Gut gerüstet: Österreichs Verteidigungsplan im Falle einer russischen Invasion


Nehammer und Tanner mit Soldaten
Hans Punz / APA / picturedesk.com

Der Krieg gehört in Europa keineswegs der Vergangenheit an, wie aktuelle Ereignisse in der Ukraine oder der SPÖ zeigen. Auch in Österreich gibt es bereits Pläne, wie im Falle einer russischen Invasion vorzugehen ist. Die Tagespresse zeigt, wie wir uns wehren.

Stunde Null. Die russische Kriegserklärung trifft ein, doch Österreich setzt auf Verzögerung. Die Beamten der MA35 legen ihre Kugelschreiber nieder und bearbeiten die Kriegserklärung wochenlang nicht. Erste russische Soldaten schlittern ins Burnout. Als Putin persönlich auftaucht, wird er von der renitenten Beamtin Hertha als „Tschusch“ beschimpft und gleich wieder nach Moskau zurückgeschickt. Grund: Er hat einen aktuellen Grundbuchauszug sowie eine zweite Passkopie vergessen – Kriegserklärung abgelehnt!

Die Sirenen heulen. Jetzt muss alles ganz schnell gehen, die Infrastruktur wird geschützt: Die für den Staat überlebensnotwendigste Technikausrüstung wird von Gernot Blümels Frau in einem kugelsicheren Kinderwagen in Sicherheit gebracht.

Um das Internet in Österreich am Laufen zu halten, aktivieren Harald Mahrer und Margarete Schramböck „Starlink Österreich“: Drei Walkie Talkies werden am Sendemast am Kahlenberg mit einem Zwirn angebunden. Magenta ist schon seit Tagen down, auch ohne Angriff der Russen. Der weißrussische Provider A1 sendet ausschließlich kremltreue Kriegspropaganda. Glück im Unglück: Kein Mensch hat mehr A1!

Auch in Westösterreich herrscht Panik. Das Jagdkommando und die sogenannte „Adlerrunde“, eine berüchtigte, von Oligarchen finanzierte Söldnergruppe, schützen kritische Infrastruktur wie Skilifte oder Gondeln. Man verschanzt sich in Gräben und Kitzlöchern. Die Versorgung der Zivilbevölkerung ist dank zahlreicher illegaler Teigtascherlfabriken sichergestellt.

Gecko-Generalmajor Rudolf Striedinger wechselt von einem hellgrünen auf einen dunkelgrünen Flecktarn, um der Bevölkerung zu signalisieren, wie ernst die Lage ist. Es sind TV-Bilder, die eine ganze Nation wachrütteln, die verstören, die sich für immer ins kollektive Bewusstsein einbrennen.

Vizekanzler Werner Kogler zieht sich in seinen Luftschutzbunker im Mäci Karlsplatz zurück, wo er von 20 einsatzbereiten Chicken McNuggets empfangen wird. Um die Amtsgeschäfte als Sportminister auch im Bunker wahrnehmen zu können, schließt er ein DAZN-Abo ab.

Schutzmaßnahmen

Jetzt geht es darum, Staatsgeheimnisse zu schützen. Im Bundeskanzleramt werden mehrere Festplatten mit Files wie „ÖVP_Wahlkampfausgaben_2017_legal“, „Inseratenverteilung_clean“ oder „Karmasin-Ideen_final_sehr legal“ dreimal geschreddert, damit sie nicht in die Hände des Feindes (Falter-Redaktion) gelangen.  

Wien aktiviert seine Miliz: Alle Kampfhunde zwischen 18 und 60 Jahren dürfen die Hundezonen nicht verlassen. In Wien werden Sackerl fürs Gackerl vermint, auf der Westautobahn drängeln 50-jährige Welser Familienväter namens Günther die russischen Panzer mit ihrem BMW X7 von der Straße.

Die Propaganda-Maschine wird hochfahren: Ausländische Sender wie das russische Servus TV oder das Kreml-treue Magazin Pragmaticus werden verboten. Der ORF strahlt patriotisches Programm aus wie etwa „Vier Frauen und eine Million russische Todesfälle“, „Warmania“, „Die Vorstadtsniper“ oder der „Atomwaffenforscher-Express“. Sicherheitsexperte Helmi sabotiert die schlecht gewarteten Reifen russischer Fahrzeuge, was zu mehreren durchaus brenzligen Situationen im Straßenverkehr führt. 

Blutiger Zwischenfall: Überläufer-Alarm! Die Corona-Demo in der Wiener Innenstadt schließt sich den russischen Truppen an. Da sie mit niederösterreichischen Fahnen auf die russischen Soldaten zulaufen, werden sie mit Ukrainern verwechselt und angeschossen. Doch wie durch ein Wunder können ihnen die Kugeln nichts anhaben, weil sie ein Immunsystem haben. Die blutenden Wunden sind lediglich „Erstverschlechterungen“, die dutzenden Toten wären außerdem auch ohne Schusswunde an ganz natürlichen Ursachen gestorben wie etwa Corona. 

