Er hat öffentlich gefilmt: Katar erschießt Videoschiedsrichter


Mit Blut bespritzer Bildschirm

Das Eröffnungsspiel in Katar wird von einem Zwischenfall überschattet: Sicherheitskräfte erschossen einen Videoschiedsrichter der FIFA. Dieser hatte im Stadion öffentlich mit einer Kamera mitgefilmt.

AL-CHOR, KATAR – Das al-Bayt-Stadion ist bis zum letzten Platz gefüllt, als ein Schuss die 60.000 bezahlten Fans aufschreckt: Der Videoschiedsrichter sackt am Spielfeldrand zusammen. Noch in Minute 4 erkennt der Unparteiische Ecuador das Führungstor ab. Als die Kataris ihm ein „Dankeschön“ überreichen wollten, entdecken sie Kamera und Bildschirm-Equipment. 

Nach dem Schuss wird es still in der Arena, man hört nur mehr die Outdoor-Klimaanlagen. Ein Scheich ruft in die Menge: „Was ist? Wir bezahlen euch nicht zum Schweigen!“ Begeisterter Jubel bricht aus.

Bei der FIFA gibt man sich einsichtig. „Unser Mitarbeiter hätte die regionalen Bräuche und Normen respektieren müssen“, erklärt FIFA-Chef Infantino. „Das war im WM-Kaufvertrag klipp und klar dabei, den Katar mit uns abgeschlossen hat. Ich bin vielleicht Katari, Araber, Gastarbeiter, schwul, behindert, und schwerkorrupt, aber ich bin sicher nicht vertragsbrüchig.“

Vertrautes Spektakel

„Olé, Olé, Olé“, brüllt Johann Hwezda, einer der wenigen aus Österreich angereisten Fans und nippt an seiner geschmuggelten Bierdose, ehe er von einem Security getasert und überwältigt wird. „Das ist 1:1 wie bei einem Auswärtsspiel von Sturm Graz“, freut sich sein Sitznachbar und tritt  einem am Boden liegenden Jugendlichen ins Gesicht. 

Es ist nicht der einzige Vorfall, der an diesem Abend für Aufmerksamkeit sorgt. Nur wenige Minuten später berührt ein ecuadorianischer Verteidiger seinen Gegenspieler bei einem Foul unsittlich am Gesäß. Während der norwegische Schiedsrichter es bei einer Verwarnung belässt, peitscht die katarische Sittenpolizei den Spieler feierlich aus. 

„Are you not entertained?“, skandiert der Emir von Katar über die Lautsprecheranlage des Stadions, ehe er sich wieder in seinen Thron fallen lässt. Der Klang von schnalzenden Peitschen und schmerzerfüllten Schreien füllt das Stadion wie einst jener der Vuvuzelas. Es sind Szenen, wie man sie sonst nur aus der Rapid-Westtribüne kennt.

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13 Kommentare
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Ich habe noch nie eine treffendere Beschreibung von Infantino gelesen wie hier.

Spannend wird’s erst, wenn Infantilo ein Versprecher passiert. Ist das regelkonform, wenn auf der Querlatte einer gehängt wird – bei laufendem Spiel?

Bitte den Namen richtig schreiben!!!
Der heißt doch Infan-dillo!

das geht schon in ordnung, er darf den spielfluss halt nicht beeinträchtigen. zumindest nicht zum vorteil für die ungläubilgen.

Wieso kommt das nirgendwo außer hierin die Presse. Es ist ein Skandal, und kann nicht sein das es Todgeschwiegen wird.

The show must go on

Wir werden uns noch wundern,
was alles möglich ist….

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