Ein skrupelloser Überfall erschüttert die Bundeshauptstadt. Ein Mann wurde gestern in einer Billa-Filiale kurz vor Ladenschluss um einen dreistelligen Betrag erleichtert. Ein Polizeigroßeinsatz war die Folge.
WIEN – Polizeiautos stehen vor der Billa-Filiale im ersten Bezirk, um die Kundinnen und Kunden vor weiteren Überfällen zu schützen. „Gehen Sie weiter, hier gibt es nix zu sehen“, schreit ein Polizist, eine Pensionistin bringt sich in Sicherheit.
Hier, in dieser unscheinbaren Billa-Filiale, kam es gestern Abend zu einem Raub, der das Leben des Opfers Georg Brenner für immer verändern wird. „Es ist alles ganz schnell gegangen, das Opfer ist einfach an der Kassa ausgeraubt worden, ein unglaublich dreister Fall“, seufzt eine Polizistin.
Perfides Vorgehen
Was ist passiert? Unter dem Druck drohenden Hungers wurde Brenner gestern um 19:28 Uhr von den in schwarz-gelb gekleideten Tätern gezwungen, Waren des täglichen Bedarfs zu stark überhöhten Preisen zu erwerben.
„Alles, was ich wollte, war Butter, ein Dreh&Trink Cola Rot und eine Packung Kaffee“, stammelt Brenner. „Auf einmal grinst mich ein Mann, circa 1,70 groß, blonde Haare, kräftige Statur, an und sagt: ‚387,60 Euro. Bar oder Karte? Keine Polizei! Wir wissen, wo deine Tochter zur Schule geht, wir können dort in der Filiale die Preise für ihre Kinder Pingui dynamisch erhöhen.‘ Da haben sie mich psychisch gebrochen.“ Das geschockte Opfer händigte einen 500-Euro-Schein aus.
Besonders perfide: Zuerst wollte Billa noch mehr Geld. Durch das Ankleben von „Joker“-Stickern konnte Brenner mit den Tätern verhandeln. „Das empfehlen wir aber nicht zur Nachahmung“, warnt die Polizistin. „Spielen Sie nicht den Helden.“ Nach der Tat gelang dem Mann mit leerer Geldbörse die Flucht. Er steht unter Schock, ist aber unverletzt.
Der Straftat ging monatelanges Stalking durch den Täter voraus. Via Spyware-App, die sich als lustiger Bonusclub tarnt, konnte die Billa-Bande jedes noch so kleine Detail aus dem Leben von Brenner in Erfahrung bringen und gegen ihn verwenden.
Organisierter Einzelhandel
Polizei-Sprecherin Birgit Jochum warnt vor dieser neuen Form des organisierten Einzelhandels. „Die Tätergruppe operiert offen, bei Tageslicht und mit einem europaweiten Netzwerk im Rücken.“ Es handele sich um skrupellose Intensivtäter, die jeden Tag tausenden unwissenden Opfern ihr hart verdientes Geld abnehmen.
An der Spitze der Operation vermuten die Ermittler einen Mann namens „Hofstädter“. „Das ist aber nur ein Pseudonym, der Verdächtige ist so eine Art ‚Heisenberg‘ des Leberkäses.“
Österreichweite Bedrohung
„Das Billa steht übrigens für Billige Ladendiebe„, erklärt Jochum. Noch tappt die Polizei im Dunkeln: „Es gibt aber bereits einen Kronzeugen, der auspacken will. Es hat sich ein Ja-Natürlich-Schweinderl an uns gewendet, das nicht zu Extrawurst verarbeitet werden will.“
Die Billa-Bande könnte inzwischen österreichweit operieren, bei der Kripo steht diese in puncto Gefährlichkeit sogar noch vor den holländischen Bankomatsprengern, und nur knapp hinter jugendlichen Antifa-Campern.


