Reportage: Ein Tag im Impfgremium 2412


MA 2412
ORF/Ali Schafler

Wieso verläuft die Impfkampagne so schleppend? Das fragt sich derzeit ganz Österreich. Wir haben nachrecherchiert und dem zuständigen Impfgremium 2412 einen Besuch abgestattet.

8:00 Uhr – Dienstbeginn

Der Tag beginnt für Chief Medical Officer Ing. Breitfuß wie immer mit einer halbstündigen Sitzung auf der Amtstoilette. Ärgerlich: Wieder gibt es kein Klopapier. „Haben wir noch Impfverteilungspläne?“, ruft er durchs Amt. Dann fällt ihm ein: Diese wurden ja nie erstellt.

Doch sein Kollege, der Impfbeauftragte Weber, eilt zur Hilfe. „Nehmen’s das da, die Kollegin drüben im Kopierraum braucht das nicht mehr.“ Er reicht ihm zwei vollgekritzelte Blätter mit der Aufschrift „Entwurf Home Office Regeln“.

8:30 Uhr – Schwedenbombenpause

Breitfuß holt aus einem Kühlschrank auf –70 °C gekühlte Schwedenbomben hervor, doch ausgerechnet jetzt rollt eine kranke 94-Jährige schüchtern mit dem Rollstuhl ins Amt: „Griaß Gott, i kummat wegen der Impfung?“, haucht die Dame schwach.

Kollege Weber gibt ihr einen Zettel mit der Nummer 5.673.123 in die Hand. „Hinten anstellen Madame, wie alle anderen“, er zeigt nach draußen auf den Gang, wo schon tausende Bürgermeister warten. „Momenterl! Ham Sie überhaupt a Internet-Voranmeldung?“ Die Pensionistin seufzt, denn im Seniorenheim gibt es leider kein WLAN. „Ohne Internet ka Impfung ned! Kumman’s wieder, wenn Sie sich mit Ihrer Mindestpension a iPad kauft hom!“

9:15 Uhr – Kaffeepause

Es klopft. Breitfuß erschrickt, verschluckt sich an einem Keks und hustet wild. Weber lächelt: „Stecken’s mich bitte ned an.“ Breitfuß wischt sich die Brösel aus dem Gesicht. „Ich hab ka Corona.“ Weber grinst: „Nicht mit Corona, sondern mit ihrer Unfähigkeit.“ (Lacher) Gesundheitsminister Rudolf Anschober tritt ein: „Na meine Herren, alles gut?“ Breitfuß und Weber nicken unisono. Anschober ist zufrieden. „Die nächsten Wochen werden entscheidend“, meint er und blickt besorgt auf den Modellbau von Ing. Breitfuß. 

11:30 Uhr – Allgemeines Sondieren

Breitfuß wird unruhig, denn Anschober hat ihm einen Akt mitgebracht. „Impfbestellung, Impfbestellung, wo soll i um de Zeit a Impfung bestellen…“ Er holt einen alten, klebrigen Quellekatalog aus dem Schreibtisch, findet allerdings zwischen Spitzenunterwäsche und Dampfgarern nichts von Pfizer. „Kollege, haben Sie vielleicht schon bei Biontech bestellt?“ Weber lächelt: „Nein, wir bestellen heute wieder bei Mjam.“ (Lacher)

12:10 Uhr – Prä-Mittagspause

Ing. Breitfuß stürmt ins Büro. „Bitte schön wer hat mein AstraZeneca aus dem Kühlschrank genommen? Da is extra mein Name drauf gstanden.“ Kollege Weber schüttet es sich gerade als Dressing über seinen Putenstreifensalat, schaut auf die Flasche und lässt sie schnell im Mistkübel verschwinden. (Lacher)

„Nur mit der Ruhe, Herr Ing. Breitfuß, Sie zittern, Sie schwitzen, Sie schauen aus wie der Tod, Sie haben schon genug AstraZeneca intus.“ (Lacher). Auch Ing. Breitfuß lacht: „I hoff des mit unserer Pragmatisierung geht schneller als des mit der Immunisierung.“

12:30 Uhr – Mittagspause

Während alle schlafen, schleicht sich ein bärtiger alter Weihnachtsmann schläfrig ins Büro und durchsucht Schreibtischladen nach Zigaretten. Leider Fehlanzeige. Der Weihnachtsmann verschwindet wieder zurück in sein eigenes Büro in der Hofburg.

