„Schneiden nur mehr Kunden, bei denen es noch Sinn macht“: Friseure starten Triage


Frisörin weigert sich, Mann mit Vokuhila zu schneiden
Depositphotos (M)

Im Lockdown müssen Frisöre wieder für zweieinhalb Wochen schließen. Heute stürmen noch unzählige Österreicherinnen und Österreicher die Salons, doch die Branche ist bereits völlig überlastet. Um 13 Uhr wurde auf Triage umgestellt. Ab sofort werden nur mehr Kunden geschnitten, bei denen es noch Sinn macht.

WIEN – „Triage“ – Das ist das Horrorwort, das eigentlich niemand, der Dienst an Schere und Kamm erledigt, hören wollte. Doch nun muss jeder Frisör selbst entscheiden, welche Haare er noch retten kann und welche nicht.

Frisör Stephan Proksch erzählt: „Hunderte Kunden wollen heute noch schnell hair, ich meine her, aber wir sind am Limit. Die Julia hat sich schon den Finger verstaucht, der Pierre ist beim Färben mit dem Fön in der Hand kollabiert. Eine ordentliche und intensive Betreuung aller Haare kann nicht mehr gehairleistet werden, ich meine gewährleistet, haar, haar, ich meine, haha.“

Er betreibt im Burgenland die Friseurläden „Hair-Reinspaziert“, „Hair-st, hoit die Goschn“, „Hair-oin“ und „Hair-bert Kickl“. Proksch wird ernst. „Wir haben außerdem auch viel Laufkundschaft, weil derzeit läuft unsere Aktion ‚Bleich di, du Oaschloch‘, da kriegt man -50% aufs Blondieren“, so Proksch.

Außerdem gehen in den Salons bereits die Pflegeprodukte zur Neige, was Proksch wütend macht: „Kanzler und Haarminister Kurz hatten über den Sommer genug Zeit, vorzusorgen, also dass jetzt der Conditioner ausgeht, ist das dunkelste Kapitel der zweiten Republik!“

Alter unwichtig

Doch nach welchen Kriterien trifft Proksch die schwierige Entscheidung? „Das Alter spielt da keine Rolle. Ich hab heute noch die Dauerwellen einer 80-jährigen erledigt, aber den 20-jährigen Angewandte-Studenten mit seinem Vokuhila musste ich wieder heimschicken, weil ich wusste, das ist chronisch, in zwei Monaten gehen die selben Probleme von vorne los.“

Laut Friseurinnung sind die wichtigsten Triage-Kriterien Vorerkrankungen wie Salafisten-Bobobärte, die im Jahr 2014 Trend waren, oder bleistiftdünne Hipster-Moustaches aus dem Jahr 2016. 

„Es hängt alles von der Schwere der zu behandelnden Frisur ab.“ Besonders schlechte Chancen hätten eitle, ältere Männer mit einem sogenannten Comb-Over. „Die kahlen Stellen des Kopfes werden dabei mit den an anderen Stellen lang gewachsenen Haaren verdeckt. Für solche Kunden gibt es leider keine Rettung mehr“, klärt uns Proksch auf.

Alle gleich

Promibonus gibt es bei der Frisur-Triage allerdings keinen. „Wir schauen nicht wer berühmt ist oder wer von welcher Partei ist“, so Innenstadt-In-Friseurin Gertrude Faustmann vom Salon „Austrian Hairlines“. „Aber wenn Sebastian Kurz vor dir liegt, dann musst du einfach bereit sein, die Haare um jeden Preis zu retten, denn immerhin ist seine Frisur seit 2017 Bundeskanzler von Österreich.“ Sollte seinen Haaren etwas zustoßen, könnte unsere Gesellschaft völlig kollabieren.

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hairlich

Unfassbar gut. Eure Phantasie ist nur bewundernswert!

Nimm das, Östhairreich!

Traumhaft bis grenzgenial so einen guten Artikel hat es schon lang nicht mehr gegeben!

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