Keine Handys, keine E-Mails, keine Festplatten: ÖVP tritt den Amish bei


Sebastian Kurz als Amish

Sie pflegen ein Weltbild aus dem 19. Jahrhundert und haben seit kurzem weder Handys, noch Computer. Die obskure Glaubensgemeinschaft „ÖVP“ verzichtet auf die Annehmlichkeiten des modernen Lebens. Jetzt tritt die Partei geschlossen den Amish bei. 

WIEN / PENNSYLVANIA – 5 Uhr früh, Lichtenfelsgasse. In der ÖVP-Zentrale weckt der Hahn die Parteimitglieder. Die bäuerliche Arbeit wartet: Der Steuerzahler muss gemolken werden, Spender warten hungrig darauf, angefüttert zu werden, und bei Schönwetter müssen die Felder mit Signa-Wohntürmen bestellt werden.

„Wir legen unser Schicksal in die Hände Gottes und unsere Handys in die Hände der Staatsanwaltschaft“, erklärt Sebastian, der spirituelle Anführer. Er streicht über seinen Ein-Stunden-Bart und wirkt angekommen. Seit Jahrzehnten denkt die ÖVP wie vor 200 Jahren. Nach den jüngsten Hausdurchsuchungen lebt sie auch so.

Keine modernen Medien

Nach der Landarbeit wartet die heilige Messe. Jung und alt strömen in die Kirche, um Guru Sebastian dabei zu lauschen, wie er von der Kanzel aus dem Kurier liest.

Der junge Bauer Gernot wirkt voller Tatendrang. „So, dann beladen wir mal die Kutsche“, lacht er und zieht den Strohhut. „Wir verkaufen drüben am Bauernmarkt immer Käse, Milch und Gesetze.“ Er selbst kann heute leider nicht mitfahren, da er einen wichtigen Termin hat. „Ich geh gleich noch ein bisschen Heuballen pumpen, für die Figur“, erklärt er und zeigt auf einen Stadl mit der Aufschrift „John Harris der Täufer Fitnesszentrum“.

Viele gefährliche Erfindungen wie Elektrizität, Internet oder die Unabhängigkeit der Justiz werden von den ÖVP-Amish abgelehnt. In der Gemeinschaft führt der Messerschleifer Karl Nehammer ein strenges Regime. „Bei uns ticken die Sonnenuhren anders. Wer sich nicht integriert, der fliegt. Also nicht wirklich, fliegen ist ja verboten. Die Kutsche lädt ihn hinter der Grenze ab“, warnt er, während er einen Baum mit der Feile fällt, da eine Flex verboten ist.

Innovation

Doch wie lange kann eine Partei ohne moderne Kommunikationsmittel auskommen? Dorfgreisler und Dorf-Keynote-Speaker Harald Mahrer arbeitet bereits an einem Schlau-Fon, ein Smartphone, das im Einklang mit den religiösen Lehren steht. „Strom ist tabu, aber Pneumatik und Hydraulik sind erlaubt“, erzählt Mahrer. Dann schließt er eine Pumpe und ein Zahnrad an den Schwanz eines Esels an und startet das Schlau-Fon Österreich. „I und A kann er schon, jetzt fehlen nur noch 24 Buchstaben.“

Kritik

Die nach außen hin gelebte Idylle trügt jedoch, denn Soziologen wie Dr. Markus Hennerfeind sehen die Gemeinschaft kritisch: „Vor allem das Frauenbild ist veraltet. Erst letztens hatte ich Kontakt mit Schwester Aschbacher, die durfte nicht einmal studieren.“ Die hygienischen Zustände sind teilweise verheerend: „Hier wäscht nur eine Hand die andere.“

Rumspringa

So asketisch das Leben der Erwachsenen ist, für die Teenager gibt es zumindest eine Periode in ihrem Leben, wo sie die sprichwörtliche Sau rauslassen dürfen. Mit dem Erreichen des 16. Lebensjahres dürfen JVP-Mitglieder einige Jahre lang „rumspringa“ – also die süßen Verlockungen des modernen Lebens auskosten. Dann kommt es schon einmal vor, dass ein Mitglied in Alpbach an einem Glas Robby Bubble nippt, mit der Wiener U-Bahn fährt oder sogar seine Unschuldsvermutung verliert.

Doch spätestens, wenn sie einen Platz auf der Bundesliste wollen, müssen sich die Mitglieder fromm unterordnen. In einem religiösen Ritual müssen sie ihren modernen Ansichten per eidesstattlicher Erklärung entsagen und ihr Handy bei der WKStA abgeben. Erst dann werden sie ein vollwertiges Mitglied der neuen, alten ÖVP.

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Einmaliger Beitrag!
Das muss einem erst einmal einfallen.
Bravo!

jetzt 100 +

jetzt 1+, lieber Basti!!!
hdl
(und bitte überweis mir die 5 Euro noch!!)

Und eingekauft wird im „Lagerhaus Österreich“

bitte ich möchte dringend ein „Schlau-Fon“,
damit’s mich nimmer aufbrezelt bei der WKStA

Nicht nur im Kreuzgibelhaus, sondern auch im Kaufhaus Österreich, aber natürlich nur dann, wenn man überhaupt etwas findet.

was brauchens denn, ausser Socken und Spitzhacken?

Bearbeitet von klobert

Gummistiefel

Vielen Dank für diesen Insiderbericht aus dem Zentrum der Türkisen. Aber, was daran ist jetzt Satire?

Ist schon bei meinen Favoriten. Ich hoffe, die Favoriten werden im naechsten Sammelband beruecksichtigt!

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