14:02 Uhr – Visite

Obersenatsrat und Chief Executive Maturant Sebastian besucht erstmals seit Jahren das Amt und steht vor der Tür. Breitfuß wird unruhig. „Der Cheffe, na geh, ausgerechnet jetzt. Weber, wir haben zu wenig Biontech da und der Basar hat auch schon zu.“ Weber hat eine Lösung: „Herr Claus, könnten‘s uns den bitte 16 Millionen mal kopieren?“ Herr Claus schaut auf die Uhr. „Also vor Weihnachten schaff ma des nimma.“ (Lacher) 

15:26 Uhr – Nachtmittagsstress

Es klopft an der Tür. Ein Mann mit der Startnummer 1 schaut bei der Tür herein. „Äh, ich wär da für den Impftermin und wart schon seit 8 Uhr.“ Herr Weber baut sich vor ihm auf. „Sind Sie ein Bürgermeister?“ Der Mann verneint. „Dann sind’s da falsch, kommen’s im September wieder, frühestens, aber bitte nicht zu uns.“ (Lacher)

16:51 Uhr

Breitfuß: „So, mir reicht’s, wie ist die Nummer von dem Praktikanten da in der Finanzabteilung, die sollen sich den Schas selber machen.“ Weber gibt ihm die Nummer von Gernot Blümel. Breitfuß zückt das Telefon. „Herr Gernot heans bitte, was heißt, die Impfstoffbeschaffung ist bei 200 Millionen Euro gedeckelt? Es ist niedriger als das PR-Budget? Können Sie nicht mal 1 und 1 zusammenzähl– wie, nein, also Sie können das wirkli ned? Na gut, passt, Wiederhören und Gruß an Gattin und Laptop.“

16:59 Uhr – Dienstschluss

Ein Tag im Amt für Weihnachtsdekoration und Pandemiebekämpfung geht zu Ende. Weber und Breitfuß blicken zufrieden auf die Berge nicht erledigter Arbeit. „Und was, wenn sich doch mal irgendwer aufregt?“, fragt Ing. Breitfuß unsicher und deutet auf die lange Schlange vor ihrer Tür. „Dann sag ma einfach, es is ihre Schuld.“ Weber lächelt und zeigt durch das Fenster in ein Büro nebenan, wo eine belgische Beamtin sitzt und freundlich zurückwinkt.

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Grandios! Kann das bitte jemand an die Macher von MA 2412 herantragen? Das waere zu schoen wenn das wirklich auf Film kommt! Die Politik derzeit bietet ja tonnenweise Stoff, da koennte man eine ganze Staffel draus machen

… and the Oscar goes to …
2412
Producer Die Tagespresse

Was heißt eine 🤣🤣🤣

Danke für diesen gut recherchierten Hintergrundbericht aus dem Impfgremium.
Aber, war die Tagespresse nicht einmal ein Satiremagazin?

War die Regierung nicht einmal eine Regierung?

He, ich hab vor kurzem erst mit einer Freundin darüber gelästert, dass für das Impfchaos nur die MA2412 zuständig sein kann und was les ich jetzt da? dabei bin ich doch noch gar nicht geimpft, wie kommt dann der Chip im mein Hirn, den ihr da offensichtlich ausgelesen habt? Ehrlich, einer eurer besten artikel, hab mich fast todgelacht

Haben’s ein Abo abgeschlossen? So kommt der Chip über den digitalen Weg zu Ihnen.

„… und der Basar hat auch schon zu“ – das ist für die Impfgremium-Profis das eigentliche Problem…

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