Hasst Klimaschutz noch mehr als Klimt: FPÖ verteidigt zum ersten Mal Kunst


Aktivisten beschmieren Klimtgemälde, daneben Kickl
Wikimedia / C.Stadler/Bwag

Nachdem eine Glasscheibe in einem Museum ein paar Farbspritzer abbekommen hat, steht das politische Leben in Österreich Kopf: Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik setzt sich die FPÖ für den Schutz von Kunst ein. Ein noch nie dagewesener nationaler Schulterschluss eint das Land.

WIEN – Nach der „hinterlistigen Terrorattacke radikal-irrslamistischer Klima-Terroristen gegen eine unschuldige Glasscheibe“ (Zitat: Kronen Zeitung) rollt eine Welle der Solidarität durch Österreich. Tausende Kornblumenkränze liegen heute vor dem Leopold-Museum, wo sich gestern die unfassbare Attacke abgespielt hat. 

„Je suis Glasscheibe vom Hornbach um 79 Euro“, bekennt auch FPÖ-Chef Herbert Kickl nach einer Schweigeminute. Mehrere Identitäre stehen mit einer Flasche „Meister Proper White Power“ bereit, um das österreichische Kulturgut persönlich zu retten. Bei einem Lokalaugenschein im Leopold Museum macht sich der Parteichef selbst ein Bild von der angerichteten Zerstörung.

„Das ist ja völlig verunstaltet, das hat doch mit Kunst nichts mehr zu tun, das ist ja durch und durch entartet, das kann man so nicht hängen lassen, das gehört sofort gereinigt… einfach nur widerlich“, seufzt Kickl. „Mein Parteiführer, das ist ein völlig unversehrtes Kokoschka-Gemälde, das angeschüttete Klimt-Bild ist da drüben“, flüstert ihm ein Mitarbeiter zu. 

Dann läutet sein Handy. „Hier Kickl! Ja? Aha… ja… Super, danke für den Anruf! Also, sehr geehrte Damen und Herren, ich habe soeben gute Nachrichten aus dem Spital erhalten, der Parkett wird überleben.“ Applaus brandet auf, Exxpress-Chefredakteur Richard Schmitt wischt sich Tränen aus dem Gesicht. Heute hat der Terrorismus nicht gewonnen.

Klimt vor Klima

Der berührende Einsatz rechter Parteien stimmt die Klimaforschung hoffnungsvoll. „Österreich geht hier einen Sonderweg: Klimaaktivisten bekämpfen statt SUVs. Im Jahr 2100 ist Österreich dann eine ausgestorbene Wüste, aber dafür stehen überall wirklich toll erhaltene Gemälde von Klimt und Dürer herum, die wertvollen Schatten gegen die 60-Grad-Hitze spenden“, freut sich Forscher Klaus Kontschieder.

„Und wenn alle Tiere in Österreich ausgestorben sind, kostet das Schnitzel auch fast nix mehr, weil es ist dann nicht mehr vom Schwein, sondern vom Stein.“ Kontschieder schaut optimistisch in die Zukunft: „Momentan beobachten wir rund 25 Löcher in der Ozonschicht, wenn wir aber so weitermachen, dann gibt es bald nur noch eines.“

Unklare Konsequenzen

In der FPÖ ist man sich uneins, wie man auf die heimtückischen Attacken der „Klima-Bin-Ladens“ (Zitat: oe24) reagieren soll. „Wir könnten die Klima-Greta mit Orangutanblut beschütten“, meldet sich ein Hinterbänkler. „Oder eine simple Kunstverbrennung am Rathausplatz, dann sind die Gemälde sicher vor der Zerstörungswut der Öko-Anarchisten“, erklärt ein anderer. Kickl nickt, die Idee gefällt ihm. 

„Klimtrettung statt Klimarettung“, so lautet auch eine neue Forderung der ÖVP. Bis 2025 will Österreich mehr als 13 Milliarden in den Ausbau von Glasscheiben setzen. Das Geld stammt aus dem Topf der geplanten Windräder, die in Tirol nun doch nicht gebaut werden, da sie den Ausblick von einer Gondel zur nächsten verschandeln würden.

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35 Kommentare
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„Klimaaktivisten bekämpfen statt SUVs.“
Die sind aber auch viel leichter zu erwischen – kleben ja meistens schon irgendwo…

Die meisten Deppen können unter Heizschwammerln erwischt werden.

