Die Auslagerung staatlicher Sicherheitsinfrastruktur an private Tech-Giganten schreitet voran. Der US-Konzern Palantir rückt dabei zunehmend in den Fokus europäischer und österreichischer Behörden. Doch was genau macht das Unternehmen? Warum gibt der Staat das Gewaltmonopol an Serverfarmen ab? Wir beantworten die drängendsten Fragen in diesem Q&A.
Was ist Palantir?
Palantir Technologies ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen, das sich auf die Analyse großer Datenmengen (Big Data) spezialisiert hat. Die Software wird von Geheimdiensten, dem Militär und Polizeibehörden genutzt, um Menschen aufzuspüren, die zufällig den gleichen Nachnamen wie ein gesuchter Terrorist haben.
Woher stammt der Name des Unternehmens?
Der Name stammt aus J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“. Ein Palantir ist dort ein allsehender Stein, der vom dunklen Herrscher Sauron genutzt wird, um die Gedanken seiner Feinde zu manipulieren und Mittelerde lückenlos zu überwachen. Ein passender Namenspatron für ein Unternehmen, das Zugriff auf die Gesundheits-, Finanz- und Kommunikationsdaten von Milliarden Menschen hat.
Fun Fact: Die ursprünglich vorgeschlagenen Namen „Doktor Gruselglatz Inc.“, „Stasi LLC“ und „Gestapo Corp.“ waren leider wegen markenrechtlicher Bedenken nicht möglich.
Wie funktioniert die Software?
Das Prinzip ist einfach: Der Staat füttert die Software mit allen verfügbaren Daten. Das System verknüpft dann völlig belanglose Informationen, wie etwa Einwohnermeldedaten, Strafregisterauszüge, Handyping-Daten, Ihre Netflix-Präferenzen und die Mitgliedschaft bei einer verfassungsfeindlichen Blasmusikkapelle. Der Algorithmus errechnet daraus einen Gefährder-Score.
Warum programmiert der Staat solche Systeme nicht einfach selbst?
Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass staatliche IT-Großprojekte in Österreich oft zu erfolgreich werden, siehe Kaufhaus Österreich oder ID Austria. Nach 150 Millionen Euro Entwicklungskosten könnte eine heimische Polizei-Software alphabetisch nach Vornamen sortieren, dafür steht bei einigen ÖVP-nahen Consultern plötzlich der Cayenne im Carport, und auch Fellner kann sich das Fabios wieder leisten.
Ist es bedenklich, wenn private Konzerne die Kriminalitätsbekämpfung übernehmen?
Nein, es ist eine klassische Win-Win-Situation: Die Behörden ersparen sich die Debatte über Grundrechte und den gläsernen Bürger. Palantir wiederum verdient Milliarden an Steuergeldern, ohne sich jemals Wahlen oder parlamentarischer Kontrolle stellen zu müssen.
Was passiert, wenn der Staat den Vertrag mit Palantir kündigt?
Haha, der war gut. Wenn die Polizei erst einmal Jahre damit verbracht hat, all ihre Ermittlungsakten in das Palantir-Ökosystem zu migrieren, gibt es kein Zurück mehr. Ohne die Software wären die Behörden über Nacht wieder auf dem Ermittlungsstand von 1983 und müssten Karteikarten in Schuhkartons sortieren. Außerdem kennt Palantir bald auch alle Geheimnisse der Beamten und Politiker selbst, die damit bis ans Ende ihrer Karrieren leicht erpressbar bleiben.
Wer steht hinter Palantir?
CEO ist Alex Karp. Gegründet und maßgeblich finanziert wurde Palantir von Peter Thiel. Der libertäre US-Milliardär hält Freiheit und Demokratie für unvereinbar, und Greta Thunberg für den Antichristen. Zeitweise holte sich Thiel Unterstützung vom großen Demokratie-Freund Sebastian Kurz, der für einige Monate im Spyware-Außenvertrieb mithelfen durfte. Die einstige SPÖ-Nachwuchshoffnung Laura Rudas nahm was die Fachgebiete „Intrigen/Zynismus/Hass auf die einfachen Leute da unten“ betrifft viel Erfahrung aus der Partei mit, ist auch seit über 10 Jahren dabei und hat heute eine Führungsposition inne.
Kann Palantir auch in Österreich effektiv Verbrechen verhindern?
Nicht wirklich. Die Software ist zwar in der Lage, globale Finanzströme von Terrornetzwerken abzubilden, stößt aber bei der analogen Freunderlwirtschaft hierzulande an ihre algorithmischen Grenzen. Wenn ein Bürgermeister ein Stück Grünland in lukratives Bauland umwidmet oder plötzlich Chef des Finanzamts in Braunau wird, schlägt der Algorithmus nicht Alarm, sondern spuckt ein „Alles richtig gemacht“ aus.
Eine weitere Markteintrittshürde: In Österreich gilt die technisch noch raffiniertere Überwachungs-KI „Jö Bonusclub“ als Platzhirsch.


