Natur erholt sich: Stau auf Tangente schon wieder fünf Kilometer lang


Stau
Karl Schöndorfer / picturedesk.com

Mit dem Rückgang der Covid-19-Fallzahlen kehrt auch die Natur zu ihrem ursprünglichen Zustand zurück. Beobachter der ASFINAG melden eine fast vollständige Erholung des Staus auf der Süd-Ost-Tangente. Die Autokolonne auf der Wiener Autobahn erreichte heute erstmals seit März wieder eine Länge von fünf Kilometern.

WIEN – „Schön, jetzt ist hier alles wieder wie früher“, freut sich ASFINAG-Förster Rainer Scheidle. Aus seinem Hochsitz beobachtet er seit zwei Stunden einen schwarzen SUV, der sich am Verteilerkreis langsam, Millimeter für Millimeter an seine Beute heranpirscht.

„Schon seit dem Morgengrauen liegt er auf der Lauer, gleich packt er den roten Fiat an der Stoßstange, drängt ihn ab. Natur kann manchmal auch brutal sein“, so Scheidler. Kurz darauf ist es so weit. Ein Mittelfinger wird aus dem Fenster gereckt, mit Tempo 7 kommt es zum Auffahrunfall. Ein Mercedesstern erleidet Totalschaden.

Noch keine Normalität

Trotzdem könnte es noch Monate dauern, bis wieder vollständige Normalität einkehrt. „Zur Hochsaison haben wir hier normalerweise 16 Kilometer Stau, das kannst bei schönem Wetter vom Semmering aus sehen. Und während der Brunftzeit grölt der tollwütige Ö3-Platzhirsch Robert Kratky alle zwei Minuten die aktuelle Uhrzeit aus den Autos, der Pannenstreifen ist zentimeterdick bedeckt mit Tschickstummeln, da tut sich was, da wurlt es hier vor Leben.“

Kettenreaktion

Mediziner sorgten sich während der Corona-Krise schon um die Autopopulation des Landes: „Das is wie mit die Bienen“, erzählt ÖAMTC-Arzt Vitus Hoffmann. „Das hängt alles zusammen. Wenn die Autos weg sind, dann bestäubt niemand mehr die Tankstellen, dann geht die Bifi-Produktion zurück, die Werkstätten sterben ab, die Tuning-Stores gehen ein, die Arbeitslosigkeit steigt, die Regierung zerbricht, die EU zerfällt, die Erdkurste zerbirst entzwei, das Universum kollabiert, die Schwarzen Löcher verpuffen, am Ende tritt sogar Bernhard Tilg zurück.“

Hoffnung

„Mir hat der Stau sehr gefehlt, i fühl mi endlich wieder lebendig und könnt alle umbringen“, lacht der Silberrücken-Pendler Helmut G., 56, und fährt dem Skoda Octavia vor ihm auf drei Millimeter auf. Er und die Lenkerin vor ihm schreien sich an, steigen aus und stoßen sich gegenseitig zu den Klängen von Mark Forster mit ihren Bäuchen über die Fahrbahn, bis einer über die Leitplanke fällt. „Sowas hab ich lang nicht mehr gesehen“, sagt der ASFINAG-Förster und kämpft mit den Tränen. Es sind Szenen, die Hoffnung machen auf eine bessere Zukunft.

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Eine euren besten Geschichten ever, nur ich lese keine begeisterten Kommentare, sind etwa sehr viele osttangentenbefahrer unter euren Fans?

Immer mit der Ruhe, die Begeisterungsstürme kommen schon noch. Derzeit stecken die Kommentatoren leider alle noch im Stau.

bin begeistert auch ihr Verdacht ist wohl angebracht

ist das jetzt “ koordiniert“ mit dem Postillon ? (….Natur erholt sich: Deutsche wieder auf Mallorca gesichtet)

Richtig beobachtet: erst ganz am Schluss tritt Bernhard Tilg zurück! 🤣🤣🤣

Danke, liebe Tagespresse! Ihr macht den Tag viiel fröhlicher!! 😘

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