Wieder mal genial! So viele Themen in EINEM Artikel 👌

Kann die Aktivist:innen nur zu gut verstehen. Recht haben sie. Es muss sich was ändern und zwar flott. Tempo 100 wär schon mal ein Anfang. Autofreie Sonntage. Mehr erschwingliche, vegane Angebote usw.
Hater in 3, 2 1

Das bringt alles nix, solange die LKWs über die Strassen donnern. Güter gehören auf die Schiene und dafür muss in die Bahn investiert werden und die LKWs kontrolliert werden. Jeden Tag sehe ich LKWs, die sicher nicht der Strassenverkehrsordung entsprechen und LKWs die in Sclangenlinien über die Autobahn brettern. Kontrolliert wird nie.

Also so lange nicht alles andere perfekt ist tu ich gar nix.
Wenn alle so denken, bringt es tatsächlich nichts.

Change geht immer von der Breite der Gesellschaft aus – weder von Missionaren, noch von strikten Gegnern. Ihre Einstellung zählt letztlich, und ob die sich durch Aktivismus zum Handeln aktivieren lassen, steht zur Diskussion. Insofern wird gesamthaft nicht viel erreicht durch derartige Aktionen… Und wo führt das noch hin? Zerstörung von Autos, Abfackeln von Tankstellen, Geiselnahmen, …

Der Zusammenbruch der SED-Herrschaft in der DDR ging von etwa 4 % der Bevölkerung aus.

Genau, der Change kommt von der ÖVP. So geht Satire 😂😂😂

Tempo 100 darf jeder von sich aus fahren, der Treibstoff sparen möchte, dazu braucht’s keine Vorschrift! Und nur zur Klarstellung: Ich bin kein Freund von „freie Fahrt für freie Bürger“ oder so…Ich fahre elektrisch und stelle den Tempomat meist auf 110 km/h ein – das ist aus meiner Erfahrung ein guter Kompromiss zwischen Verbrauch und Fahrtdauer.

Es konnte auch jeder freiwelillig einen Gurt anlegen, einen Helm am Motorrad aufsetzen oder im Freien rauchen. Besser klappt es aber seit der klaren Regeln.

Was heißt da Hater!? Ich liebe veganes Beuschel!

Aha, verstehe!! Die Sau hat Gras geraucht, und jetzt ist das Beuschel vegan🤣

Recht haben Sie …aber ihre Forderungen sind unzureichend. Also hier mein Forderungskatalog: Tempo 70 auf Autobahnen, Tempo 50 auf Landstraßen, Tempo Null in Städten, alle Nutztiere weg ( wer braucht schon Milch und deren Produkte), Anhebung des Mindestlohnes auf 8000 Euro (damit sich jeder aber auch wirklich alles leisten kann), etc etc ….sark off Vegane in 3, 2, 1 ….

Sehr gute Ansätze. 8000 Euro ist etwas übertrieben aber sonst alles ok. Gut, wenn die Förderungen für Fleisch und co wegfallen, dann geht sich das vielleicht aus. mit den 8000.

mehr vegane Autos

das sehe ich auch so

Ändert sich irgendetwas wenn man Kunstwerke beschmutzt?
Wird man jetzt langsamer Autofahren?
Oder doch nur langsamer in ein Museum hineinkommen?

Bearbeitet von Dubito ergo Sum

Stimmt dir zu, aber es sollen auch die Industrien zur Rechenschaft gezogen werden und zu Maßnahmen gezwungen werden.

Das kommt heraus, wenn man nur auf die einen Blechtrotteln und ihren zusammengeschusterten Modellen hört. Andere Blechtrotteln haben gegenteilige zusammengeschusterte Modelle.

Dass der Klimawandel existiert und durch uns Menschen verursacht wird, darüber sind sich über 90 Prozent der Wissenschaftler einig.
Aber, dass der Klimawandel nicht durch das Überschütten von Kunstwerken gestoppt werden kann, darüber herrscht vermutlich absolute Übereinstimmung.

Zumindest kann der Klimawandel dadurch nicht unmittelbar gestoppt werden. Aber es ist ein Signal gegen den Kommerz, der letztlich auch die Kunst bedroht.

Für die Arbeit die nahezu zu 100% beweist, dass der Klimawandel durch fossile Verbrennung durch den Menschen verursacht wurde, erhielt Klaus Hasselmann letztes Jahr den Nobelpreis.

https://www.mpg.de/17660692/klaus-hasselmann-nobelpreis

Nur weil Kickl dagegen ist, bin ich jetzt aber auch nicht dafür……

Genial! Welches andere Museum kann denn mit einem „Klimtnitsch“ aufwarten?

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