aber aus und das ist wichtig. Man kann seine Arbeit bei Lutz verurteilen, es war aber rechtlich einwandfrei. Da gehören Gesetze geändert, dazu muss man aber verstehen um was es geht. Noch wichtiger, er hatte keine finziellen Interessen Minister zu sein. Auch keine bei wem er sich anbiedern muss um nach seiner Ministerkarriere einen Job zu bekommen.

          • Werner Kogler, Andreas Treichl, Schelling. In der alten ÖVP, bei der SPÖ, den Günen und den NEOS gibt es viele ehrliche anständige Experten die Finanzwissenschaften studiert haben und Erfahrung als Finanzvostände haben.

          • Irmgard Griss, Heinz Mayer. Auch wenn sie es schwer hätten nach einer Leuchte wie Edstadler…

      • Leute mit Kompetenz, Anstand, Rückgrat, wären schon ein Fortschritt. Vielleicht mal Leute ohne Burschenschafts -bzw. JVP Mitgliedschaft als einziger Qualifikation. Fachleute mit echtem akad. Abschlüssen und/oder relevanten beruflichen Erfahrungen und einem Blick für Prioritäten.
        Oder hat wirklich jedes Land die Politiker, die es verdient…

      • Na den lieben Sebastian, den lieben Gernot, die ,steuerbaren Weiber‘ Elli, Karoline, Margarete und Klaudia sowie die Susi. Den Bildungsheinzi und den adeligen Alex möchte ich auch nicht vergessen! Den Flex-Karli könnten wir vielleicht noch brauchen, um vielleicht Den-nicht-freiwillig-das-Ministerium-Räumenden ein bisschen Dampf zu machen.
        Puuuuhhh, das war jetzt angesichts der herrschenden Temperaturen aber ein Megajob, die alle aufzuzählen. Aber es hat sich – glaub ich jedenfalls – gelohnt.

  • Während seine Frau den Jakobsweg geht, kann Gernull für seinen Auftritt beim Villacher Fasching üben:
    „Der Basti, der Tom und i
    sind der Ruin der türkisen Family.“

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