„Raumschiff kommt gleich“: Kurz verbarrikadiert sich mit Jüngern in Stadthalle


Jünger lauschen Sebastian

Für die türkise Familie rund um Sebastian Kurz wird es immer enger. Zur Stunde hat sich der Kanzler, Führer und Prophet mit seinen engsten Mitstreitern in der Wiener Stadthalle verbarrikadiert. Hier wartet man nun auf ein Raumschiff, das laut Kurz bald kommen und alle erlösen wird.

WIEN – Hunderte Anhänger scharen sich aufgewühlt um ihren Führer, singen zum Beat von riesigen Schreddern mantrahaft den WKO-Song im Chor. Sie erwarten sehnsüchtig ein Wort der Hoffnung. Von ihm. Dem Unaussprechlichen. Dem Bundesbasti. Dem Shorty McFly, wie er bis weit über die Grenzen des Universums hinaus genannt wird. Prophet Kurz ist wieder dort, wo alles angefangen hat: in der Wiener Stadthalle.

Hier feierte er 2017 seinen Wahlkampfauftakt, hier wurde er 2019 gesegnet und hier soll nun auch alles wieder enden. „Meine Jünger, fürchtet euch nicht! Wie ihr wisst, kommt das Raumschiff schon bald und rettet uns alle aus diesem Satansreich, das von pädophilen Kommunisten-Staatsanwälten aus linken Zellen regiert wird, an denen Silberstein die Fäden zieht, rote Fäden, geflochten aus dem Filz der Wiener SPÖ, unterstützt mit illegalen Islam-Geldern aus Islamabad – so viel sachliche Kritik muss erlaubt sein.“

Infiltrierung

Vor der Stadthalle patrouillieren bewaffnete JVP-Milizen auf Geilomobilen mit Maschinengewehren. Die Halle ist wie schon 2017 streng in türkiser Parteiästhetik gehalten. Doch statt „Es ist Zeit!“ hängen überall Plakate mit dem neuen Slogan „Es gilt die Unschuldsvermutung!“. Peter L. Eppinger spielt immer wieder auf großen Screens Szenen von Mitterlehner, Kern und einer durchschnittlichen Radfahrerin aus Wien ein, erinnert an die Feinde, die man im Heiligen Krieg (NR-Wahl 2017, Anm.) geschlagen hat.

Euphorie

Die Anhänger johlen euphorisch. Elisabeth Köstinger verteilt mit manischem Lächeln im ganzen Raum Stamperl-Gläser gefüllt mit Glyphosat. „Das müssen wir trinken, damit das Raumschiff unsere Seelen hinauf beamen kann.“ Bei zögerlichen Jüngern hilft Gerald Fleischmann nach und leert ihnen das Stamperl in den Rachen. Kurz schüttet sich sein Stamperl unauffällig in den Ausschnitt seines Kragens.

Während die Jünger dem Propheten bedingungslos folgen, rumort es im inneren Zirkel der apokalyptischen Glaubensgemeinschaft jedoch. „Na Basti, geh du ruhig voran“, lächelt die in bizarre Ketten gekleidete Schwester Johanna aus Niederösterreich. Sie wolle erst später ins politische Nirwana nachkommen. „Guten Flug schon mal, aber weißt eh, Economy ins All fliegen, wegen der Außenwirkung. Ok, bussi baba und foi ned!“

Kogler eilt herbei

Grünen-Chef Werner Kogler wurde bereits vor der Stadthalle gesichtet. Er versucht, das Schlimmste zu verhindern. Immer wieder rüttelt er mit der ganzen Wucht seines steirischen Körpers an der Tür. „Sebastian, mach kan Blödsinn! Das ist alles halb so schlimm! So schiach is Krems-Stein a ned, da bist immerhin glei daham im Waldviertel! Komm, ich mach die Ausbildung zum Bewährungshelfer, dann können wir die Koalition weiterführen, als gemeinnütziger Dienst?“

Doch Kurz hört ihn nicht. Er steht mit ausgestreckten Händen auf der Bühne. Die Augen fest geschlossen, den Kopf in den Nacken gelegt. Plötzlich trifft ihn ein greller Lichtkegel von oben. Das Surren der Schredder verstummt. Kurz lächelt. „Es ist soweit.“

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„Oh, Messias, wirst du uns zum Licht führen?“
„Mehr als das, ich werde euch hinters Licht führen.“

Wie richtig aber auch! Die Leute sollen endlich auch hinterm Licht nicht sehen, was vor sich geht! Das hat noch keiner so gemacht vor ihm.
Das muss man neidlos anerkennen.
Nicht einmal der KHG. Ich meine, was Unverblümeltheit betrifft.

🙌 super!

„Sebastian, mach kan Blödsinn! Das ist alles halb so schlimm! So schiach is Krems-Stein a ned, da bist immerhin glei daham im Waldviertel! Komm, ich mach die Ausbildung zum Bewährungshelfer, dann können wir die Koalition weiterführen, als gemeinnütziger Dienst?“

🙂👌😄😉🙂🍻👍👌😘🤣

Eisteign…Åbflug. Salü und låssts kan tsrugg.

Stellt Euch vor, es gibt ein Land in etwa von der Grösse Österreichs, dessen Regierung mit nur 7 Ministern auskommt. Es gibt keinen Bundespräsidenten. Diesen Nebenjob übernimmt jährlich ein anderer der 7 Minister. Der Bundeskanzler tut – seinem Namen entsprechend – nichts anderes als die Kanzlei der Regierung zu führen. Wenn einer der Minister zurücktritt oder nicht mehr gewählt wird, setzt das Parlament schlicht einen anderen an seine Stelle: Keine Krise, kein Cabaret, keine Neuwahlen und keine Operette. Armseliges Österreich! Wenn es nicht zum Heulen wär, wärst Du zum Lachen.

Ich gebe ihnen recht, zwei Theaterbühnen am Ring sind zu teuer ! Wir alle wünschen uns die Permaübergangsregierung ! Oder anders ausgedrückt Leute die einfach für ihren Arbeitsgeber dem Bürger hart arbeiten.

Und Bundesrat (Minister) wie die Person, die zufällig das bei der Wahl gerade gefragte Geschlecht und die richtige Parteizugehörigkeit besitzt und zufälligerweise noch im richtigen der 26 Kantone wohnt. 🙈

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