Neujahrsvorsatz: Student will endlich ins Fitinn gehen, um Abo zu kündigen


Mann verlässt erleichtert das Fitnessstudio
linzwiki.at - Christian Wirth / depositphotos (M)

Seit Jahren zögert der Student Thomas Wachauer, doch jetzt gibt er sich einen Ruck: Heuer will er es endlich schaffen und die mentale Kraft aufbringen, ins Fitinn zu gehen. Dort möchte Thomas endlich sein seit 2015 laufendes Abo zu kündigen. Reicht seine Motivation aus, um den ehrgeizigen Neujahrsvorsatz zu erfüllen?

LINZ – „Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber auch ein kleiner Schritt für die Menschheit“, sagt Thomas. Mehrmals verliert er am Weg ins 50 Meter entfernte Fitinn die Motivation. Der Wind bläst mit Böen bis zu 8 km/h, aus der Bäckerei dringt süßer Kipferl-Duft. „Und das Spaziergehen hierher ist ja eh auch schon irgendwie Sport, oder?“ Doch er beißt die Zähne zusammen. „Muss… es… heuer… schaffen“, murmelt er, als das Studio bereits in Sichtweite ist.

Schließlich steigt er vorsichtig durch die Schiebetür. Sofort rast sein Puls. Schweiß schießt ihm aus den Poren. Schnaufend kämpft er sich Zentimeter für Zentimeter vor. Es ist allgemein bekannt: Die letzten Meter einer Abo-Kündigung im Fitnessstudio sind die Härtesten. 

Rückschlag

Kurz bevor er es zum Empfangsschalter geschafft hat, zuckt er zusammen und geht in die Knie. Ein Krampf im Unterschenkel! Fitnesstrainerin Catalina läuft zu ihm und beginnt, sein Bein zu stretchen. Thomas schreit, seine Augen füllen sich mit Tränen. „Will… nicht… trainieren… will… nur… kündigahhhhhhh!“ Zwei Minuten später hat er plötzlich einen unterschriebenen Zettel und eine volle Trinkflasche in der Hand. „Gratuliere zum Upgrade und dem Trink-Abo“, lächelt Catalina und läuft davon.

„Achso, Sie wollen kündigen? Kein Problem, warum sagen Sie das nicht gleich“, lächelt die Rezeptionistin Lena. „Sie müssen einfach hier unterschreiben, dann 30 mal 15 Wiederholungen an der Langhantel mit 200 Kilo schaffen und sich dann noch drei Stunden lang auf dem Flatscreen da drüben ein Video anschauen, wo ein langhaariger Sunnyboy-Schwede mit Red Bull Logo am Sixpack ein Seifenkistenrennen in Mexiko gewinnt.“

Gesagt, getan. Thomas stellt sich drei Stunden aufs Laufband. Danach blickt er ein letztes Mal in den riesigen Wandspiegel, reibt sich den Lockdown-Bauch, betrachtet seine fahle Haut, die durch die letzte Quarantäne ganz bleich ist. „Fitness-Center sind ein Relikt einer alten Zeit, als es noch Clubs und Freibäder gab. Aber für wen soll ich mich jetzt fit halten und schön sein? Außer den Mjam-Boten seh ich ja eh keinen mehr.“

Seine ursprüngliche Motivation, den Studentinnen auf seiner Uni gefallen zu wollen, hat seit Beginn des Distance Learnings stark nachgelassen: „Anfangs hab ich mich noch geduscht, bevor ich mich vor die Webcam gesetzt hab, heute roll ich kaum noch aus meinem nass geschwitzten Bett ehe ich den Laptop aufklapp und mir die Haare mit dem Fett aus der Pringelsdose vom Vorabend zsampick.“

Zukunftspläne

Das gesparte Geld will der studierte Langzeitstudent (14 Semester Internationale Entwicklung, 28 Monate Hacky-Sack im Votivpark) nun vernünftig reinvestieren: „So eine VR-Brille hat mich schon vor Urzeiten mal angelacht, vielleicht auch paar Drogen. Hauptsache ich kann der Realität ein bisserl entfliehen.“

Endlich geschafft. Thomas tritt aus dem Fitinn, atmet durch: Freiheit. „Kein Abozwang mehr, perfekt. Ich fühle neue Lebenskraft, neue Motivation. Ich glaube, es ist Zeit, jetzt etwas für meinen Körper zu tun.“ Er geht gegenüber ins McFit und schließt ein Abo ab.

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Oje. 😒 Jetzt starten wieder die mühsamen ca. 2 Wochen im Fitnessstudio, wo es ziemlich voll ist mit Leuten mit NEUJAHRSVORSÄTZEN. Gibt sich zum Glück bald wieder…dann ist wieder Platz an den Geräten

Ich finde es fies, dass die Tagespresse Details aus dem Leben meines Sohnes online stellt. Wie ist es da mit dem Datenschutz??

Als geringfügiger Mitarbeiter bei Fitinn darf ich nur anmerken, dass Thomas es auch einfacher haben hätte können – Kündigen tut man jetzt bei uns online :D Allerdings hält seine Kündigungsfrist sicher eh noch ein paar Monate, da darf er noch ein bisschen umsonst bezahlen.😇

Ich hab es doch tatsächlich vor Weihnachten geschafft, mein FitInn Abo zu kündigen. Zuerst war ich im Studio, wo sie mir dann gesagt haben, dass es online besser ist. Das zu finden ist aber auch nicht ganz leicht. Warum sollte es auch? Aber ich muss eh noch mal hin, hab endlich meine Zutrittskarte gefunden und will mir die 20€ Kaution zurückholen. Alles ganz easy. Aber leicht war es in der Tat nicht. Hat – solange es gedauert hat – doch Spaß gemacht. Aber dann neuer Job, neuer Arbeitsort, wo es nich mehr so leicht möglich ist, in der Früh vor… Mehr »

Es dauert aus verwaltungstechnischen Gründen natürlich auch bis zu 6 Monate bis seine Mail im Spamfilter gefunden wurde. (Auch der hat im Lockdown ordentlich zugelegt!)

Leider ist seine Frist damit verstrichen und er muss 2023 nochmals anmelden. Geht ganz easy vom 1.1. um 0:59 bis um 5:59. Da hat doch jeder locker Zeit !

Das ist der Grund, wieso ich mich erst gar nie in ein Fitness verirrt habe… bin eh schon verheiratet, wem soll ich jetzt noch gefallen 🤪😎

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