Fear and Loathing in Vienna: Eine Nacht mit Van der Bellen und Bierlein


Wo die beiden auftauchen, ist der Exzess nicht weit: Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Ex-Kanzlerin Brigitte Bierlein fahren gemeinsam nach Wien. Mit im Gepäck: allerhand fragwürdige Substanzen. Die Tagespresse begleitet die beiden durch eine Nacht ohne Limits. 

16:00 Uhr

Salzburg. Van der Bellen öffnet lachend den Kofferraum. „Wir haben zwei Stangen Marlboro, fünfundsiebzig Kügelchen Ginkgotabletten, fünf Löschblattbögen extrastarkes Verfassungsrecht, einen verbotenen Salzstreuer randvoll mit Himalaya Salz, sowie einen Liter Klosterfrau Melissengeist, drei Packungen Bio-Artischocken Doppelherz, eine Flasche Null Komma Josef und natürlich unsere Kiste voller Poppers, die ganze beschissene gottverdammte Karl-Popper-Gesamtausgabe. Nicht, dass wir das alles für unseren Trip bräuchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, eine ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden.“

17:43 Uhr

Seelenruhig rasen Van der Bellen und Bierlein mit 101 km/h am rechten Streifen der Westautobahn Richtung Wien. Aus dem Autoradio dröhnt eine Ö1 Reportage über Kinderarbeit in den Lithiumfabriken Boliviens. Kurz vor St. Pölten wird Van der Bellen unruhig: Er sieht mysteriöse schwarze Gestalten, die über dem Auto herum fliegen und sein Blut saugen wollen. „Wir können hier nicht anhalten!“, brüllt er Bierlein an. „Das ist ÖVP-Land!“ Bierlein steigt aufs Gas. Der Tacho schlägt aus: 102 km/h.

19:52 Uhr

Die Route war falsch. Das Auto steht verloren mitten in der Waldviertler Einöde herum. „Meidling 3 km“, zeigt ein im Wind flatterndes, rostiges Schild an. Die beiden gabeln den orientierungslosen Landstreicher Sebastian (12) auf, der eine Mitfahrgelegenheit nach ganz oben ins Kanzleramt sucht. „Steig ein!“, ruft Van der Bellen.

Zuerst freut sich Sebastian, dass er gemütlich als Mitfahrer seinem Ziel näherkommt, während andere seine Arbeit erledigen. Doch schon bald merkt der juvenile Schmarotzer, dass Van der Bellen und Bierlein an völlig wirre, psychedelische Hirngespinste wie „Menschenwürde“ und „Demokratie“ glauben. Ängstlich rollt sich Sebastian bei der erstbesten Gelegenheit aus dem Wagen und sucht das Weite.

20:22 Uhr

In Wien angekommen, macht Van der Bellen eine lustige Entdeckung. „Bist deppad, spinn ich grad oder laufen da die ärgsten Reptilien rum? Ich seh überall so bizarre Dinosaurier!“, lacht er und zeigt auf die Löwelstraße. Bierlein hört ihm nicht zu, sie prüft gerade, ob eine Einfahrt in die Wiener Innenstadt mit dem Auto überhaupt rechtlich unter eine der 27.453 Ausnahmen fällt.

21:09 Uhr

„Puh, Uppers und Downers mixen würd ich um die Uhrzeit lassen“, seufzt Bierlein, während Van der Bellen sich einen Beutel Baldrian-Tee in den Spritzer hängt. „Ich brauch das jetzt, ich muss noch ein bissl hackln“, lächelt der Gonzo-Präsident und begibt sich zum Matzleinsdorfer Platz, wo er als Staatsoberhaupt und Ehrengast der serbischen Botschaft ein illegales Autorennen über den Gürtel beobachten soll.

Die ersten BMW rasen an ihm vorbei, doch der Baldrian beginnt zu wirken. Van der Bellen schläft ein. Bierlein kann ihn gerade noch rechtzeitig in den Kofferraum verfrachten, bevor Wolfgang Fellner mit seiner Kamera auftaucht.

