Interview erst der Anfang: Taliban-Sprecher bekommt in der Krone eigene Tierkolumne


Krone Tierecke mit Taliban-Sprecher als Autor
Krone (M)

Das Interview der Kronen Zeitung mit Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid war für die österreichische Propaganda-Postille ein voller Erfolg. Nun soll Mujahid sogar regelmäßig für die Krone berichten: Der mordende Terrorfürst bekommt seine eigene, süße Tierkolumne.

WIEN – Erster Arbeitstag in der Muthgasse. Mujahid geht nervös durch die Sicherheitskontrolle. Er wird mit der Kalaschnikow in der Hand durchgewunken. Hinter ihm muss sich ein Praktikant, bei dem ein Falter gefunden wird, nackt ausziehen und auf den Boden legen. Verdacht: Linksradikale Homosexualität! Der Praktikant wird von der Polizei, die für kurze Dienstwege eine Station im Krone-Gebäude hat, abgeführt. 

Interne Kritik

Der neue Mitarbeiter aus Kabul trifft aber auch auf interne Kritiker. „Seine Ansichten zu die Weiber und die Grünen find i jo eh pippifein, chapeau“, erklärt Krone-Kolumnist und Hausmeister Michael Jeannée. „Oba, dass der Hund nix sauft, des pack i gar ned, da werd i eam no einschulen, haha.“

Jeannée nimmt auf der Heurigenbank vor seinem Schreibtisch Platz. „Setz di her, samma mehr, Zeit für ein kleines Frühstück“, ruft er Zabihullah zu. „Wer alt genug zum Töten ist, ist alt genug zum Saufen. Ex oder Oaschloch“, lacht er und stellt ihm ein Krügerl Zirbenschnaps hin.

Der schüchterne Taliban nimmt das Glas und schaut wie hypnotisiert auf Jeannées Bildschirm, wo der Meister die ersten Worte der Kolumne erscheinen lässt. „Allerliebster Sebastian Kurz, Schatzi, ich habe heute wieder von dir feucht-geträumt… von deiner Stimme, deiner Aura, deinem Atem… Bitte setze deinen Kurs fort und liquidiere – ja das wird man ja wohl noch sagen dürfen – töte unsere… Feinde. Töte sie alle! Wir wollen die totale Umfärbung… noch totaler, als wir sie uns überhaupt vorstellen können!“ Mujahid räuspert sich: „Herr Jeannée, ist dieser Tonfall nicht etwas radikal?“

Chefetage zufrieden

Krone-Herausgeber Christoph Dichand begrüßt den Neuzugang: „Er passt zu unserer neuen Linie. Seit dem Weggang von Richard Schmitt wollen wir uns ja politisch gemäßigter geben.“

Die mediale Aufregung und den Vorwurf, man würde Terroristen eine Bühne geben, versteht Dichand nicht: „Was heißt da bitte Terrornähe? Es ist ja nicht so, dass wir eine Homestory mit Alma Zadic machen.“

Mujahid habe sich schon gut integriert. Der Taliban lächelt verlegen hinter seinem Sprengstoffgürtel hervor, während er seine erste Kolumne tippt: „Sitz, Platz, koch: So domestizieren Sie Ihre Frau.“ Eine Krone-Redakteurin sitzt neben ihm und lacht herzhaft: „Hi hi hi, sehr lustig, super humorvoll. I bin die Verena!“

Inspiration

Kurz vor Redaktionsschluss schaut gegen 22 Uhr wie immer ÖVP-Caporegime Gerald Fleischmann vorbei, um die Titelstory für den morgigen Tag zu bringen. Fleischmann mustert Mujahid: „Geh ma noch auf ein Bier? Du musst mir erzählen, wie ihr das mit den bewaffneten Schergen neben dem Nachrichtenmoderator gemacht habts. Das brauch ma auch für die ZIB 2.“

Doch Mujahid hat keine Zeit. „Ich muss um Mitternacht das letzte Kamel nach Kabul erwischen, ich habe morgen früh einen wichtigen Termin, Frühstück bei mir mit Claudia Stöckl.“ Dann wird Mujahid der Ö3-Moderatorin bei einer Tasse Tee, einer Schale Reis und einer Steinigung alles über sein intimstes Privatleben mit seinen beiden 13-jährigen Ehefrauen erzählen.

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Ist an den Gerüchten was dran, dass diese Kooperation vertieft werden soll?
Abwurf der Kronenzeitung über dem Land- steigert die Auflage und bringt den Leuten dort Brennwert.

Was heißt Brennwert? Auch die müssen dort aufs Klo. Dann kann man’s immer noch verbrennen…oder lesen, die Unterschiede des Inhalts vorher ggü. dem nachher werden marginal sein.

Bearbeitet von HAL-9000

Gut begonnen, aber dann stark nachgelassen. Taliban haben mit Sprengstoffgürtel nichts zu tun. Und als sie von den USA als Kämpfer gegen die Russen ausgebildet und bewaffnet wurden, nannte man sie noch Freiheitskämpfer.
Genau wie Saddam Hussein. Von den USA und Israel gepusht und finanziert, damit er den Iran angreift. Als er dann Kuwait angriff, war er plötzlich ein Terrorist.

Ja, Volker Pispers kennt sich mit Geschichte aus, gut nachgesprochen.

Vor dem letzten Satz verneige ich mich. Der unterstreicht doppelt rot die Harmlosigkeit der Taliban und zeichnet deren sowohl wahres als auch warmes Wesen in einer emotional angemessenen Weise nach, die mich ruhig schlafen lässt. Niemand braucht Angst haben. Eins meiner Kinder ist 13.

Nur hat das nichts mit den Taliban zu tun. Die waren und sind nicht für Kinderwagen bekannt, ganz im Gegenteil zur „normalen Bevölkerung“. Auch waren unter den Taliban die Bacha Bazi, also die (sexuelle) Beziehung zu minderjährigen Knaben, verboten.
Nein, sie Taliban sind nicht die besten Menschen. Aber man muss ihnen nicht die Dinge unterstellen, die großteils oder nur andere tun.

Kinderehen statt Kinderwagen natürlich

Taliban in der Krone, was ist daran so schlimm?
Kickl im ORF, das ist wirklicher Extremismus!

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