Faule Schnorrer, die Staatshilfe fordern: Zu Besuch bei der Industriellenvereinigung


IV Vorstand Knill mit Irokese, Punk Outfit und Bettel-Becher

Der Markt hat versagt, der Staat müsse jetzt einspringen: Diese Worte stammen nicht von Karl Marx oder Che Guevara, sondern vom Präsidenten der Industriellenvereinigung. Georg Knill forderte heute im Ö1-Morgenjournal finanzielle Unterstützung für Konzerne in der Energiekrise. Sind unsere Unternehmen wirklich in Not, oder sind Manager nichts als faule Schmarotzer? Eine Spurensuche.

WIEN – „Hast du’n Euro?“, begrüßt uns IV-Präsident Georg Knill, nimmt einen Schluck aus seiner Dose Pittinger und hält uns einen leeren Pappbecher hin. Der honorige CEO schaut anders aus, er trägt jetzt einen rosa Irokesen und Doc Martens. Statt einem Manschettenknopf blitzt ein „Rage-Against-The-Machine“-Button auf seinem Hemd. 

Wir werfen einen Euro rein. „Das ist zu wenig oida, ich brauch ein paar Milliarden, hast du so ein oder zwei? Nein?“ Entnervt seufzt er. „Fuck capitalism! Nieder mit dem Markt!“ 

Es ist 8 Uhr früh am Schwarzenbergplatz im Armenhaus der Industrie. Es hat sich bereits eine lange Schlange gebildet, viele Industriebosse hoffen auf einen Schöpfer Hummerschaumconsommé aus der Suppenküche der Industriellenvereinigung.

„Jede Woche wird die Schlange länger“, seufzt Knill, der von seinen Punkerfreunden nur „Knillchen“ genannt wird. Aus seinen Kopfhörern dröhnt ein Song der „Sex Pistols“, die Ratte auf seiner Schulter nickt im Takt. Nächste Woche eröffnet im Keller ein Asozialmarkt.

Knill war jahrelang selbst Teil des Establishments, doch jetzt denkt er um. „Wenn alleinerziehende Mütter sich die Miete nicht mehr leisten können oder Mindestpensionisten die Butter zu teuer wird, dann will das der allmächtige Markt so“, erklärt Knill. „Aber wenn Konzerne in Notlage geraten, wenn die Dividende in Gefahr gerät, die Boni wanken, wir unser letztes Brioni-Hemd geben müssen, dann funktioniert der Markt ja eindeutig nicht mehr. Der Markt funktioniert, solange er für uns funktioniert. Logisch, oder?“

„Linke Fantasien“

Die Regierung bleibt vorerst jedoch hart. „Das sind linke Fantastereien einer kleinen, anarchistischen Schmarotzertruppe namens IV, diese Leute wollen den Staat aushöhlen, meine Cobra-Beamten beobachten sie schon länger per Tunnelblick“, erklärt Kanzler Karl Nehammer.

Auch Grünen-Chef Werner Kogler legt nach. „Diese Damen und Herren sollen erst einmal etwas arbeiten gehen! Das sind zum Teil 40-jährige Menschen, die in ihrem Leben noch keine einzige Hornhaut vom hackeln gehabt haben! Das Schwerste, was die in der Arbeit hochgehoben haben, war der Montblanc-Kuli!“

Smash the system

Knill und seine Kumpanen können darüber nur lachen. „Smash the System!“, lacht er, dann gelt er sich seine Haare zu einem Irokesen hoch und fährt mit seinem Cayenne die Mariahilferstraße auf und ab. „Hastu maln Euro? Hastu maln Euro?“

Breitbeinig setzt sich Knill vor die Gerngrossauslage. Passanten wenden sich angewidert ab, wenn er hoffnungsvoll seinen Starbucks-Becher schüttelt. Letztendlich verscheucht ihn ein Security. Mit hängendem Kopf zieht Knill ab. „In unserer individualistisch, kapitalistisch organisierten Neidgesellschaft hat Solidarität wohl keinen Platz mehr“, zeigt er sich nachdenklich. „Wer hat so eine Denkweise nur salonfähig gemacht?“

Es wird langsam dunkel, Knill will sich um die gesammelten EUR 7,65 im Westbahnhofparkhaus ein Tattoo stechen lassen. Ein gebrochenes, tränendes Herz umrahmt von gierig lachenden Totenköpfen ziert am Ende des Abends seine Brust.

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Mehr Privat, weniger Staat. Und wenn Privat wieder einmal gegen die Wand gefahren ist, dann darf der Staat wieder retten kommen. Neoliberalismus nennt sich das.

Vielleicht wäre eine Demo gegen Staatshilfen angebracht?
Schließlich helfen Private auch besser…

Mir war echt zum speiben heute Morgen als ich das sogenannte Interview mit dem Knill hörte , man hört heraus mit welcher Unverfrorenheit die IV das fordert, was er in die türkise Bande vor der Wahl gesteckt hat. Als ob sie mit der Kurzarbeit nicht schon genug Steuergeld für ihre Dividenden eingesackt hätten.

Wie viel Geld der Steuerzahlerinnen haben die Türkisen im „Kaufhaus Österreich“ versenkt? Wer hat das Geld kassiert? Der geniale KÖ-Experte Harald Mahrer weiß das, wird es vermutlich aber nicht verraten.

Gleichzeitig bekommt man im Radio heute Mittag (Ö1) erklärt das die 500 € für jeden doch Fair und sozial treffsicher sind… weil die habenichtse haben eh nur kleine Wohungen wo das Heizen net so viel kostet. Die armen armen reichen mit Ihren Wohnpalästen sind die wirklich hart getroffenen, für die steigen die Kosten ja soviel mehr das die 500€ ja praktisch gar nichts sind …

Ich glaub ich muss mal kurz zum Lachen in den Asozialmarkt runtergehn …

Im Armenhaus der Industrie! Bald gibt’s nur mehr Kartoffelgulasch. Oida!

Aber mit Austern, Scrimps und Hummerstücke, bitte schön.

Trüffeln ! Ich fordere Trüffeln für unsere Leistungsträger !

aber bitte nicht die billigen schwarzen Diskont-Trüffel sondern die reinweißen Trüffel!

Rüffeln schreibt man ohne T.

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