Krankenstand: Simulieren ist eine Beleidigung Gottes – Gastkommentar von Kardinal Schönborn


GuentherZ / CC BY 3.0, Montage

Viel wird dieser Tage gesprochen über die Verschärfung der Krankenstandskontrollen. Ein wichtiges Thema. Auf der einen Seite stehen die berechtigten Ansprüche der Firmenchefs auf gesunde, fröhliche Mitarbeiter. Auf der anderen Seite der berechtigte Zorn über schwarze Schafe und Simulanten. Viele fragen sich nun selbstkritisch: Bin auch ich so ein schwarzes Schaf? Wie oft jammere ich über meine Wehwehchen? Geht es den Menschen in Dritte-Welt-Ländern wie Kongo oder Burgenland nicht viel schlechter als mir?

In der Bibel steht: Gebt dem Chef, was des Chefs ist. Die Bibel, das ist dieses dicke goldene Buch, in dem ich immer blättere, wenn ich nicht weiterweiß. In der Bibel finden wir etwa die Geschichte von Jesus. Jesus hätte allen Grund gehabt, in den Krankenstand zu gehen: Er hing am Kreuz, war schwer verletzt, praktisch tot. Aber Jesus hat sich zusammengerissen und ist einfach vom Kreuz herabgestiegen, um mit frischer Energie an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Bis heute führt er unsere Mutter Kirche, ein CEO der Liebe.

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Eine Sache der Einstellung

Positives Arbeitsethos begegnet uns an vielen Orten. Wir Priester haben es leicht, wir brauchen keinen Amtsarzt. Es ist Gott, der uns auf Schritt und Tritt beobachtet. Wenn wir blaumachen, um vom Krankenbett aus die WM zu verfolgen, dann gibt Er uns Saures. Unter sieben Plagen kommen wir da nicht weg! Denn auch der liebe Gott hat Rechte. Er hat uns die gesamte Schöpfung geschenkt, vollkommen gratis. Da kann man ruhig dankbar sein.

Vergessen wir nicht: Krankheit ist immer Auslegungssache. Ein Schnupfen, eine Grippe, eine verschleppte Homosexualität – für viele Menschen ein Grund, krankzufeiern und den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen. Für andere Ansporn, noch besser zu werden. Hier braucht es ein kluges Abwägen, ein Für und Wider, oder wie wir Christen sagen: Yin und Yang.

An Gottes Segen ist alles gelegen. An uns Menschen aber liegt es, die Wirtschaft nach vorne zu bringen. Auch ich sage darum heute „Danke“: Danke an meinen Arbeitgeber, Frau Eva Dichand. Deus Gratisblatt!

Christoph Schönborn ist Kolumnist und lebt in Wien. In seiner Freizeit engagiert er sich bei der Kirche als Kardinal.

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Jules

Selten so gelacht, einfach super!

Peter Hofmueller

Herrlich……

Karl

Der Kardinal ist einer der letzten großen Gelehrten unserer Zeit. Dieser Beitrag hat mir die Augen geöffnet. Ich habe noch nie etwas so Schönes, Brüderliches und Friedensstiftendes gelesen. Vielen lieben Dank, Herr Erzbischof Schönborn OP!

brillenglaeserscheibenwischer

…der zweite artikel, bei dem ich echt froh bin, abonnent geworden zu sein!

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