Die UNO-Vollversammlung wird abgesagt, denn eine wichtigere Tagung steht am Programm: Die Landeshauptleutekonferenz. Die neun mächtigen Stammesfürsten und der Bund sind sich uneinig über die Verteilung der Kompetenzen. Sie beschließen die Einrichtung einer Sonderkommission. Die Sonderkommission delegiert die Aufgabe an eine Arbeitsgruppe, die wiederum die Landeshauptleute und den Bund beauftragt. „Mehr Bürokratie wagen“, heißt der österreichische Kampfslogan. Der Plan: Zermürbung durch Ermüdung. „Wenn Putin erstmal mit Mikl-Leitner und Doskozil verhandeln muss, wird er bald kapitulieren.“

Gegenangriff

Österreich geht zum Gegenangriff über und aktiviert seine Luftwaffe. Alle 15 Eurofighter werden über russischem Gebiet abgeworfen. Mehrere russische LKWs werden durch herabfallende Blechteile leicht beschädigt.

Auch die Garde des Bundesheeres kann endlich das Gelernte umsetzen: Die Grundwehrdiener stehen stundenlang komplett regungslos am Schlachtfeld, während ringsum die Granaten einschlagen. Russische Soldaten sind von der Furchtlosigkeit verängstigt und ergeben sich. Weil die Justizanstalt Josefstadt jedoch überfüllt ist, erhalten sie nur Fußfesseln und dürfen ihren normalen Job (Soldat) vorerst weiterführen. 

Karl Nehammer mausert sich vom belächelten Komiker, Kabarettisten und Bauchredner zum Kriegskanzler Charlie. Er wolle nicht flüchten, sondern werde bis zur bitteren Sperrstunde in der Almhütte bleiben. „Schehen Sie, ich bin noch hier. Ich werde Wien schicher nicht verlassen, Schie haben schich verzschockt, Herr Putin! Ich brauch keine Mitfahrgelegenheit, ich brauch einen Skiurlaub!“, verkündet er martialisch. Mit Putin wolle er nur persönlich verhandeln: „Er scholl schich nicht hinter scheinem langen Tisch verstecken, schondern rauf kommen zschur Hütte, wo wir das Duell wie echte Männer entscheiden: Bei einem Meter Tschirbenschnaps und Nageln.“

Tirols Landeshauptmann Günther Platter bringt sämtliche Schneekanonen in Gefechtsbereitschaft – ihr Einsatz wird international gefürchtet und geächtet. Das Säbelrasseln zeigt abschreckende Wirkung. Die Russen stimmen einem Waffenstillstand zu. Platter ist im Blutrausch, er will auch den Einsatz der biologischen Waffen Kitzloch und Kuhstall offen diskutieren, um den Feind psychologisch zu brechen. Kein russischer Soldat will zu den Klängen von „I sing a Liad für di“ von einem aufdringlichen Kitzlochkellner mit einem verseuchten Beerpongball getroffen werden. 

Ablenkungstaktik: Neben dem AKW Zwentendorf werden um 50 Milliarden Euro fünf weitere Fake-Atomkraftwerke aufgebaut. Doch bevor die russischen Truppen kommen, müssen sie wieder abgerissen werden, da das Bundesverwaltungsgericht Unrechtmäßigkeiten bei der Vergabe feststellt.

Um Russland noch zu stoppen, muss im Kreml ein Putsch her. Ein Spezialkommando bestehend aus den Agenten Juri Gudenov und Hasbulla Strache soll sich durch verhandlungssicheres Russisch und souveränes Auftreten in Putins engsten Zirkel vorarbeiten und den russischen Staat durch ihre stärksten Waffen – Inkompetenz und extreme Dummheit – lahmlegen.

Sieg! Ein Video von Putin mit Strache und Gudenov taucht auf, das Image des Diktators ist für immer zerstört, er erschießt sich in seinem Bunker mit Gudenovs Glock 17. Die russischen Soldaten auf österreichischem Gebiet enden in schrecklicher Gefangenschaft: Sie sollen im Marchfeld als Erntehelfer arbeiten. Karl Nehammer tritt mit Tränen in den Augen auf den Belvedere-Balkon: „Öschterreich ischt frei! Charlie 69 over!“

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  • Na das ist ja mal ein echt österreichischer Ansatz ! Derjenige der Kriegsgegner der den anderen untern Tisch sauft hat gewonnen. Weltfrieden ! Österreich herrscht über die Welt!

    • naja… ist noch milde ausgedrückt. Ich gebe Ihnen völlig Recht. Ja, Satire darf Alles, aber es sollte Satire bleiben und nicht in billigen Klamauk abgleiten. Und die diversen Kommentare sprechen in Ihrer Infantilität für sich!

      • … GENAU… und früher war auch die Satire besser… und überhaupt was ERLAUBEN die sich? Also damals hätts das nicht gegeben… und die ganzen Idioten die sich heutzutage erdreisten ihre Meinung zu sagen… Da wünscht man sich ja schon den Kaiser samt Adel zurück, die haben einem noch klar kommuniziert was lustig war und was am Scheiterhaufen endet…

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