Nächste Plage: Vierrädrige Motorscooter sorgen für tägliches Chaos in Wien


Sakawolke/Wikipedia, CC-BY-SA 4.0

Nach der jüngsten Invasion durch E-Scooter hat Wien nun mit einer weiteren Plage zu kämpfen: Vierrädrige, mehrsitzige Scooter mit Verbrennungsmotor. Die gemeinhin als „Auto“ bezeichneten Gefährte erfreuen sich höchster Beliebtheit und verstopfen mittlerweile täglich den Großteil des Stadtgebiets.

WIEN – Hunderttausende dieser Stahlkolosse nehmen mittlerweile immensen Raum in ganz Wien ein. Um die Fahrzeuge abzustellen, sind sogar eigene Parkstreifen auf den Straßen notwendig, die teils mehr Platz brauchen als Gehsteige.

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Faszination

Vor allem der Komfort macht die Faszination des neuen Fortbewegungsmittels aus. „Schau, da drüben liegen scho wieder drei E-Scooter am Gehsteig! A Wahnsinn, die nehmen so viel Platz weg. Ich bin froh, dass ich hier weggezogen bin“, erzählt uns die Angestellte Birgit F. (44) aus Mödling, die sich täglich mit hunderttausenden anderen Auto-Fans mehrere Stunden ganz entspannt zu ihrem Arbeitsplatz durch die Stadt staut.

Auch Anwalt Markus S. (53) möchte auf seinen Motorscooter nicht verzichten: „Wie soll ich ohne meinen Audi Q7 irgendwo hinkommen? Von meinem Haus in Hietzing zur nächsten U-Bahn-Station sind es 100 Meter, und die Bim kommt nur alle vier Minuten. Und der Wind draußen legt meine beginnende Halbglatze frei. Aber jetzt entschuldigen Sie mich, ich muss los, sonst komme ich am Weg zu den gerade mal drei lächerlichen Supermärkten um die Ecke da vorne noch in den Pendlerstau.“

Markus S. steigt aufs Gaspedal seines Audi, touchiert beim Abbiegen vier vollbärtige Grafikdesigner auf Lastenfahrrädern sowie mehrere Kinderwägen und parkt sich quer über drei Behindertenparkplätze vor einem Spar Gourmet ein.

Politik sieht Handlungsbedarf

Der Wiener Stadtregierung bereitet der Trend Kopfzerbrechen. Bürgermeister Michael Ludwig verspricht eine Reaktion: „Ich bin kein Freund von Schnellschüssen, aber hier ist rasches Handeln gefragt. So haben wir heute einstimmig beschlossen, dass wir diskutieren müssen, bis voraussichtlich 2050 eine Evaluierung durchzuführen, ob wir erwägen sollen, eine Task Force einzurichten, die die Einsetzung eines Arbeitskreises prüft, der sich darüber beraten wird, eine allfällige Diskussion mit allen Beteiligten zu initiieren, an deren Ende die Frage über das Für und Wider von möglichen Fahrverboten für Autos aufgeworfen wird“, zeigt er sich entschlossen.

Akuten Handlungsbedarf sieht auch die Opposition: Um dem Platzmangel für Autos entgegenzuwirken fordert FPÖ-Verkehrspöbler Toni Mahdalik, dass diese auch auf Radwegen, Gehsteigen, Kinderspielplätzen und in U-Bahn-Stationen gefahren werden dürfen. „Diese Flächen werden sonst ohnehin nur von linkslinken Baumkuschlern mit zu viel Tagesfreizeit genützt“, heißt es in seiner Aussendung, die mit dem Kürzel herr/en/me/nsch/en/fahr/enau/to abschließt.


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Johann

Genial!

CM78

Großartig auf den Punkt gebracht!

eva

Danke für diesen treffenden Artikel!

Schopenhauer

Es lebe der vom „Luxusmenschen“ verschuldete Klimawandel…

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