Kann sich Namen nicht mehr merken: Kogler nennt alle neuen Minister einfach „Chef“


Kogler kratzt sich am Kopf
HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com

Nehammer, Kramer, Brunner: Werner Kogler fällt es schwer, bei den Personalentscheidungen der ÖVP laufend up-to-date zu bleiben. Seine neue Kommunikationsstrategie: Ausnahmslos alle werden fortan einfach nur mehr „Chef“ genannt.

WIEN – Werner Kogler sitzt in seinem Büro auf einem Gymnastikball und ext eine Flasche Kernöl. „Ich treff mich gleich mit dem Chef, wer auch immer das heute ist. Wir haben ein super Verhältnis zueinander. Es passt einfach. Dafür braucht’s uns Grüne einfach, wir sorgen für Stabilität“, sagt er, verliert das Gleichgewicht und fällt vom Sitzball. Als Karl Nehammer den Raum betritt, liegt Kogler immer noch am Boden.

„Am Einsatzort eingetroffen“, schreit Nehammer. „Servas Chef. Wie geht’s? Bist eh noch dabei, oder? Gibt’s was zu tun?“ Kogler salutiert im Liegen. „Status 5, vermelde Sprechwunsch“, schreit Nehammer. „Alles positiv im KA. Wieder einsatzbereit!“

Kogler macht Smalltalk: „Wo kommst du gerade her, Chef?“ „Ich komme aus der Zukunft, ich muss Sarah Connor töten“, antwortet Nehammer monoton und setzt sich eine Sonnenbrille auf. Kogler nickt und lächelt, ohne zu wissen, was Nehammer gesagt hat, und hofft, dass es keine Frage war.

Viele verschwunden

Seit letzter Woche sind viele vertraute Gesichter verschwunden. „Wo ist der ganz lange Chef? Und wo der dumme Chef? Und was ist mit dem Ohrwaschl-Chef, den hab ich überhaupt seit Oktober nicht mehr gesehen. Schauen di jetzt alle die Erdäpfl vo untn an?“ Kogler schüttelt den Kopf. Doch nach zwei Jahren Koalition mit der ÖVP hat er gelernt, dass es besser ist, keine Fragen zu stellen.

„Unter uns, ich lern die Namen der Neuen gar nicht mehr auswendig, die sind eh wieder weg in drei Tagen“, erzählt er. „Ist ja auch wurscht, wer Nein sagt. Ich bin ja nur ein kleiner Angestellter, die Chefs haben immer recht. Geht’s den Chefs gut, geht’s uns allen gut!“

Ankunft der Neuen

Als Karner, Brunner und Polaschek das Zimmer betreten, erhebt sich Kogler sofort: „Die Chefs sind da! Grüß Gott!“ Er verbeugt sich und hebt sein Haupt erst wieder, als die anderen Platz genommen haben. „Ein freundliches Heil Dollfuß in die Runde“, sagt Karner. 

Karner lehnt sich zu Kogler, kneift die Augen angriffslustig zusammen und zischt: „Und?“ „Was und?“ „Heute schon die Befehle empfangen von den Herren aus Amerika und Israel? Schon ein paar Brunnen vergiftet? Schon einen unschuldigen österreichischen Parkplatz an die Ostküste verscherbelt?“ Karner lächelt kritisch einordnend und nicht antisemitisch, zückt eine Eintrittskarte für das Dollfuß-Museum in Texingtal und steckt sie in Koglers Sakkotasche. Kogler nickt. „Ja Chef, hab ich Chef, danke Chef, was auch immer Chef will!“

Kogler schaut auf die Uhr und freut sich auf den Feierabend. Im Gehen murmelt er Karner zu: „Bis morgen… also falls du dann noch Minister bist.“

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„Bis morgen… also falls du dann noch Minister bist.“

Welcher war jetzt schnell „der dumme Chef“?

Alle!

Mich wundert, dass Tanner noch immer Ministerin ist!

Der Bauernbund braucht einen Ministerposten, egal welchen.

…der frühdemente Koffer Blüml

Der bewährte Werkzeugkoffer wie er sich selbst ausdrückte, bevor er irrtümlich von einer Kalash-Garbe niedergemäht wurde. Und wieder ein junger Döblinger der ohne Vater aufwachsen muss, das sind die Opfer des Austrofaschismus.

Aschbacher, Raab, Köstinger, Tanner, Blümel, Wöginger, Hanger, Fleischmann, Frischmann, Bonelli, Platter, Haslauer? Oder etwa Kurz?

Haslauer ist es, der erzählt immer die Witze wo alle lachen. Das ist „das“ Zeichen, wer der Chef ist.

Die Nicht-(Ex-)Minister müssma leider aus der Liste streichen. Und die Kaufhausministerin Schramböck dazu geben.

Sorry, ich habe auch Stelzer vergessen.

Wird wohl der Vergessliche mit den Nullen gemeint sein…

Ich glaub das war die Pauschalanrede ?

Bearbeitet von Jedimaster

„Ich komme aus der Zukunft, ich muss Sarah Connor töten“ Genial 😂😂

Ich hätte eher auf Sarah Wagenknecht getippt….bin aber nicht bei der TP.

Das ist Poesie.
Und by the way nur Charles Nehammer kann den Task erfüllen.

Wundert mich das es hier nicht die PRW oder da Herrpferd oder BMR geworden ist. Andererseits man will den Herrn Kanzler ja nicht jetzt schon als Helden hinstellen weil er die Pferdekriese gemeistert hat.

Nicht einmal ihn lediglich „Türkiser“ oder „Schwarzer“ zu nennen wäre eine Lösung. Vielleicht stimmt ja beides schon nicht mehr. Wahrlich verwirrende Zeiten …

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