„Setzt Spieler massiv unter Druck“: Sobotka will Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ verbieten


Sobotka mit Brille
Roland Schlager / APA / picturedesk.com

Als ehemaliger Musiklehrer kennt Wolfgang Sobotka die Jugend wie kaum ein anderer Politiker. Jetzt sorgt der Parlamentspräsident mit einem Vorstoß für Aufsehen: Das beliebte Kinderspiel „Wahrheit oder Pflicht“ soll gesetzlich verboten werden. Die rigiden Regeln setzen zarte Kinderseelen nur unnötig unter Druck.

WIEN – „Bei uns hat jede Person, die Auskunftsperson ist, eine ungeheure Sorge, dort etwas Falsches zu sagen, weil sie dort unter Wahrheitspflicht steht. In Deutschland gibt es das nicht“, sagt Sobotka, als er uns zum Interview begrüßt. „Achtung, da liegt Sch-, äh, Schokolade vor der Tür.“

Tausende Kinder spielen das „Killerspiel für die Seele“ (Zitat: Alois-Mock-Institut) Tag für Tag, meist ohne Mitwissen der Eltern. Die möglichen Folgen der Wahrheitspflicht: „Stress, Traumatisierung, bis hin zu sinkenden Umfragewerten und Bildung von grässlichen Geschwüren an den Beinen“, warnt Sobotka und zeigt uns Fotos von einer Fußfessel.

Harmloser Spielspaß

Besorgten Eltern rät er zu lustigen Alternativen: „Mit meinen Kindern spiele ich etwa Postenschach, das ist wie normales Schach, aber statt Damen gibts steuerbare Weiber.“ Und für den langen Spieleabend: „Die Aufsichtsräte von Catan. Die Spieler müssen möglichst viele Posten besiedeln und können untereinander Geldkoffer handeln.“

Als weiteres Spiel empfiehlt sich auch „Reverse Memory“, wo man die aufgedeckten Karten sofort aus seiner Erinnerung löschen muss.

Träumer

Sobotka legt im Wohnzimmer „Imagine“ von John Lennon auf. „Ja, ich träume immer noch von einer freien Gesellschaft, frei von den beengenden Spielregeln des Strafgesetzbuchs“, seufzt er.  „Ich weiß jetzt, wie sich Nelson Mandela gefühlt haben muss. Auch ich bin eingesperrt, im Gefängnis der Wahrheit.“

Rechtlicher Beistand

Wichtig ist in jedem Fall eine rechtzeitige Absicherung. „Wir empfehlen unseren Klienten, ‚Pflicht oder Wahrheit‘ nicht ohne juristischen Beistand zu spielen“, erklärt Anwalt Christian Brieber. Er vorbereitet gerade eine 8-jährige Klientin: „Und wenn sie dich fragen, ob Lorenz dir einen Liebesbrief geschrieben hat, dann sagst du, dazu hast zu keine Wahrnehmungen“, erklärt er, während er hektisch hunderte Briefe von Lorenz schreddert.

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Postenschach, Reverse Memory … die Wortschöpfungen sind wieder mal Spitzenklasse. Aber mit dem „Waidhofner Mussolini“ ist euch Kickl heute dicht auf den Fersen.

Überraschender Gast: Exklusives Interview mit Wolfgang Sobotka Wir konnten unseren Augen kaum glauben, wer heute völlig überraschend vor unserer Redaktion stand und der größten Tageszeitung Österreichs exklusiv ein Interview geben möchte, wo er die Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen möchte. Selbst der Duft der Macht konnte die offensichtliche Fahne des Herrn Nationalratspräsidenten nicht übertünchen und so schwankte er herein, nahm Platz und bestellte zuerst mal Kaffee. „Schwarz?“, fragte ich. „Nein, das war einmal, mittlerweile habe ich ihn lieber mit etwas Milch, leicht braun.“, schoss es sofort heraus. „Was führt Sie zu uns Herr Nationalratspräsident?“ „Schaun… Mehr »

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Teil 2, Kogler sucht Sobotka. Wills jemand lesen?

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Vielen Dank für diese tollen alternativen Spielideen! Nach dem xten Lockdown sind die altbekannten Klassiker ja wirklich längst ausgelutscht

Jetzt als künftig nicht mehr „gänzlich unparteiischer“ Ausschussvorsitzender kann er wieder wie gewohnt solche Ungeheuerlichkeiten verbreiten. Dazu wird er froh sein wenn er sich endlich wieder vom lästigen Schafspelz trennen kann.

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