Seuchen, Frauenhass, religiöser Wahn: Tirol verspricht Urlaub wie im 18. Jahrhundert


Günther Platter neben Geistlichem
EXPA / APA / picturedesk.com

Einfach mal die Zeit zurückdrehen: Das verspricht der Tiroler Tourismusverband mit seiner neuen Kampagne. Ein Urlaub in Tirol kommt demnach einer Zeitreise ins 18. Jahrhundert gleich. Besucher dürfen sich auf Highlights wie Seuchen, Frauenhass und religiösen Wahn freuen.

INNSBRUCK – „So, zuerst gleich ab ins Geisterhaus, euch werma desch Gruseln scho no lernan“, lächelt schon beim Eingang der mit schwarzem Russ bedeckte Pestgrubenbesitzer Bernhard Tilg und führt eine Gruppe schwedischer Touristen ins Kitzloch.

Das gesamte Bundesland gleicht einem Disneyland der vorindustriellen Zeit. „Wer sich an Tirol erinnern kann, der hat Tirol nicht erlebt“, grinst der gewiefte „Pest-Bernie“ kurz darauf und kehrt persönlich zwei komatöse schwedische Senioren unter einen riesigen Teppich.

Der Seuchenarzt und Mönch Dr. Maximilian Franz verteilt an alle Touristen beim Eingang Zirbenschnaps. „Das tötet alle gefährlichen Erreger in dir ab wie zum Beispiel das Corona oder das Östrogen und hält auch Killerkühe ab“, sagt er durch seine Schnabelmaske. 

Voraus zurück

„Wir sind in Tirol immer vorausgegangen, also voraus zurück, vorauszurückgegangen. Deshalb haben wir wiedermal Millioneninvestitionen chetätigt und in High-Tech-Infrastruktur inveschtiert“, freut sich auch Josef Geisler, Tiroler Landesrat für Dirndlangelegenheiten, und zeigt auf einen 35 Meter hohen, solarbetriebenen Scheiterhaufen mitten in der Innsbrucker Innenstadt.

„Jeden Freitag 20 Uhr verbrennen wir ein widerwärtig’s Luder. Oh, entschuldigen Sie den Auschdruck… 20 Uhr sagt man ja nit… die Zeit zu erwähnen ist ein Affront unserem immerseienden Herrgott gegenüber.“

Vintage

„Wow, dieses Weltbild hier ist ja voll vintage, alles seit 300 Jahren unverändert“, lacht der Wiener Hipster Michael Möseneder, als er aus der Postkutsche aussteigt und sich nach 30 Sekunden mit Pest, Cholera und den heimtückischen Ziegenpocken infiziert. Innsbrucker Kinder laufen interessiert zum Gast. „Fremder Mann aus der Zukunft, was ist dies gar wunderliche Ding?“, fragen sie und zeigen auf seine Schuhe.

Internationale Touristen willkommen

Auch auf internationale Touristen ist Tirol perfekt vorbereitet. „How do you do?“, fragt Günther Platter den einzigen Schwarzen in der Gruppe von Jugendlichen. „Du kannst Deutsch mit mir reden, i bin aus Tirol, des isch a Black Lives Matter Demo“, antwortet dieser. Platter lächelt. „Oh very wow, that it’s well, if you are black you must join the JVP.“

Aufruhr

Doch plötzlich verfinstert sich die Mine des Landesvaters. Er entdeckt drei junge Frauen, die an der Demo teilnehmen. Sie werden sofort von Polizisten abgeführt und zurück in die Stallungen ihrer Liftkaiser gebracht. „Dort werden sie brav als Mägde arbeiten und ganz viele Kinderlein aus ihrem Kitzloch gebären“, lacht Platter.

„Schauts, da drüben, des Dirndl, genauso stell ich mir ein Dirndl vor, immer schön ruhig bleiben, brav sein, keine hysterischen Anfälle von Gutweiberei“, sagt er und zeigt auf Ingrid Felipe, die Pressesprecherin der Tirol Gmbh, die seit drei Stunden lächelnd neben ihm steht und für Touristen-Selfies liebevoll nickt.

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Treffend in vielerlei Hinsicht 😂
Aber an euren Tirolerisch-Imitationen müssts noch arbeiten. Wir haben zwar viele sch-Laute, aber „desch“ und „Auschdruck“ ist sogar uns zu viel. Klingt mehr wie die deutsche Synchronisation von Wilkommen bei den Sch’tis als ein echter Tiroler 😉

„Klingt eher nach Willkommen bei den Sch’tis“ bäääriger Vergleich ;)

Wie wahr! Als Tiroler, dessen Lieblingslektüre neben Hegels Phänomenologie des Geistes die Tagespresse ist, muss ich diesmal leider auch die Stirne runzeln, denn was dem Gehege der Zähne unserer Landesgötter entschlüpft, hört sich zwar in eurer Version wie unser Gebirgsarabisch an, ist aber leider nur ziemlich laienhaft imitiert. Der Teufel steckt im Detail, wie Martina richtig bemerkt. Aber wenn ihr wollt, gebe ich euch als geprüfter Dialektiker bzw. Dialektologe gerne einen Kurs „Tirolerisch für leicht Fortgeschrittene“. Dann werden eure an sich hypergenauen Wiedergaben der landesfürstlichen Ausscheidungen auch linguistisch korrekt sein.

Du Loder, megsch aupassen, gell. So redt ma nit über ins Tiroler, hardegatti! Nein, Gratulation zur Wortschöpfung „Gebirgsarabisch“ ;)

Gebirgsarabisch … danke!

Gebirgsarabisch.. you made my day..
Das könnte auch die überdurchschnittliche Religiösität der Tiroler, teilweise auch ihr Frauenbild erklären…

Ihr könntet ja versuchen den vorliegenden Text in richtiges „Gebirgsarabisch“ zu übertragen.
Allerdings muss man die Flachländer dann vor lauter Rezitation warnen, kann zu akuten Kehlkopfentzündungen führen.

Muschtas jo nit laut vorleschn! :-)

Wie immer zutiefst erschüttert ob der realitätsnahen Schilderungen. Es fehlt noch das Tiroler Platt(er)deutsche Fanal gegen „olle Emanzen oder sonstige Weibsbilda, die sich trauen, a eigene Meinung zu haben, ohne zuvor um Erlaubnis zu fragen: Manda, es isch Zeit, in olle widerwärtigen Luadern zu zagen, dass wir Tiroler Nit-Arschlöcher alles mochen kenna, was wir wolln, weil wir ja no alleweil alles total sicher richtig gemocht haben, im In- und Ausland, wurscht wo, besondersch in Ischgl und des bständig!

Jo hoj

Ist das die Drehbuchvorlage für Piefkesaga Teil 5?

Die besten Drehbuchvorlagen schreibt das Politleben..

Wieder einmal so richtig gelacht…..danke, auch an die Kommentaristen ;-)

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