Operationen verschoben: Wiener (34) bekommt Herz erst 2021 eingesetzt


Sebastian Kurz in Krankenbett
Depositphotos

Mit den Covid-Fällen steigt auch der Druck auf das Gesundheitssystem. Nicht lebensnotwendige Operationen werden bereits verschoben. Betroffen ist auch der 34-jährige Wiener Jus-Student Sebastian K. Er wartet bereits seit Jahren auf sein neues Herz, doch wegen Corona wurde er nun erneut vertröstet. 

WIEN – Für Patienten wie Sebastian K. heißt es weiter warten, denn seine für November geplante Operation im AKH Waldviertel wurde erneut verschoben. „Danke für die Frage. Wie Sie wissen, hab ich vor ein paar Jahren bei einem Unfall mein Herz verloren. Und Sie kennen mich, ich bin ein sehr menschlicher Mensch, da fehlt mir so ein Organ natürlich“, seufzt K. und zeigt Fotos aus dem Jahr 2015. „Irgendwo da muss es passiert sein“, erklärt er und fährt mit dem Finger auf der Landkarte eine Route quer über den Balkan nach.

Alles bereit

Die Situation ist ärgerlich, denn alles scheint bereit. Sogar ein Spender hat sich bereits gefunden – es ist sein guter Freund Gernot. „Soweit ich weiß, hat der durchschnittliche Mensch 100 Herzen, wieso sollte ich da nicht eines davon abgeben?“, lächelt Gernot sanft. „Ich will ja auch, dass der Sebastian wie ein ganz normaler Mensch 1.000.000 Jahre alt wird.“

Schlechte Prognose

Die Ärztin prüft die Werte des Patienten. „Lang macht er es nicht mehr“, sagt sie besorgt und zeigt auf die sinkenden Umfragewerte. K. gilt als Hochrisikopatient, sein Körper könnte das Organ noch am OP-Tisch mit offener Brust meterweit abstoßen. „Zum Glück haben wir einen so tollen Sozialstaat, da macht es nichts, wenn mal die gesetzliche Kostenobergrenze überschritten wird.“

In der echten Welt könnte K. nicht überleben. Seit Jahren kann er den Alltag nur durch lebenserhaltende Maschinen bewältigen, das belastende Material in seinem System muss einmal täglich geschreddert werden.

Aufmunternde Worte

„Ich hoff, es geht dem Sebastian bald besser“, sagt sein Zimmerkollege Wolfgang S., der als Novomatic-Pressesprecher im Parlament arbeitet. „Leider haben Sie auch meine OP verschoben, ich hätte neue Stimmbänder von einem argentinischen Brüllaffen bekommen“, schreit er enttäuscht.

An der Belastungsgrenze

Die Corona-Krise legt die Schwächen der medizinischen Infrastruktur schonungslos offen. „Ja, man muss sagen, die Zwei-Klassen-Medizin ist leider Realität“, seufzt K. resigniert. „Ich muss mir meine Ärztin trotz Zusatzversicherung mit vier Patienten teilen und alle zwei Wochen geht sie auch noch für ein paar Stunden schlafen. Wann reagiert dieser Anschober endlich und führt die Drei-Klassen-Medizin ein?“

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Ohne Geldtransfusionen von der Heidi und dem Stefan, wäre er schon lange in den ewigen Schwurbelgründen, der Prinz Eisenherz.

…“Soweit ich weiß, hat der durchschnittliche Mensch 100 Herzen, wieso sollte ich da nicht eines davon abgeben?“…🤣😂😂👌👌

Da sieht mans wieder wohin einem Selbstgerechtigkeit führt.

Zum Brüllen! 🤣👍

„… schreit er enttäuscht.“ – Great! 👌

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