Partei lernt dazu: Tiroler FPÖ beachtet bei Deportationslisten von Kindern den Datenschutz

ORF, Instagram (M)

Sollten Sie Fabian Walch nicht kennen, dann haben Sie nichts verpasst. Der Innsbrucker FPÖ-Gemeinderat veröffentlichte vor einigen Tagen auf seiner Instagram-Seite eine Liste mit ausländischen Vornamen aus einer Innsbrucker Pflichtschule. Damit will er vor „Überfremdung“ warnen und „Remigration“ einfordern. Das ist auch schon das Bemerkenswerteste, das er in seinem politischen Leben zustande gebracht hat. Dass die Nachnamen geschwärzt sind, ist jedoch ein Novum in der FPÖ. 

Fabian stammt aus dem Lateinischen und wird mit „der Edle“ übersetzt. Das mittelhochdeutsche Wort Walch leitet sich vom althochdeutschen Begriff für „Fremder“ ab. Der FPÖ-Gemeinderat Fabian Walch heißt übersetzt also: der edle Fremde. Das haben wir nicht erfunden. Seine Eltern hatten offenbar Humor.

Und der edle Fremde hat dazugelernt. Bei aller Kritik darf nämlich nicht unerwähnt bleiben: Die Tiroler FPÖ hält bei der Veröffentlichung ihrer Deportationslisten inzwischen wenigstens den Datenschutz ein. Alle Nachnamen wurden vorbildlich geschwärzt. 

Fabian Walch, der edle Fremde, beugt sich damit vorbildlich den Datenschutzregeln des verhassten Brüssel. DSGVO-konforme Deportationslisten, vielleicht auch mit Opt-out-Möglichkeit, Auskunftsrecht und Cookie-Banner? 

Langjährige Erfahrung

Diese Achtung des Datenschutzes auf Listen mit Kindernamen ist bei den Blauen neu. Schon 2017 veröffentlichte die FPÖ-Bezirksgruppe Vomp im Internet eine Liste mit ausländisch klingenden Namen einer Tiroler Volksschulklasse – gänzlich unzensiert. Das löste einen Sturm der Entrüstung aus, weil datenschutzmäßig halt ein bisschen, äh, dings. 

Lesen Sie die Tagespresse in unserer App.

App für iPhone und Android herunterladen

Zur Verteidigung der FPÖ-Bezirksgruppe rückte damals ein edler, fremder Pressesprecher der Tiroler FPÖ aus. Sein Name? Genau: Fabian Walch.

Gegenüber der Tiroler Tageszeitung betonte Walch damals, „man stehe zum Inhalt“. Das mit dem Datenschutz sei halt, Zitat, „blöd gelaufen“. Nur deswegen wurde das Posting auch wieder gelöscht. Doch die Kritiker, so Walch, wollten nur vom „eigentlichen Skandal“ ablenken. 

Blöd gelaufen

„Blöd gelaufen“ also. Radikalisierte Erwachsene stellen Volksschulkinder im Internet bloß – das ist nicht „blöd gelaufen“, das ist ein ernstzunehmendes Symptom einer pathologischen Psychopathie, und in einer funktionierenden Demokratie eigentlich ein Rücktrittsgrund.

Die neunjährige DSGVO-Lernkurve nach oben verlief nicht ohne Rückfälle. 2023 verlas der damalige FPÖ-Klubobmann Johann Tschürtz im burgenländischen Landtag eine Liste von 21 ausländisch klingenden Kindernamen aus einer Wiener Neustädter Volksschule (z.B. „Vilimsky“ oder „Belakowitsch“, vermuten wir).

Dafür kassierte Tschürtz sogar eine Rüge der Bundes-FPÖ: Das werde ein „einmaliger Ausrutscher“ bleiben, stammelte der damalige FPÖ-Generalsekretär und Wiener Neustädter, Michael Schnedlitz, gegenüber dem Standard. Wieder blöd gelaufen. 

Gut, zur Verteidigung von Tschürtz muss man sagen: Der Name Tschürtz ist eine mittelhochdeutsche Ableitung des Begriffes „zwerc“, was so viel wie Zwerg bedeutet. Auch das haben wir nicht erfunden. Heute ist der geistige Zwerg immerhin 2. Landtagspräsident.

Brüssel ist stolz

Drei Jahre später veröffentlicht also wieder ein FPÖ-Politiker eine Liste mit Kindernamen. Diesmal allerdings professioneller, mit geschwärzten Nachnamen, ohne Adresse, ohne Lehrpersonal. DSGVO-konform. 

Trotzdem wurde das Posting mittlerweile gelöscht. Aber nicht von Walch in einem Anflug von Edelmut, sondern von Instagram, aus „rechtlichen Gründen“. 

Dass es sich um eine Deportationsliste handelt, würden Walch und seine FPÖ an dieser Stelle übrigens vehement abstreiten. Nur um dann wieder zwei Facebook-Postings weiter munter „Remigration“, also die massenhafte Deportation von ausländischen Menschen aus Österreich, zu trommeln.

So wie Walch im Begleittext zu seinem Posting: „(…) Dass wir in Innsbruck zur Minderheit in unserer eigenen Stadt werden, ist die Realität, wenn wir nicht endlich mit der Remigration beginnen.“

Remigration als Mittel gegen ausländische Namen in der Schulklasse. Also, das geht sich irgendwie nicht aus. Oder vielleicht denken wir einfach zu kompliziert.

Spätestens jetzt können Sie den Namen „Fabian Walch“ DSGVO-konform wieder aus Ihrem Gedächtnis löschen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass er Ihnen jemals wieder irgendwo unterkommt, ist äußerst gering. Möge der Edle in der Fremde sein Glück suchen und uns hiesige autochthone Österreicher bitte mit seiner Fremdheit hier in Ruhe lassen.

Dieser Artikel wurde Ihnen von einem Abonnenten geschenkt 🎁

Gefällt Ihnen die Tagespresse? Erhalten Sie neue Artikel per E-Mail.

Newsletter Artikelebene