Rauchverbot: Traditionelles Wiener Tschickschnitzel vor dem Aus?


Depositphotos/Montage

Mit dem gestern beschlossenen Rauchverbot in der Gastronomie gerät auch ein Stück Brauchtum in Gefahr: Dem traditionellen Tschickschnitzel droht das Aus. Wirte und Gäste fordern jetzt eine gesetzliche Ausnahme für die beliebte Wiener Speise.

WIEN – Eigentlich genießt der Wiener Raphael Bauer jeden Morgen sein Schweinsschnitzel mit Zigarettenstummeln, während er mit seiner vierjährigen Tochter im Raucherbereich sitzt. Doch heute ist seine Stimmung getrübt, am gestrigen Gesetzesbeschluss hat er zu kauen.

„Unser Tschickschnitzel nehmen’s uns weg. Owa die islamischen Haschgiftspritzer in der U6 bleiben erlaubt!“ Das Rauchverbot macht ihn fassungslos. „Wenn‘s so weitergeht, sperren sie uns auch noch das Raucherkammerl bei der Chemotherapie zu.“

Wirte empört

Die WKO läuft gegen die Maßnahme Sturm. „Uns wird hier die Existenzgrundlage entzogen. Das bringt die Wirte langsam um und hindert sie daran, ihrer Leidenschaft nachzugehen: anderen die Existenzgrundlage zu entziehen und sie langsam umzubringen“, kritisiert Tschickschnitzel-Branchenobmann Leo Schnitzhofer.

Speisekarten adaptiert

Mit pulsierender Halsschlagader streicht er in seinem Beisl „Zur verstopften Arterie“ gerade das „Pall Mall Putenschnitzi“ von der Kinderkarte. Auch den bei den Kleinsten sehr beliebten Eisbecher „Pinocchio“, bei dem die Nase eine Zigarillo ohne Filter ist, darf er nicht mehr anbieten.

„Des wird ned nur uns, sondern auch tausenden Herzchirurgen die Jobs kosten“, fürchtet sein langjähriger Koch, während er traurig sein vielleicht letztes Marlboro Cordon Bleu in die Fritteuse schmeißt und liebevoll ein Brot mit Raucherbeinschinken belegt.

Aufregung überzogen?

Der Drogenhistoriker Prof. Maximilian Wieland argumentiert dagegen, Brauchtum verändere sich nun einmal mit der Gesetzeslage: „Deshalb werden Marillenkrapfen seit 1927 ja auch nur noch mit Staubzucker bestreut, und nicht mehr so wie bis dahin üblich mit Kokain.“ Wieland fordert, die Tschickstummel durch geschmacklich ähnliche Speisen zu ersetzen, wie etwa alte Industrie-Luftfilter der VOEST, Autositze aus Wiener Taxis oder Sushi von DOTS.


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Georg

Da gibt es nur eins: Verfassungsklage. Was ist denn unsere Verfassung noch wert, wenn sie nicht einmal mehr die Tschickschnitzel schützt? Ich danke der Wirtschaftskammer, dass sie mit den WKÖ-Zwangsbeiträgen so eine Klage unterstützt und sehe auch gute Chancen auf Erfolg.

johnny b goode

Man könnte als Abhilfe anstatt der üblichen Maggie-Flascherl ja Gewürzflascherl mit Zigarettenrauchkonzentrat auf den Tisch stellen.

Jausenbrettl

… und den Pfefferstreuer mit Zigarettenasche befüllen.

@

Wås homm die Tschik in der Zitronenschale zu suchen?

Inschoenoer

Da werden Erinnerungen wach, als beim Mäci der Raucherinnenbereich noch örtlich und nicht räumlich getrennt war :-(

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