22:34 Uhr

„Du, nein danke, das ist mir zu hart“, sagt Van der Bellen, als ihm ein Dealer eine Spritze mit einer Flüssigkeit anbietet. „Ich brauch kein Insulin, ich bin ja nicht zuckerkrank! Aber seh ich da eine Schachtel Gauloises? Da würd ich nicht nein sagen, schnorrst mir eine?“ Die Packung ist schon leer. Van der Bellen klebt sich in einer dunklen Seitenstraße ein Nikotinpflaster auf den Oberarm.

23:32 Uhr

„Sperrstund is!“, plärrt der Kellner des Casinos auf der Kärntner Straße die beiden an. Doch Bierlein nimmt Van der Bellen grinsend zur Seite. „Als deine Drogenanwältin rate ich dir, bleib! Ich kenn das beschissene Suchtmittelgesetz und die verdammten Corona-Gesetze, weil ich bin eine gottverdammte Expertin vor dem Herrgott.“

Mitternacht

Van der Bellen und Bierlein schweifen gut gelaunt durch das Bermudadreieck, auf der Suche nach einer versifften Bar, die um diese Uhrzeit noch ein 189 Euro teures Absacker-Fünf-Gänge Menü serviert.

Plötzlich taucht eine große dunkle Gestalt aus einem Stiegenabgang auf. „Brauchst a Visitenkarte?“, lächelt der fahrig-grinsende Hühne, der sich als „Joschi“ vorstellt. Die beiden Alt-Politiker bleiben höflich und nehmen das Angebot an. Ein Fehler, denn schon wenige Minuten später beginnen die Visitenkarten zu wirken. Van der Bellen und Bierlein sind nicht wieder zu erkennen. „Shit, ich glaub ich hab grad ur den argen Puls, mindestens 30!“, sorgt sich der Präsident.

00:09 Uhr

Die beiden ziehen weiter ins Schwarze Kameel, wo gerade die tägliche Massenschlägerei stattfindet. Bierlein bestellt seelenruhig einen Pfiff und ext ihn. „Sonst kann ich nicht fahren. Ich bin nämlich eine ziemlich respektable Bürgerin“, sagt sie und zwinkert Van der Bellen zu, dem bereits der Schweiß auf der Stirn steht. Es ist zu spät, er fügt sich der Situation, steigt zu Bierlein ins Auto und flüstert: „Nichts ist hilfloser, unverantwortlicher und erbärmlicher als ein Mann in den Tiefen eines Nikotinpflasterrausches.“ Müde schaut er auf seine Uhr: „Oje, schon wieder verplaudert. So sind wir nicht!“

01:18 Uhr

Am Heimweg geraten sie in Wien-Neubau in eine Polizeikontrolle. „Spürst du auch das Bier?“, sagt Bierlein. Van der Bellen nickt. Beide sitzen kerzengerade im Wagen und versuchen, sich nicht zu bewegen, um ja nicht zu furzen. Van der Bellen rutscht nervös auf seinem Sitz herum, ein Darmwind-ähnliches Geräusch entsteht. „Das war der Ledersitz, ich schwörs, die machen manchmal so, wenn man–“, schreit Van der Bellen. Die Polizisten ziehen ihre Waffen und zerschießen minutenlang die Reifen des Autos. „Sicher is sicher, und jetzt sofort aussteigen und einmal in den Alkomat blasen.“

Die Situation eskaliert endgültig. Bierlein hat 0,8 Promille. Game over. Schein weg. Endstation. Aus dem Streifenwagen hört man den Polizeifunk. „Streife Herbert bitte kommen, Notfall, schwere Explosion in Fünfhaus, offenbar ein heimtückischer Eierschas, bitte Vorsicht!“ Die Polizei rast davon. Bierlein und Van der Bellen sitzen gerädert auf einer Parkbank. „Hast du gesehen, was Gott uns gerade angetan hat?“, fragt Bierlein. Van der Bellen hat genug. Er steht auf. „Das war nicht Gott, das warst du.“

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Unfassbar. Dieser Artikel hat den Pulitzer Preis verdient!!! Danke für diesen gedanklichen Ausflug.

Ad ÖVP-Land … das wären aber alle Bundesländer am Weg von Salzburg nach Wien, da hätte man die beiden besser von Klagenfurt aus wegfahren lassen.

Es schreibt sich „Hüne“.

Leute, diesmal habt ihr zu dick aufgetragen…
Weniger ist manchmal mehr — aber dennoch: wir genießen eure News!

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