Chronik

Nach Kontakt mit Heute-Zeitung: Wienerin (72) steckt sich mit Ebola-Panik an

Ebola Panik

Jetzt ist es auch bei uns soweit: Österreich hat seinen ersten bestätigten Fall von Ebola-Panik. Bei der Patientin handelt es sich um die 72-jährige Sieglinde M. aus Wien-Donaustadt. Sie infizierte sich offenbar an einer mit Fehlinformation und Klamaukjournalismus kontaminierten Heute-Zeitung.

„Ich will doch nur meine alte Sigi zurück“, klagt Ehemann Wilhelm (73) gegenüber der Tagespresse an. Seit Tagen pflegt er seine Frau liebevoll, liest ihr wissenschaftliche Artikel über Viruserkrankungen vor, die er von seinem Hausarzt bekommt. Doch bisher ohne Erfolg.

„Bis vor kurzem stand sie noch mitten im Leben, war immer mit unserem Dackel Poldi spazieren“, erzählt Ehemann Wilhelm weiter. Jetzt schreibt sie den ganzen Tag wirre Leserbriefe an die Heute-Zeitung in denen sie Grenzkontrollen fordert, um „die Flüchtlingsboote mit den Ebola-verseuchten ISIS-Terroristen“ zu stoppen.

Eine einzige Berührung mit einer Heute-Zeitung, die sie sich auf dem Weg zur U-Bahn einfing, reichte aus um die rüstige Seniorin aus der Bahn zu werfen. Nicht einmal mehr ihre Lieblingssendung, Frisch Gekocht mit Andi und Alex, kann sie sich noch ansehen: „Gestern hams a Marokkanisches Couscous gemacht. Da hat sie geschrien: ‚Afrika! Ebola!’ Es ist zum Verzweifeln.“

Ältere Menschen gelten als besonders gefährdet, sich an einem Boulevardblatt mit der Ebola-Panik anzustecken, erklärt Expertin Dr. Petra Müller von der Uni Wien. „Bei jüngeren Menschen ist das Ansteckungsrisiko deutlich geringer. Ihre Aufmerksamkeitsspanne konnte dank moderner Smartphone-Technologie auf jene eines Goldfischs reduziert werden.“ Dennoch gebe es vorerst keinen Grund, aufgrund der Ebola-Panik in Panik zu geraten.

Therapieversuche mit gut recherchierten, ausgewogenen Artikeln in Qualitätszeitungen zeigten in Studien bisher keinen Erfolg. Forscher verfolgen jedoch einen vielversprechenden Ansatz, bei dem Ebola-Panik durch die Auslösung einer neuen Panik, etwa vor Dschihadisten oder Begegnungszonen, behandelt wird.

Doch ob diese Therapie Sieglinde M. noch helfen kann, ist fraglich. Mit ernster Miene starrt sie auf die Alte Donau und versucht, ankommende Flüchtlingsboote zu erspähen. Wilhelm M. bittet: „Lassen’s die Finger von der Heute, schaun’s ned amoi eine. Außer auf die Nackerte auf Seite 3.“

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(Foto: vectorlyme/Flickr, Montage)

26 Kommentare

26 Comments

  1. RUDOLF FRÜHBAUER

    23.06.2016 um 14:12

    WIR WERDEN KEINEN RICHTER BRAUCHEN
    Nach letzten psychologischen Gutachten und Erkenntnissen, sind wir bald in der Lage, alle Gefängnisse in Narrentürme umzuwidmen. Da endlich klar ist, dass kriminelle Taten aus fehlentwickelter Geisteshaltung, also von niedrig bis hochstgradig Verrückten getätigt werden, müßen alle Juristen und ihre Gesetze zu einer Verurteilung abgeändert werden. Somit braucht es nurmehr Aufenthaltsorte zur Gesundung kranker Gehirne. In diesem Fall sind in Zukunft nur mehr Betreuer und Pfleger bestimmter Straftaten und ihrer geistig abnomen Täter notwendig.
    Und wenn sich eine geistig abnorme Person nach einiger Zeit wieder durch Psychologen und deren Hilfe, also sozusagen zurück zur Normalität entsprechend geheilt ist, kann sie wieder zurück in das Alltagsleben eingegliedert wird.
    Ich finde diese Entwicklung hervorragend, leider wird sich unsere Justiz und ihre Rechtsprechung in Richtung Psychiatrie umsatteln müßen, um ihren Lebensunterhalt aufrecht zu erhalten. Man darf dabei hoffen, das sie dabei nicht in die Abnormalität abgleiten.

    howdy rudi

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