Gabalier-Laberl und Panierquote: Die Entstehungsgeschichte des FPÖ-Briefes


Brief vor Briefkasten

Mit dem Einzug in die niederösterreichische Landesregierung versprach die FPÖ die Schaffung einer Wirtshausprämie. Passiert ist seither nichts. Wieder mal ist man offenbar zu beschäftigt mit Nichtstun und Einzelfällen. Die Tagespresse wollte helfen und den Freiheitlichen unter die Arme greifen.

Kurz vor Ostern. Redaktionssitzung in der Tagespresse-Redaktion. Wie jeden Morgen blättern wir zur Inspiration durch die New York Times, Le Monde Diplomatique und das Bezirksblatt Mistelbach, wo Udo Landbauer aus einem Inserat rauslächelt. Doch es ist das Lächeln eines faulen Taugenichts, der dem Steuerzahler auf der Tasche liegt.

Mit großer Sorge haben wir festgestellt, dass die FPÖ wieder mal vieles versprochen, aber nichts umgesetzt hat. Die Partei hat damit die niederösterreichischen Gastronomen lediglich für ihren Wahlkampf missbraucht.

Auch wir fühlen uns betrogen. Teile unserer Redaktion sind selbst Niederösterreicher, andere sind Niederösterreicher im Herzen (wir fahren oft sehr schnell durch Niederösterreich durch, auf dem Weg in die schöne Steiermark). Unsere blau-gelben Herzen bluten.

Wir packen selbst an, um die FPÖ-Versprechen einzulösen. Wir setzen die Wirtshausprämie endlich um.

Als moderner Medienkonzern lagern wir unsere Arbeit natürlich sofort aus. Um an die Adressen der Wirtshäuser zu kommen, haben wir ChatGPT einen Webcrawler programmieren lassen, der die Herold-Website nach allen Wirtshäusern in Niederösterreich abgeklappert hat. Tada, 1.108 Adressen in nur 12 Sekunden! (Liebe Herold.at-Leute, der viele Traffic am 3. April um 21 Uhr war keine DDOS-Attacke, sondern nur unser Bot.)

Kurz darauf reduzieren wir die Liste auf 500 Lokale. Doch erst einmal muss der Brief geschrieben werden. Wir konsumieren eine lebensgefährliche Menge Grüner Veltliner aus Krems, um beim Verfassen des Briefs den Tonfall der FPÖ möglichst präzise zu imitieren.

Dann folgt die mit Abstand härteste Aufgabe, jeder Brief muss in ein Kuvert gesteckt werden und mit einer Briefmarke beklebt werden. Wir hassen körperliche Arbeit genauso wie jeder anständige freiheitliche Funktionär. 

Am nächsten Tag tarnt sich einer unserer Mitarbeiter mit Lagerhaus-Latzhose als Niederösterreicher, fährt mit dem Railjet nach St. Pölten und gibt dort die Briefe auf – der mit Abstand unangenehmste Teil der Aktion.

Sie existieren also wirklich: Lagerhaustürme!

Glücklich lehnen wir uns zurück und warten ab. Wird es für eine Ehrenmitgliedschaft in der FPÖ reichen? Dürfen wir mit Udo Landbauer persönlich im Burschenschafter-Keller Singstar spielen?

Doch dann der Schock: Die FPÖ mag unseren Brief nicht, obwohl wir auf unsere Kosten ihre Arbeit erledigen.

Die FPÖ Niederösterreich spricht von „Silbersteinmethoden“ – eine plumpe Lüge. Denn die FPÖ ist von UNS paniert worden, waschechten, autochthonen, hiesigen Österreichern mit Schnitzel als Lieblingsspeise. Und die Partei, die sonst gegen alle unter der Gürtellinie austeilt und im TV sogar Schülerinnen attackiert, hat dabei dünnhäutiger als eine Käsekrainer reagiert.

Dass sich die FPÖ in ihrer Presseaussendung über die Forderung nach einer patriotischen Speisekarte lustig macht, sich von ihren eigenen Wahlversprechen distanziert und dabei das „Gabalier-Schnitzel“ verlacht, beweist endgültig: Es geht ihr nicht um unser schönes Österreich, sondern wie immer um den Zugang zu den Steuertöpfen, an denen sie sich ungeniert bedienen will wie an einem All-You-Can-Eat-Buffet.

Ein hartes rechtliches Vorgehen der Gastronomen gegen die FPÖ wäre hier zu begrüßen und wird derzeit von unseren Anwälten in enger Abstimmung mit der Rechtsanwaltskammer geprüft. 

Da führende niederösterreichische FPÖ-Mitglieder aus dem persischen Ausland stammen und verdächtige Namen tragen (Schnedlitz, Murlasits… ), hier eine kleine Erinnerung: Mit Essen spielt man nicht. Das ist der Teil der österreichischen Kinderstube, die für viele FPÖ-Mitglieder offenbar ein Fremdwort ist.

Die Sorge der FPÖ um die wirtschaftliche Lage der Wirte ist ehrenwert. Das Wirtshaussterben geht voran, denn die Stammtische der Alten sterben aus und die Jugend geht nicht mehr ins Wirtshaus. Wenn die Leute im Ort nicht mehr ins Wirtshaus gehen, ruhen die Hoffnungen auf dem Tourismus. Doch ob internationale Besucherinnen und Besucher goutieren, dass der Vizelandeshauptmann Landbauer in Liedtexten die siebte Million toter Jüdinnen und Juden schaffen will, ist zweifelhaft.

Wir gehen jetzt Mittagessen und freuen uns auf eine mittelrohe Fleischschnitte, einen Kickl-Kaffee (alte Bezeichnung: „kleiner Brauner“, Anm.) mit Milch, Zucker und Streisand – und als Nachspeise eine saftige FPÖ-Opferrolle.

Um nicht wieder für Panik und Empörung bei der FPÖ zu sorgen, werden wir unsere weiteren Forderungen in der Form eines nationalsozialistischen Liederbuchs veröffentlichen. Auf eine gute Zusammenarbeit! 

Mit freiheitlichen Grüßen,

Die Redaktion

PS: Wir möchten uns an dieser Stelle bei unserem Anwalt für die stressige Woche entschuldigen.


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