Licht ins Dunkel spezial: Nehammer bittet Pflegepersonal um Spenden für Konzerne


Nehammer am Spendentelefon
Christopher Dunker/BKA

Mit bis zu 9 Milliarden Euro – 1000 Euro pro Einwohner – greift die Regierung Konzernen unter die Arme. Doch das Geld reicht hinten und vorne nicht. In einer Spezialausgabe von Licht ins Dunkel setzt sich Kanzler Karl Nehammer nun persönlich an den Hörer. Er ruft direkt bei Pflegepersonal an, um noch mehr Geld einzuheimsen.

WIEN – „Ja hallo, hier Charly! Ist da jemand? Nein, ich ruf leider nicht an, um eine Lösung für den Pflegenotstand zu verkünden“, muss Nehammer bereits zum 67. Mal erklären. Er ruft gerade Heimhilfen und KrankenpflegerInnen an, um Geld zu sammeln für diejenigen, die es am wenigsten brauchen, aber am besten dafür lobbyieren.

„Haben Sie vielleicht schon von den notleidenden Molkereien gehört, die jetzt 50% mehr für Energie zahlen und deswegen 150% mehr für Butter verlangen müssen? Genau, die, ein tragisches Schicksal, der Chef weiß nicht, ob er überhaupt seinen zweiten Porsche behalten kann. Nein, das ist kein Scherzanruf. Hallo? Hallo? He? Sie können nicht auflegen, hier spricht der Bundeschkantschler!“

Schleppende Aktion

Der Grundwehrdiener neben ihm rutscht nervös auf seinem Sessel hin und her. Bisher wurden erst 12 Euro für notleidende Konzerne gesammelt, die unfähig sind, am freien Markt zu überleben und deren Verluste daher nun von der Allgemeiheit aufgefangen werden sollen. Doch dann wendet sich das Blatt endlich. 

„Mein Job gibt mir so viel“, erklärt die Krankenpflegerin Gerlinde aus dem Bezirk Lilienfeld. „Zum Beispiel Armut, Kreuzschmerzen, chronische Müdigkeit und schwere Depressionen. Da hab ich mir gedacht, ich geb der Gesellschaft auch einmal was zurück.“ Sie spendet 50 Euro für einen bedürftigen Energiekonzern aus Niederösterreich. Es ist ein bescheidener Betrag, aber die Geste zählt.

Nehammer rümpft die Nase. „50 Euro? Gibt’s überhaupt so kleine Geldscheine? Danke für nix, Charly over“, grummelt er ins Telefon, dann legt er auf. „Die Nummer könnt’s gleich von der Liste streichen!“

Domino-Effekt droht

Er braucht einen neuen Plan, ihm fehlen immer noch mehr als 400 Millionen für die Rettung der Superreichen. „Gelingt das nicht, bricht die Pelzmantel-Industrie ein, das löst einen Dominoeffekt aus, dann fällt auch die Champagnererzeugung, die Kaviarproduktion, das Fabios und das Steirereck sperren zu, der Untergang des Abendlandes quasi.“

Da beim Pflegepersonal wenig zu holen ist, versucht es Nehammer bei den Unis. „Hallo, Frau Rektorin? Wie geht es Ihnen? Sie meinen also, Sie haben so wenig Geld zum Heizen, dass Sie den Telefonhörer nicht halten können? Wie haben Sie dann überhaupt abgehoben? Schachmatt, Frau Professor, wer ist jetzt der Gscheitere von uns? Und jetzt her mit der Marie, sonst sperren wir euch euer Hogwarts gleich ganz zu!“

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13 Kommentare
  • Er könnte ja mal bei der WKSTA anrufen: dort kriegt er zwar sicher auch kein Geld, aber die bringen im nächsten Jahr sicher Licht ins türkise Dunkel.

  • Also wirklich, diese abgehobenen Pflegekräfte! Haben doch eine SPITZENZEIT nach der anderen im Job. Die reden doch selbst ständig davon das die Auslastung Spitze ist. Ausserdem bekommen sie ja soviel Anerkennung und Aplaus ! Das MUSS doch was wert sein! Grade eben haben wir die Covid-Krise hinter uns wo die einfach Krank gefeiert haben und einfach eine Abteilung nach der anderen Dichtgemacht wurde. Die können also wirkich mal kleiner Brötchen backen und – als kleine Anerkennung – das tägliche Sekt und Kavierfrühstück für Wirtschaftsbund, Industriellenvereinigung und die Bundesregierung bezahlen ! SOZIALBERUFE ! Also los ! Sozial sein und teilen !

    … absolute Satire, Danke an alle die in der Pflege arbeiten und sich diesen Kochenjob tagtäglich antun. So ausgelutscht es ist: Danke! Speziell an alle die die nächsten Feiertage dafür sorgen das das Gesundheitssystem nicht zusammebricht.

  • Jetzt, wo Rumänien dank Ö vom Schengenraum weiterhin ausgeschlossen bleibt, kommt den einheimischen Pflegekräften endlich jener Stellenwert zu, der ihnen gebührt. Mit dem Mehr-Gehalt aufgrund noch mehr notwendiger Überstunden (bei ca. 80 Stunden wöchentlich soll sage und schreibe ein + bis zu € 120 monatlich rauschauen – ich rede hier von netto!) kann auch das Pflegepersonal ein Schäuflein dazu beitragen, dass es auch künftig so sein wird wie es immer war.

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